»Renft für immer« steht auf einem T-Shirt, das mehrere Fans am 21. März 2026 mit diesem Spruch im Neustädter Wotufa-Saal trugen. Andere Besucher hatten Kleidung mit der Aufschrift »50 Jahre Renft« dabei. Dieses Jubiläum stand bereits 2008 ins Haus. Ganz sicher wird deren Vorliebe für ihre Band nie enden. Trotzdem verabschiedet sich die ursprünglich 1958 als Renft-Combo in Leipzig gegründete Formation nach 68 Karrierejahren von der Bühne.
Bandgründer war Klaus Jentzsch, der seine letzten Lebensjahre bis zu seinem Tod 2006 in Löhma im Saale-Orla-Kreis verbrachte. Jentzsch, der in Jena geboren wurde, erlebte seine Kindheit in Gernewitz nahe Stadtroda. Der Geburtsname seiner Mutter Renft führte zum ursprünglichen Namen der Band: Klaus Renft-Combo. Renft bestand in den 68 Jahren nicht lückenlos, weil die Formation immer wieder mit Auftritts- und Berufsverboten bedacht wurde und Musiker die DDR verließen, darunter Thomas 'Monster' Schoppe, der derzeit aktive Sänger und letztes Originalmitglied. 1970 stieg er bei der Klaus Renft-Combo ein und komponierte unter anderem das "Gänselieschen", "Als ich wie ein Vogel war" und "Ermutigung". Beim Kultsong "Gänselieschen" bewiesen die Gäste im Wotufa-Saal ihre Textsicherheit auffallend stark. Sänger Thomas Schoppe berührte das tief. Der letzte Vorhang bei einem Konzert von Renft fällt am 25. April 2026 in Plauen. Anschließend soll es noch zwei Sonderkonzerte in Riesa und in Magdeburg geben.
Nach eigenem Bekunden will der fast 81-jährige Sänger weiterhin Musik machen. Als Solokünstler möchte er mit anderen Künstlern internationale und neue eigene Lieder interpretieren. Fünf bis sechs Titel von Renft soll es im Programm weiterhin geben. Alle Klassiker von Renft erklangen in Neustadt an der Orla im Konzert, das aus zwei Teilen bestand und damit eine kurze Pause enthielt. Die Lieder wurden auffallend frisch und modern gespielt. Das offizielle Alter der Band stand also gar nicht zur Debatte. Eher bei den Versionen von Interpretationen von den Beatles und den Rolling Stones wusste der Besucher, unter welchem Zeitgeist die Renft-Musiker aufgewachsen sind. Dazu passte auch das letzte dargebotene Lied der Band: "Child In Time", der Klassiker von Deep Purple aus dem Jahr 1970. Ja, man höre und staune, doch 'Monster' sang dieses Lied vom ersten bis zum letzten Takt ohne Fehl und Tadel. Für so manchen Besucher im Saal kam das überraschend. Es gehörte aber zuletzt immer zum festen Repertoire. Entweder "Born To Be Wild" von Steppenwolf (1968) oder eben "Child In Time" waren gewissermaßen die Rausschmeißer im fast zweistündigen Konzertprogramm. Hut ab.
Konzertbesucher Dominik Baum aus dem nahen Ranis kannte die Liste aller Titel auswendig. Mit seiner Band Dead Flowers bestritt der Musiker aus der Burgstadt Ranis vor ein paar Jahren das Vorprogramm bei einem Auftritt von Renft in Triptis. Damals stand noch der 2019 verstorbene Bassist Marcus Schloussen in den Reihen von Renft. Sein Nachfolger ist seitdem Peter Rasym, der bis zu deren Auflösung 2016 in den Diensten der Puhdys stand. Aktiver Schlagzeuger ist heute Olli Becker, während der Ausnahmemusiker Gisbert 'Pitti' Piatkowski (Allstarband Gitarreros in der DDR) Gitarre spielt. 'Pitti' begann seine Musikerlaufbahn bei den 1963 in Magdeburg gegründeten Klosterbrüdern, die sich später in Magdeburg umbenennen mussten. In Magdeburg hatten die Musiker ihre Heimat.
Die Renft-Jahre über die vergangenen fünf Jahrzehnte hatte Uli Hammerschmidt als Fan miterlebt. »1975 habe ich mein erstes Renft-Konzert besucht«, erinnerte sich der Pößnecker, der mit seiner Frau in der Halle zu Besuch war. Gisbert Piatkowski nutzte abschließend die Gelegenheit, sich bei Dirk Pasold und dessen Frau »für die jahrelange Unterstützung« zu bedanken. Der Pächter des Wotufa-Saales in Neustadt an der Orla, der akribisch Tour-Tagebuch führt, wusste allerdings nicht genau zu sagen, wie oft Thomas Schoppe und Begleitung bei ihm in den vergangenen 30 Jahren zu Gast waren. Seit 1996 führt Dirk Pasold im Neustädter Saal bei Veranstaltungen Regie.
- Jungs, ich komme wieder als Thomas Schoppe solo
- Solider Part: Bassist Peter Rasym, seit 2019 bei Renft, ehemals bei den Puhdys aktiv
Ein zusätzliches musikalisches Bonbon war in Neustadt der Auftritt von Windminister. In der gleichnamigen (West-)Berliner Band, die Anfang der 1980er Jahre ursprünglich von Eberhard Klunker und Olaf Wegener ins Leben gerufen wurde, spielten nach deren Gründung unter anderem Klaus Jentzsch, Thomas Schoppe und Christiane Ufholz. Klunker und Wegener war einst die Flucht aus der DDR mit einem Schlauchboot über die Ostsee geglückt. In Anspielung an die Republikflucht entstand deren Name. Das Programm am 21. März 2026 über 45 Minuten bot facettenreiche erstklassige Unterhaltung. Besser hätte das Vorprogramm an diesem denkwürdigen Tag nicht bestückt sein können. Die beeindruckende Sängerin Steffi Breiting glänzte mit einer Gänsehautvorstellung.
Abschließend darf man festhalten, dass dieses unvergessene Konzert große Emotionen bereithielt. Aber es gab keinen Abschiedsschmerz. Zuschauer und Band verabschiedeten sich in angemessener Form würdig voneinander. Im Mittelpunkt stand die Rockmusik. Das erinnerte mich sehr an die Abschiedstournee von City. Beim Konzert am 24. November 2022 im Geraer Kultur- und Kongresszentrum verzichteten Sänger Toni Krahl und Bandkollegen auf große Worte.Sie rockten einfach munter drauf los. So machten es auch Renft.
- Die Thüringer Sängerin Steffi Breiting
- Steffi Breiting und Eberhard Klunker von Windministe
Ein herzliches Dankeschön geht an Dirk Pasold und seine Frau Tina für die problemlose Akkreditierung im Wotufa-Saal.
Bildnachweis für alle Bilder des Events: © 2026 | Mario Keim | RockTimes
Line-up Renft:
Thomas 'Monster Schoppe (Gesang, Gitarre)
Gisbert 'Pitti' Piatkowski (Gitarre)
Peter Rasym (Bass)
Olli Becker (Schlagzeug)
Line-up Windminister:
Steffi Breiting (Gesang)
Eberhard Klunker (Gitarre)










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