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Geezer Butler / The Very Best Of Geezer Butler – CD-Review

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Am Anfang steht natürlich wieder einmal die Frage aller Fragen: Warum beehrt Geezer Butler seine Fangemeinde mit einem "The Very Best Of"-Album, obwohl gerade beim Label BMG die Kollektion "Manipulations Of The Mind" mit allen drei Solo-Alben erschienen ist? Also kann sich die scheinbar überflüssige CD nur an Edelsammler oder Interessenten richten, die sich einen ersten Überblick über das solistische Gesamtwerk ihres musikalischen Helden machen möchten.

Butler gehörte als Gründungsmitglied mit zwei kleinen Pausen bis zur offiziellem Auflösung 2017 dem Quartett Black Sabbath an. Mehr Zeit bei Black Sabbath verbrachte nur Gitarrist Tony Iommi, der die komplette Zeit der Band angehörte. Vernachlässigt man die üblichen Randerscheinungen eines Rockerlebens in einer Phase von knapp 50 Jahren Bandzugehörigkeit, so gab der heute 72-Jährige immer den soliden und seriösen Handwerker ab. Auf mich wirkte er auf der Bühne bei seinen Auftritten immer wie der brave Junge von nebenan. Dieses Bild sollte man allerdings beim Blick auf dessen Soloausflüge zumindest aus musikalischer Sicht schnell beiseitelegen. Geezer Butler und seine schweren Jungs kennen hier keine Kompromisse.

An die treuen Fans von Black Sabbath gilt deshalb sogar der Warnhinweis: Bitte schleunigst alles vergessen, was Ihr schon über Lieblingsband und deren Mitstreiter wusstet und noch erfahren wolltet. An diesem Punkt sollte Einigkeit darüber herrschen, dass ein Soloalbum immer zunächst ein spezielles Album ist und dessen Musik nicht zwangsläufig mit jener der angestammten Unternehmung korrespondieren muss. Den Beweis tritt Geezer Butler mit seinen drei Soloalben "Plastic Planet" (1995), "Black Science" (1997) und Ohmwork (2005) nachhaltig an. Die Alben sind in der genannten Reihenfolge unter den drei Bandbezeichnungen g/z/r, Geezer sowie GZR erschienen. Immer dabei war für die Zeit dieser Aktivitäten Butlers Neffe, Gitarrist und Co-Komponist Peter "Pedro" Howse.
Zum Auftakt stand Burton C. Bell am Mikrofon. Zwei Jahre später musste der Frontmann der gefragten US-amerikanischen Band Fear Factory aufgrund eigener Vorhaben weichen. Die Stücke des Debüts waren vor allem geprägt vom markanten Gesang Burtons. Moderner, kalter 90er-Jahre Metal mit einer Portion Industrial mit unüberhörbarer Riff-Häufung, treibendes Schlagzeugspiel mit viel Doublebass und Grooves sowie dem perfekten Wechselspiel aus Bells aggressivem und in diesem Fall meist melodischem Gesang waren prägendes Markenzeichen. Diese Zutaten bestimmten auch das Songwriting und die Produktion der 1995er Albums. Mit Black Sabbath hatte dies zunächst nichts gemein.

Alle drei Soloplatten zusammen betrachtet, bleibt "Plastic Planet" das bestimmende Album. In seiner Zusammenstellung der 17 Werke nennt Butler nur vier Lieder aus "Ohmwork". Er zeigt mit seinem Ausflug als Solist, was das Genre alles zu bieten hat. Allein Fear Factory vereinten in ihren Anfangstagen Neo-Trash-, Groove- Death- und Industrial Metal auf sich. Wer sich darauf einlässt, erkennt viele interessante musikalische Details, bis hin zu akustischen Gitarren. Diese Merkmale machen "The Very Best of Geezer Butler" als abwechslungsreiches Metal-Album aus. Dass es sich dabei um keine Produktionen handelt, die man schnell einmal im Vorbeigehen konsumiert, sollte jedem Interessenten klar sein. Es lohnt sich durchaus, die Regler ein wenig nach oben zu justieren.

Alles klingt immer noch versöhnlich melodisch. Gewissermaßen ist es eine Entdeckungsreise durch Butlers musikalischen Kosmos, den sein kurzzeitiger Abschied von Black Sabbath erst möglich machte. »Ich ziehe es vor, Songs auf ihre rohesten, elementarsten Sounds zu reduzieren und sie zu sprengen«, verriet Terry "Geezer" Butler einmal über sich selbst. Diesen Ansprach steckte der grundsolide Bassist in den mächtigen Black Sabbath-Sound. Damit fütterte er gleichermaßen die Stücke seiner Zeit als Solist und legte dort noch so manche Schippe obendrauf. Krachen lässt es der Altmeister bei der Gesamtspielzeit von 76 Minuten. Ja, es gibt sie noch, die Musiker, die eine technische mögliche Kapazität auf einer CD bis zum Finale ausreizen. Für den Käufer, der bewusst nur dieses eine Album bevorzugt, ist das eine gute Empfehlung.


Line-up "Plastic Planet" (1995, g/z/r):

Geezer Butler (bass, keyboards)
Burton C. Bell (vocals)
Pedro Howse (guitar)
Deen Castronovo (drums)

Line-up "Black Science" (1997, Geezer):

Geezer Butler (bass, keyboards)
Pedro Howse (guitar)
Clark Brown (vocals)
Deen Castronovo (drums)

Line-up "Ohmwork" (2005, GZR):

Geezer Butler (bass)
Pedro Howse (guitar)
Clark Brown (vocals)
Chad Smith (drums)

Tracklist "The Very Best Of Geezer Butler":

  1. Drive Boy, Shooting ["Plastic Planet"; 1995] (4:14)
  2. Man In A Suitcase ["Black Sience"; 1997] (4:09)
  3. Misfit ["Ohmwork"; 2005] (3:23)
  4. The invisible ["Plastic Planet"; 1995] (3:41)
  5. Box Of Six ["Black Sience"; 1997] (3:52)
  6. Pardon My Depression ["Ohmwork"; 2005] (4:36)
  7. House Of Clouds ["Plastic Planet"; 1995] (3:43)
  8. Mysterons ["Black Sience"; 1997] (5:34)
  9. Aural Sects ["Ohmwork"; 2005] (4:34)
  10. Detective 27 ["Plastic Planet"; 1995] (3:07)
  11. Number 5 ["Black Sience"; 1997] (5:03)
  12. I Believe ["Ohmwork"; 2005] (6:54)
  13. Catatonic Eclipse ["Plastic Planet"; 1995] (6:10)
  14. Among The Cybermen ["Black Sience"; 1997] (4:43)
  15. Prisoner 103 ["Ohmwork"; 2005] (3:09)
  16. Plastic Planet ["Plastic Planet"; 1995] (4:17)
  17. Area Dode 51 ["Black Sience"; 1997] (4:47)

Gesamtspielzeit: 75:56, Erscheinungsjahr: 2021

Über den Autor

Mario Keim

Musikstile: Heavy Rock, Rock, Deutschrock, Hard Rock
Marios Beiträge im RockTimes-Archiv

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