Die Ende der sechziger Jahre in Köln gegründete Formation Gomorrha darf sich mit Stolz auf die Fahnen schreiben, eines der ersten Rock- bzw. Krautrock-Alben veröffentlicht zu haben. So ganz traute man dem Braten dann zwar doch nicht, zog die LP zurück, spielte sie mit härterer Gangart neu ein und ließ sie von dem hinzugestoßenen Sänger Peter Otten mit englischen Texten auch neu einsingen. Als dieses, 1971 mit dem Namen "Trauma" veröffentlichte, Werk Anklang bei Fans und Presse fand, wurde die deutsche Version, schlicht "Gomorrha" betitelt, dann aber doch noch nachgeschoben. Die Original-Band bestand aus dem Gitarristen, Sänger und Songwriter Ad Ochel, dem Schlagzeuger Helmut Pohl, dem Lead-Gitarristen Albrecht Claudi sowie dem Bassisten und Tastenmann Eberhard Krietsch. Ein langes Leben war der Combo nicht vergönnt. Ein Zeitraum von knapp fünf Jahren lediglich, in denen aber immerhin zwei bzw. – je nach Sichtweise – drei Alben entstanden.
Da sich die beiden Versionen des Debüts – mit geänderter Song-Reihenfolge – auf der ersten CD befinden, lässt der Rezensent die deutsche Version außen vor. Zum Einen, da er die etwas härtere Gangart der englischen Version besser findet und zum Zweiten, da er mit deutschen Texten in der Regel wenig anfangen kann. Während der zweite Punkt natürlich reine Geschmackssache ist, ist es aber auch so, dass Peter Otten die Nase bezüglich der Lead Vocals im Vergleich zu Ad Ochel doch deutlich vorne hat. Aber wie dem auch sei, auf "Trauma" wird herrlich progessiver Rock geboten. Die Gitarren sowie die Orgel stehen deutlich im Vordergrund, Bass und Schlagzeug sorgen für die Rückendeckung in allen Lagen und Otten ist bzw. war, wie bereits erwähnt, ein starker Sänger. Vom Label werden auf dem Promozettel als artverwandte Bands Guru Guru, Kraan, Embryo sowie Faust genannt, was man einerseits so stehen lassen kann, andererseits aber auch dagegen argumentieren kann, da Gomorrha doch sehr eigenständig klingen.
1972 ging es dann noch einmal ins Studio, um die Platte "I Turned To See Whose Voice It Was" einzuspielen, für die – wie auch für die ersten beiden – erneut Conny Plank als Produzent gewonnen werden konnte. Was ja immer schon die halbe Miete war. Auch dieses letzte Werk der Kölner Musiker ist bärenstark ausgefallen und besticht ebenso wie "Trauma" mit ’schwerem' Orgelsound, klasse Gitarren sowie Rhythmus-Abteilung und der Frontmann Otten hatte natürlich in der Zwischenzeit ebenfalls nichts verlernt. Die Arrangements waren bei diesem Werk sogar noch einen Ticken raffinierter ausgefeilt und die Band begab sich, wie unter anderem dem zehnminütigen Opener "Dance On A Volcano", auf echte Soundreisen. Da schlägt jedes Krautrock- und Psychedelic-Herz höher. Der Platte wurde damals nach Erscheinen vorgeworfen, Weltuntergangs-Stimmung zu verbreiten, was heute – zumindest vom Rezensenten – aber lediglich ansatzweise nachvollzogen werden kann.
Aber gut, zur damaligen Zeit war der Progressive- und Psychedelic Rock natürlich lange noch nicht so zum musikalischen Alltag geworden, wie es seit mittlerweile einigen Jahrzehnten der Fall ist. Auch die 'zweite' und letzte Scheibe ist bärenstark, was diese Veröffentlichung mit den kompletten Aufnahmen von Gomorrha zu einer unbedingten Empfehlung werden lässt. Und um nochmal auf das von mir in diesem Review etwas stiefmütterlich behandelte Erstwerk mit den deutschen Texten zurück zu kommen sei gesagt, dass die Kölner diesbezüglich zwar nicht die ersten waren (Stichwort Ihre Kinder), dennoch war das Quartett ein klarer Vorreiter einer sich noch in der Entwicklung befindenden Bewegung. Letzten Endes hatte Gomorrha auf ihrem Gesamtwerk einen ganz eigenen Sound, was wieder einmal belegt, wie vielseitig und einzigartig sehr viele der damaligen deutschen Bands waren. Selbst wenn man sie – oft ungerechterweise – alle in der Schublade 'Krautrock' einsortiert. Nachdem die Verkaufszahlen von "I Turned To See…" weit hinter den Erwartungen zurückblieben, löste sich die Combo 1973 auf.
Line-up Gomorrha:
Ad Ochel (rhythm guitars, vibes & background vocals – CD 1 – #10-18, lead vocals – CD 1 – #1-9)
Peter Otten (lead vocals – CD 1 – #10-18, CD 2 – #1-6)
Albrecht Claudi (lead guitars, background vocals CD 1 – #10-18)
Eberhard Krietsch (bass, piano, organ, vibraphone, background vocals)
Helmut Pohl (drums, flute, vibraphone, background vocals)
Tracklist "The Complete…":
- Lola
- Totes Land
- Flammenhände
- Reise
- Regenbogenschein
- Gestern
- Kreiseltanz
- Sommer
- Trauma
- Journey
- Trauma
- Yesterday
- Lola
- Dead Land
- Summer
- Rainbowlight
- Dance Of Circles
- Firehands
- Dance On A Volcano
- Opening Of A Sealed Book
- Dead Life
- I Turned To See Whose Voice It Was
- I Try To Change The World
- Tititsh Child
Gesamtspielzeit: 77:26 (CD 1), 43:14 (CD 2), Erscheinungsjahr: 2025 (1971, 1972)



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