Höre ich die ersten Minuten des Auftaktsongs "Josephine’s Fresh Cuts", so muss ich rasch an die Musik von Crosby, Stills & Nash (& Young) denken, denn die Stimmung führt mich halt in jene Richtung, die von dieser Band seit Ende der Sechziger angestoßen wurde. Jack O' The Clock wurde im Sommer 2007 in Oakland, Kalifornien, gegründet, als sich die Multiinstrumentalisten Damon Waitkus und Nicci Reisnour zusammenschlossen, um ihre Interessen an folkinspiriertem Songwriting mit einem kompositorischen Ansatz in Instrumentierung und Arrangement zu verbinden. Gemeinsam mit Waitkus' Partnerin, der Geigerin Emily Packard und dem Drummer Jordan Glenn trat man live auf, Reisnour verließ dann die Band und mit Mit Kate McLoughlin (Fagott, Gesang, Flöte) und Jason Hoopes (Bass, Gesang) entwickelte man diesen ganz auf die Musiker zugeschnittenen Sound, der sich aus verschiedenen Elementen aus Prog Rock, Folk, Jazz und World Music zusammensetzte.
Bei dem Album "Portraits" handelt es sich um eine Sammlung von Liedern, die Emily und Damon im Sommer 2003 mit Hilfe einiger Freunde im Keller eines Steinhauses nahe Providence, Rhode Island, aufgenommen haben. Mit Hilfe weiterer Musiker*innen wurden neue Gesangs- und Instrumental-Overdubs eingespielt. Die jeweiligen Songs weisen einen hohen Grad an Individualität auf, so ist "I’m OK, You’re A Shithead" die Violine sehr klangbestimmend, auf "No. 4 Mountain" meine ich dann gar eine Spur des Violinisten Jerry Goodman zu spüren, und damit auch einen Hauch des bekannten Mahavishnu Orchestras.
Wiederum eine andere Richtung wird eingeschlagen bei "Another Sunny Day/Star Of Monster" mit dieser keltischen Ausrichtung. Allen gemein ist den Songs auf jeden Fall eine recht komplexe Gestaltung der Arrangements, die oft sehr verspielt klingen und damit eine große Unkompliziertheit und Frische ausstrahlen, etwas, das man Ende der Sechziger/Anfang der Siebziger öfter zu Gehör bekam. Dazu passen die sehr guten Vokalharmonien, und dieser Zeitgeist wurde auch durchaus aufgefrischt, weil man es geschickt verstanden hat, diesen in die Jetztzeit zu transportieren, ohne den alten Charme verloren zu haben.
Genau hier hören wir Musik, wie sie heute grundsätzlich ungewöhnlich ist, wie man sie kaum noch in gängigen Rundfunkstationen hört und die sehr viel Wärme ausstrahlt und durch ein besonders interessant geprägtes Songwriting sehr positiv auffällt. Ganz wunderbar erklingen die Gesangsharmonien auf " Year Of The Gypsy Moths", dazu der Dulcimer, die Flöte und das Fagott, einer der Höhepunkte hinsichtlich der vielschichtigen Kompositionsarbeit. In gewisser Weise, würde man es auf Popmusik anwenden, erscheint das ganze Album wie eine Art Suite mit vielfältigen Sätzen, die allesamt unterschiedlicher Ausprägung sind, insofern kammermusikalisch.
Angesichts der Vielfalt der Gestaltung sollte es jedem Hörer/jeder Hörerin nicht schwer fallen, den einen oder anderen Lieblingssong herauszufinden. Einer jener ist auf jeden Fall für mich gleich der erste, "Josephine’s Fresh Cuts", das mich mit seiner Leichtigkeit eine gedankliche Zeitreise in schöne Zeiten zurücklegen lässt. Mitunter fallen die eine oder andere skurril wirkende Zutat auf, so ist das zum Beispiel bei "Nature Abhors A Vacuum" ein Staubsauger, den man hier hören kann??? Und ganz schön wird es mit solchen luftigen Songs wie "Lazy Tom Bog", herrlich verspielt tönt dieses Instrumental, nein, nicht ganz, zum Schluss zwitschert ein Vögelein …
Insofern entzieht sich die Band permanent einer Kategorisierung, lange schon nicht mehr habe ich solche musikalischen Freigeister erlebt! Das ist unglaublich eigenwillig und brillant hinsichtlich der Kompositionen und der Arrangements, klar – und die Umsetzung trotzt vor spielerischer Freude, Unbekümmertheit und teilweise mit recht frechem Ausdruck! Und so folgt letztlich ein individuell geprägtes Stück dem nächsten, und immer dann, wenn man meint, die Band hätte sich stilistisch eingeordnet, wird das bereits rasch unterbrochen. Ein kräftiges Gewitter leitet "Windigo Knocking" ein, ein wenig fernöstlich klingt es mit "It’s Hard To Find Booze On Sunday", gepaart mit anteiliger Popmusik, manche Anklänge an Godley & Creme, 10cc und ähnliche gelagerte Bands schimmern immer wieder einmal kurz durch, diese "Portraits" sind in der Tat einsame Klasse! Ein Soundtrack wie das Leben, abwechslungsreich und voller Überraschungen.
Line up Jack O' The Clock:
Damon Waitkus (acoustic guitar, bass – #1,2,4,6,13, flute – #5, drums – #11, 17, hammer dulcimer, piano, keyboards)
Emily Packard (violin, viola)
Kate McLoughlin (bassoon, vocals)
Victor Reynolds (bass, guitars, piano, vocals, etc.)
Brad Mehlenbacher (drums)
Roger Vaughan (bass – #7, 11,17)
We also sampled some unreleased past contributions by:
Ivor Holloway (tenor sax and clarinet)
Art Elliot (organ)
Jonathan Russell (clarinet)
Dave McNally (mellotron)
Tracklist "Portraits":
- Josephine’s Fresh Cuts (6:18)
- I’m OK, You’re A Shithead (4:33)
- No. 4 Mountain (2:08)
- Another Sunny Day/Star Of Monster (2:49)
- Year Of The Gypsy Moths (3:25)
- In The Gold Coin Saloon (2:33)
- My Life’s Not Wasted (1:40)
- Lazy Tom Bog (3:30)
- The Gardener (1:48)
- Nature Abhors A Vacuum (5:05)
- Puer 1 (2:18)
- Twomile Island (2:09)
- Isolation Booth (5:07)
- Stone Cold Steve Cactus In Mojave (1:32)
- Windigo Knocking (4:36)
- It’s Hard To Find Booze On Sunday (3:58)
- Puer 2 (0:41)
Gesamtspielzeit: 54:19, Erscheinungsjahr: 2025



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