Wer für den Sommer noch ein richtig geiles Americana-/Westcoast-Album braucht, der dürfte bei Jeff Crosby an der richtigen Adresse sein. Der Mann stammt aus dem Irgendwo im tiefsten (US-Bundesstaat) Idaho liegenden Städtchen Donnelly und machte sich im Alter von zwanzig Jahren auf nach Los Angeles, wo er innerhalb von fünf Jahren sowohl die Licht-, aber auch die Schattenseiten im Leben eines Troubadours kennenlernte. Seitdem ist Crosby viel und zu ungewöhnlicheren Orten wie unter anderem Kolumbien, Island sowie Oregon gereist, sein fester Wohnsitz ist zur Zeit Nashville, Tennessee. Im Jahr 2011 erschien sein gleichnamiges Debütalbum, das von "All Nighter" (2014) sowie "Waking Days" (2015) gefolgt wurde, bis die vierte Scheibe "Postcards From Magdalena" in diesem Jahr auch bei uns in Deutschland erschienen ist. Zwölf Titel und knapp fünfzig Minuten Musik sind es geworden, wobei dazu gesagt werden muss, dass hier zwei Bonus Tracks vertreten sind, die auf dem Original-(US)-Album möglicherweise fehlen.
Jeff Crosby hat diesen coolen, groovenden und sehr erfrischenden Stil drauf, den man zwar schon aus den siebziger und achtziger Jahren kennt, den er aber durchaus selbstbewusst mit seiner ganz eigenen Note gestaltet. Als zweiten Gitarristen hat er John Gilbertson an seiner Seite, dazu seinen Bruder Andy Crosby am Bass. Die restlichen Musiker (unter anderem drei Drummer und zwei Pedal Steel-Gitarristen) stammen aus dem erweiterten Umfeld von Crosbys Band und für diese Studioproduktion wurde obendrein noch der Multi-Instrumentalist Roger Alan Nichols verpflichtet. Insgesamt kommen die Tracks sehr relaxt rüber, wobei die Texte es durchaus in sich haben.
"What Stories, What World" ist einer dieser Songs, die sowohl relaxt als auch durch eine undefinierbare Kraft gnadenlos nach vorne treiben und drücken. "It’s Us" kommt nach einem getragenen Start dagegen fein rockend rüber. Immer wieder herrlich ins Ohr geht natürlich die Pedal Steel, die auf dieser Scheibe einen Großteil zur verbreiteten Atmosphäre beiträgt. Aber auch Gilbertson hat durch Soli auf der E-Gitarre seine starken Momente, während das Schlagzeug immer wieder andere Akzente setzt, was offensichtlich an den drei verschiedenen Drummern liegt. Die Lyrics sind teilweise positiv lebensbejahend, teilweise traurig. Aber selbst bei Letzteren ist immer ein Fünkchen Humor zu finden, wenn Crosby in "Sunrise Over Iceland (For Lois)" beispielsweise von einer Lady erzählt, die ihm mal den markanten Satz »I love smoking grass but I can’t stand the Grateful Dead…« ins verdutzte Angesicht flüsterte. Das Songwriting geht insgesamt gesehen also als Gewinner durchs Ziel, aber auch der Gesamt-Sound überzeugt durch seine locker-flockige Verspieltheit, der die Laufzeit der Platte wie im Fluge vergehen lässt.
Als Anspieltipps möchte ich euch "Full Moon On Sunset", das bereits erwähnte "Sunrise Over Iceland (For Lois)", das rockige "Beautiful And Strange" sowie den sehr starken Album-Opener "Best $25 I Ever Spent" ans Herz legen. Bei letztgenanntem Song springt einen der Sommer und die pure Lust am Leben geradezu an. Dazu kommt, dass wir es hier mit einem grandiosen Beispiel dafür zu tun haben, wie gut sich eine Pedal Steel und eine ’normale' Lead-Gitarre vertragen und ergänzen können. Einen Ausfall gibt es nicht zu beklagen und selbst wenn manche Tracks noch nicht beim ersten Mal im Ohr hängen bleiben, so entwickeln sich auch diese nach einigen wenigen Durchläufen zu echten Gewinnern.
Gratulation an Blue Rose Records für diese neue Entdeckung!
Line-up Jeff Crosby:
Jeff Crosby (guitars, vocals)
William Prescott (drums)
Ben Waligoske (pedal steel)
Andy Crosby (bass)
Marshall Vore (drums)
Daniel Blumenfield (keyboards)
John Gilbertson (guitars, keyboards)
Ryan Wkyert (drums)
Paul Brainard (pedal steel)
Roger Alan Nichols (additional instruments)
Peter King (background vocals)
Tracklist "Postcards From Magdalena":
- Best $25 I Ever Spent
- Everything Will Change
- Full Moon On Sunset
- Cold Summer
- Hearts Too Heavy
- What Stories, What Light
- It’s Us
- Sunrise Over Iceland (For Lois)
- Beautiful And Strange
- Hotel Bibles
- Lonely In Love (Bonus Track)
- Time Is Cryin' (Bonus Track)
Gesamtspielzeit: 49:00, Erscheinungsjahr: 2018



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