Eines vorweg: Ich bin ein absoluter Bonamassa-'Fan Boy' (wenn ich diesen Begriff angesichts meines Alters, das deutlich oberhalb des Protagonisten ist, überhaupt verwenden darf). Ich besitze sämtliche seiner Musik-Alben (Studio- sowie Liveaufnahmen) und DVDs, habe ihn mehrmals live erlebt, kenne daher sein musikalisches Œuvre in- und auswendig und weiß ob der Vielfältigkeit seines Repertoires. Insbesondere live, wenn er sein musikalisches Genie m.E. am besten präsentieren kann. Wenn er seine zahlreichen Gitarren runtergniedelt und längste Solo-Improvisationen darbietet, könnte ich jedes Mal wegschmelzen!
Genug der Schwärmerei: Letztes Jahr hatte ich ihn am 9. April 2024 in der Kölner Lanxess Arena zuletzt live erlebt; ein ordentliches Konzert, dessen Genuss allerdings durch den etwas 'matschigen' Sound in der Arena geschmälert wurde. Für mich persönlich kam als weiteres Manko hinzu, dass Joe als Zugabe nicht das von mir am meisten herbeigesehnte "Slow Gin" brachte, sondern das – sicherlich auch tolle – "Mountain Time". Dies umso mehr, als er am Ende jener Tournee in Katowice, Polen, ausnahmsweise das Publikum zwischen den beiden Songs wählen ließ und dieses lautstark "Slow Gin" forderte und auch bekam!
Schnee von gestern. Dieses Jahr wollte ich eigentlich bei seiner Tour durch Deutschland aussetzen, doch überraschenderweise bekam ich eine Karte für das Konzert am 29. April 2025 in Oberhausen geschenkt. Gespannt war ich, was er aus seinem umfangreichen Repertoire dieses Jahr präsentieren würde, zumal für dieses Frühjahr ein neues Studioalbum angekündigt war, das jetzt im Sommer endlich erscheinen soll, und von dem die ersten Titel bereits veröffentlicht sind. Also bereitete ich mich auf der sehr informativen Internetseite setlist.fm darauf vor, wie die aktuelle Setlist denn voraussichtlich aussehen würde. Dort musste ich allerdings zu meiner Enttäuschung feststellen, dass er aktuell quasi die identische Setlist des vergangenen Jahres spielt. Kaum etwas Anderes, geschweige Neues von seinem nächsten Album! Wirklich nichts Anderes? Nicht ganz! Die ganze Woche vor dem Auftritt in Oberhausen hatte er als Zugabe "Slow Gin" gespielt; das war natürlich ein Grund, mich besonders auf diesen Abend zu freuen!
Und dann? Den ganzen Abend spielte Joe die identische Setlist vom Konzert am 26. April 2025 in Nottingham, UK, was mich überhaupt nicht störte, denn ich war dort jedenfalls nicht dabei. Aber offenbar war er heute Abend schneller mit dem Programm durch, denn er hängte noch das Albert King-Cover "(Call Me) The Hunter" ans Ende der Setlist dran (was vom Chronisten auf setlist.fm bedauerlicherweise übersehen wurde), das dem grandiosen Schlagzeuger Lemar Carter die Gelegenheit für ein wirklich beeindruckendes Solo ermöglichte, genial!
Anschließend: Abgang der Band von der Bühne und nach kurzer Pause die erwartete Rückkehr. Doch die Gitarre, die Joe in der Hand hielt, ließ nichts Gutes erahnen. Seine Fender Telecaster, die er bei "Mountain Time" benutzt, nicht aber bei "Sloe Gin"! Das durfte doch nicht wahr sein: Wenn er sonst nichts ändert, warum gerade bei der Zugabe? Dies erläuterte Joe in seiner kurzen Ansprache dahingehend, dass er endlich mal wieder etwas anderes spielen wollte. Der Frust bei mir war natürlich groß und wurde inzwischen noch größer, als ich feststellen musste, dass er am nächsten Abend in München wieder mit "Slow Gin" finalisierte. Warum dann ausgerechnet nicht in Oberhausen? Eine seiner Background-Sängerinnen hatte dort zuvor das Publikum irrtümlich in Düsseldorf begrüßt.
Ansonsten war es natürlich wieder einmal ein tolles Konzert mit allem, was man bei einem Joe Bonamassa-Live Konzert erwarten kann, auch seine kleineren und größeren Eitelkeiten: Bei der Band-Vorstellung forderte Joe das Publikum auf, seinen Keyboarder Reese Wynans mit ’standing ovations' zu feiern (was das Publikum nur zu gerne annahm), um anschließend zu sagen: »before you sit down: my name is Joe Bonamassa«, damit halt auch er noch ’standing ovations' bekommt. Das ging in Ordnung, die hatte er sich wirklich verdient.
Dear Joe (if you will read this lines – quod non!): when you – how you did in Oberhausen this year – let celebrate yourself for coming every year to Europe and especially to Germany: celebrate vice versa your audience by changing your setlist moreoften and broader, your repertoire is worth to do it! And espacially: Don’t forget "Slow Gin"!


2 Kommentare
Walter
21. Juli 2025 um 15:22 (UTC 1) Link zu diesem Kommentar
Man wundert sich.
Bonamassa war früher bei seinen 20€-Konzerten viel wilder.
Ich sah ihn jetzt mit BCC in der Columbiahalle und in Stgt beim Jazz-Open, wo er tatsächlich Feuer auspackte, in Cork bei den drei Gallagher-Abenden angeblich genauso.
Natürlich fragt man sich, ob es dieses Hula-Hula mit den Backgroundsängerinnen überhaupt braucht, dazuhin wird enntäuscht wer bei seinem neuen Album breakthrough einen explosiven Durchbruch erwartet, es wirkt zunächst eher wie ein Dahingeplätscher im Schunkelmodus.
Insgesamt keimt die Frage auf, ob Joe irgendwie schlecht beraten ist, mir kommt vor, er hängt in einer Art Identitätskrise fest und das obwohl er seine eigenen alten Sachen immer noch perfekter, vitruoser, kniffliger, vertrackter und schneller darbietet. Und das obwohl er stimmlich besser ist denn je, obwohl er als Musiker gefragter ist denn je.
Er ist halt einfach kein Frauentyp. Jetzt raucht er auf der Bühne Zigarre und trinkt den Zuschauern ein Glas Gin vor.
Ich liebe ihn und gehe immer wieder hin, ganz klar.
Auch wenn er seine songs für meinen Begriff eine Nuance zu sehr orchestriert.
Peter Trägner
7. Mai 2025 um 11:09 (UTC 1) Link zu diesem Kommentar
Hallo Jürgen,
auch ich bin Bonamassa Fan der ersten Stunde. Denke aber mit Wehmut an meine ersten Begegnungen zurück, Klar, ich freue mich über seinen Erfolg, seine tolle Karriere und das er ordentlich Geld verdienen kann. Auch was er für den Blues, seine Anerkennung und Wertschätzung getan hat, ist unschätzbar.
Im April 2006 habe ich ihn das erste Mal live erleben können. Für 17,50 € Eintritt, in der Aula eines Gymnasiums !!, in Erfurt. Wir waren vielleicht zweihundert Leute. Es war einfach genial. Im Anschluss habe ich zu meiner Frau gesagt, "endlich verstehe ich, wie es damals gewesen sein muss, als sich Jimi Hendrix erstmals in London dem Publikum und der anwesenden britischen Rockelite präsentiert hat und alle nur mit offen Augen auf die Bühne gestarrt haben“. So ging es auch.
Kein Vergleich mit den durchgestylten Stadionkonzerten heute. Für mich, viel zu viel Event und ein Großteil des Publikums ist wahrscheinlich auch nur deshalb da und nicht wegen der Musik
Aber ok, dass kann man nicht ändern und Joe, ist ja zu beglückwünschen, dass es so gelaufen ist, denn er hat sich das alles selbst erarbeitet.