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Kanaan / Kanaan – CD-Review

Heavy Rock/Stoner Rock/Space Rock aus Norwegen.
Das Trio Kanaan kann bereits auf ein zehnjähriges Bandbestehen zurückblicken.
Gleichzeitig ist "Kanaan" das zehnte Album der Combo.
Aus den Noisolution-Informationen:
»[…] Das Trio baut weiterhin auf einem soliden musikalischen Fundament auf, das die Band über ein Jahrzehnt hinweg erschaffen hat. […] Und was die Riffs angeht, sind sicher keine Diätspritzen im Spiel – die sind fetter und heavier denn je. […] Die Band selbst beschreibt ihr neues Album als eine Feier all dessen, was sie bisher musikalisch und künstlerisch erreicht haben – aber auch all dessen, was sie als enge Freunde, die zusammen musizieren, erlebt und vollbracht haben. […] Ihre Bereitschaft, im Studio Tag und Nacht wirklich in die Musik einzutauchen – zu spielen, zu jammen, zu komponieren und in ihr zu leben – ist nach wie vor vorhanden. Sie beschreiben ihre Zeit im "Athletic Sound" in Halden als eine Art Schwarzes Loch, in dem nur die Band, der Toningenieur Dag Erik Johansen und die Musik existierten. […]«

9:35 Minuten extremer Heavy Rock, verteilt auf die beiden ersten Songs mit den Titeln "P1800" beziehungsweise "Silver Cloud Blues".
Eine instrumentale Achterbahnfahrt, eine Aufwärtsspirale deren Ende nicht zu erkennen ist.
"P1800" ist schon ein Dampfhammer-Rock der besonderen Art. Fast überfallartig nimmt uns Kanaan gefangen. Zu einem hochenergetischen Rhythmus von Bassist Eskild Mørtl Myrvoll und Ingvald André Vassbø (Schlagzeug) ist dieses kurze Stück schon ein Ask Vatn Strøm-Gitarren-Festival der ungezügelten Gangart. Nichtsdestotrotz verzichtet das Trio nicht darauf, dem Track ein wenig Melodie zu injizieren.
Der "Silver Cloud Blues" ist mit seinen 6:52 Minuten schon um einiges länger als der Opener. Blues? Da mögen sich die Puristen des Zwölftakters mit gerümpfter Nase und hochgezogenen Augenbrauen abwenden. Dennoch sind in der wilden Fretboard-Fahrt von Ask Vatn Strøm Blues-Muster zu erkennen. Mit fuzziger Action und psychedelischem Touch geht das hektische Treiben nach einem urplötzlichen Break-Blitzlicht, in dem Space-Sounds in höllischer Geschwindigkeit vom rechten zu linken Kanal wandern, in einer veränderten Stimmung weiter. An Heftigkeit nicht nachlassend, scheint es für Kanaan in diesem wilden Ambiente kein Morgen mehr zu geben. Virtuell wischt man sich Schweißtropfen von der Stirn. Wow! Welch ein Happening.

Was ist denn jetzt los?
Ist das noch Kanaan? Keine Spur mehr von der anfänglichen Vehemenz, Wucht.
Kanaan macht sich auf in einen "Ouroboros"-Traum-Modus. So etwas hätte man jetzt nicht erwartet. Diese balladesken Momente sind wie in einen Dunst getaucht, gleiten dahin wie ein Chiffontuch in einer seichten Brise. Das Mellotron klingt wie einst King Crimson. Man lässt sich von dieser Musik, die hier teilweise auch durch Twin-Gitarren verstärkt wird, im positiven Sinn einlullen. Und dennoch steigt irgendwie eine gewisse Anspannung auf. Die kann man auch nicht so einfach wegwischen. Tja, und dann wird es doch intensiver, massiver. Ask Vatn Strøm ist ein Fan der Fuzz-Gitarre. Dann ändert sich die Stimmung ein zweites Mal und der Frontmann fegt mit seinem, von Sound-Effekten begleitenden Solo den letzten Krümel vom Tisch. Exzessives Sechssaiter-Spektakel. Der Vulkan spuckt unablässig musikalische Lava. Kanaan lässt Gnade walten, denn am Ende der Nummer schließt sich der Kreis zum Ambiente des Beginns. Highlight!

Eine Steigerung ist noch drin.
Von 13:41 Minuten "Ouroboros" schraubt "The Wonderer (Part I-V)" die Spielzeit auf 21:06 Minuten, die anfänglich von dramatischer Psychedelic gekennzeichnet ist. Dann hören wir wieder zwei E-Gitarren in einem Wettstreit um den ersten Platz. Dieses Wetteifern geht unentschieden aus. Wieder ein Stimmungswechsel. Die Psychedelic verlagert sich in den Kosmos, den luftleeren Raum. Sphärische Synthesizer-Sounds paaren sich mit einer jazzig improvisierten Fretboard-Fahrt. Oh, Mann, was hat Kanaan denn noch zu bieten? Abermals macht eine retrospektive Balladen-Stimmung die Runde. Schlagzeuger Ingvald André Vassbø beendet den Traum-Zauber durch intensiv-hypnotisches Drumming, in das sich gekonnt Eskild Mørtl Myrvoll einmischt. Wah Wah-Pedal-Action setzt den psychedelischen Trip fort und unablässig sendet Ask Vatn Strøm Funksignale aus dem Orbit. Zum Ende hin ist Heavy Rock angesagt. In der letzten Minute gehen alle drei Musiker ein finales Mal steil. "The Wonderer (Part I-V)". Ein Kanaan-Opus der begeisternden Art.

Dieses Album ist eine Veröffentlichung, die heftig rockendes Spektakel, Momente der Einkehr und psychedelische Trips unter einem beeindruckenden Dach vereinen.
Kanaans instrumentales Album "Kanaan" kein hört-mal-rein-Ratschlag, sondern eine Empfehlung für alle aufgeschlossenen Musikfans, die es einerseits vehement-dramatisch und andererseits spacig-verträumt mögen.


Line-up Kanaan:

Ask Vatn Strøm (guitar, percussion, oscillatons)
Eskild Mørtl Myrvoll (bass, synthesizers, Mellotron, additional guitars)
Ingvald André Vassbø (drums, percussion)

Tracklist "Kanaan":

  1. P1800 (2:43)
  2. Silver Cloud Blues (6:52)
  3. Ouroboros (13:41)
  4. The Wonderer [Part I-V] (21:06)

Gesamtspielzeit: 44:21, Erscheinungsjahr: 2026

Über den Autor

Joachim 'Joe' Brookes

Genres: Blues, Blues Rock, Alternative Music, Space Rock, Psychedelic Music, Stoner Rock, Jazz ...
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