«

Kira / Enigma – CD-Review

Kira / Enigma – CD-Review

Kira, oder mit vollem Namen Kira Roessler, unter anderem einst bei der Band Black Flag als Bassistin (1983–1985) beschäftigt, veröffentlichte 2021 ihr erstes Solo-Album, "Kira". Das Werk wurde in Zusammenarbeit mit ihrem Bruder Paul Roessler produziert. Der Bruder ist wieder dabei beim zweiten Album, "Enigma", und rasch fällt auf, dass der Bass der Musikerin einen wichtigen Part in der Soundgestaltung einnimmt. Dazu singt sie mit einem relativ anteilnahmslos wirkenden Ausdruck.
"Peas", der Eröffnungssong, wird neben dem prägnanten Bass-Sound ebenfalls von der Gitarre Glenn Browns und den Keyboards des Bruders Paul geprägt, und erklingt in einem sanften Reggae-Rhythmus.

Musikalisch gibt es eigentlich keine Bezüge mehr zu Black Flag, vielmehr haben diverse Einflüsse Einzug gehalten, und so bestimmt eine recht laszive Stimmung alle vierzehn Songs des Albums. Mitunter meint man, ein dezenter Swing würde sich breit machen, und coole Rock-Stimmung trifft auf einen leichten Hauch alternativer Popmusik.

Jedoch halte ich diesen vordergründigen Sound des Basses ein wenig für übertrieben und man wird zwangsläufig darauf fixiert. Anders wäre es, wenn sich die Musikerin auf den alleinigen Einsatz mit gelegentlicher Begleitung eingelassen hätte. Wenn bei einigen Songs Petra Haden Backup-Vocals integriert, dann gewinnen diese Titel hinsichtlich ihrer Stimmung ein wenig 'Schwebendes'. Einiges aus der Geschichte der alternativen Musikszene breitet sich immer wieder ansatzweise aus, denn wenn man genau und aufmerksam zuhört, dann mag man durchaus einige Passagen und Fetzen von Kollegen wie David Bowie oder Lou Reed bemerken.

Einmal bedient sich die Protagonistin eines alten Songs von Black Flag, das ist "Drinking And Driving". Nun, vom mit Punk getränkten Original ist nichts zu hören, denn auf ganz individuelle Art entstand hier ein vielmehr leicht holperndes und mit ein wenig Swing angereichtes Stück mit ganz anderem Ausdruck.

Und so zieht sich diese individuell geprägte Ausrichtung durch das ganze Album. Ganz cool bleibt die Stimmung fast durchweg, einige angedeutete Jazz-Vibes lassen sich vernehmen, und ich komme nicht umhin, diese Stimmung zu assoziieren, wie sie von einigen Songs von Laurie Anderson verbreitet wurden. Wer sich näher einlässt auf diesen Sound, der mag sich möglicherweise gedanklich auch inmittten von Filmmusik befinden, vielleicht im Genre 'Film Noir'? Jedenfalls scheint sich mitunter eine solche Stimmung ansatzweise auszubreiten. Auch freier gestaltete Ausprägungen gibt es bei Songs wie "Wild Card", wo Paul Roessler sich mit seinem Pianospiel entsprechend einbringt.

Mithin ist Kira sicher kein großer Wurf mit diesem Album gelungen, doch strahlt es auf jeden Fall einen hohen Grad an Individualität aus, persönlich fehlt mir schließlich der eine oder andere 'Funke', der mich veranlassen könnte, mich weiterhin damit zu beschäftigen.


Line-up Kira:

Kira (bass, vocals)
Paul Roessler (keyboards)
Dave Bach (drums)
Glenn Brown (guitar)
Petra Haden (backup vocals)

Tracklist "Enigma":

  1. Peas
  2. How Could You
  3. Fluid Reset
  4. Jim
  5. Truth
  6. Collapse
  7. You Will Feel My Pain
  8. Drinking and Driving
  9. Crossed Purpose
  10. Whatever
  11. Kill Him
  12. Wild Card
  13. Crawling
  14. Enigma

Gesamtspielzeit: 45:41 Erscheinungsjahr: 2026

Über den Autor

Wolfgang Giese

Hauptgenres: Jazz, Blues, Country
Über mich: Althippie, vom Zahn der Zeit geprägt, offen für ALLE Musikstile
Meine Seite im Archiv

Mail: wolfgang(at)rocktimes.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>