Es war noch nie ein Fehler, sich selbst als großer Fan einer Band seine Kritikfähigkeit gegenüber der jeweiligen Combo zu bewahren. Und so darf heute, sicherlich auch mit der Weisheit der Rückschau, festgestellt werden, dass die englische Band Motörhead nach dem Ausstieg des Gitarristen Mick 'Würzel' Burston in eine kreative Flaute einbog. "Sacrifice" (1995) – zwar offiziell noch mit 'Würzel', der aber so gut wie gar nicht an den Aufnahmen teilnahm – war eine erste kleine Enttäuschung.
Nachdem das Quartett dann in Gestalt von Lemmy, Phil Campbell und Mikkey Dee wieder zum Trio geschrumpft war, war wohl zum einen die Stimmung innerhalb der Combo wieder besser und zum zweiten war Campbell voller Tatendrang, sich als alleiniger Gitarrist beweisen zu wollen. Das Ergebnis war die bärenstarke Scheibe "Overnight Sensation" (1996), die anschließend jedoch von eher im unteren Drittel der Alben-Rangliste der Band befindlichen "Snakebite Love" (1998), "We Are Motörhead" (2000) sowie "Hammered" (2002) gefolgt wurde. Es war klar, dass eine Veränderung her musste.
Und die kam mit dem Produzenten Cameron Webb, der in Zusammenarbeit mit den drei Musikern die als sowas wie ein krativess Comeback anzusehende Platte "Inferno" (2004) aufs Band zauberte. »Never change a winning team« dachte sich Mr. Kilmister und verpflichtete Webb direkt für das Nachfolgewerk "Kiss Of Death". Auch mit diesen zwölf neuen Songs blieb sich die Band stilistisch treu, selbst wenn der Heavy Rock von Motörhead nach dem Ausstieg von 'Würzel' immer mehr Heavy und immer weniger Rock wurde. Auf das Album an sich will ich an dieser Stelle gar nicht weiter gehen, sondern gerne auf mein Review aus dem Jahr 2006 verweisen, dass ich auch heute noch genauso unterschreiben kann. Nur noch so viel: Nachdem ich "Kiss Of Death" schon ein paar Jahre nicht mehr in der Anlage hatte, war ich einmal mehr sehr positiv überrascht über die Klasse der Songs und Einspielung. Ein bärenstarkes Album! Der heute noch bekannteste Track des Albums ist wahrscheinlich die Ballade "God Was Never On Your Side" mit klassischem Lemmy-Text und starken Melodien.
Was die Bonus Tracks betrifft, so wurden hier lediglich sowohl eine Live-, als auch eine 2006er Studioversion der Nummer "R.A.M.O.N.E.S." (original auf dem Album "1916" aus dem Jahr 1991) beigefügt, die zwar nett zu haben, jedoch nicht essenziell sind. Viel interessanter ist da schon die Cover-Version von Metallicas "Whiplash", die es hier mal in der Lesung der Kollegen Kilmister, Campbell und Dee auf die Ohren gibt. Cool und speziell für Sammler erfreulich.
Als Bonus für diese Neuauflage zum zwanzigsten Geburtstag der Platte wurde eine zweite CD mit einem Auftritt vom Lowlands Festival im Jahr 2007 beigefügt. Die Show war wohl relativ kurz und so schafften es mit "Killers" und "In The Name Of Tragedy" (von "Inferno") sowie "Be My Baby" und "One Night Stand" lediglich jeweils zwei Tracks der letzten beiden Studioalben ins Programm. Und klar, auf einem Festival haut man sein Best Of-Programm raus, was das Trio in Form der alten Klassiker "Stay Clean", "Metropolis", "Over The Top", "Killed By Death", "Going To Brazil" und selbstverständlich "Ace Of Spades" auch ausgiebig tat. Dass hier weitere Großtaten wie "Bomber", "Overkill", "The Hammer" oder "We Are The Road Crew" mal fehlen, ist dann auch nicht weiter schlimm, da es davon sowieso schon geügend Live-Aufnahmen gibt.
Zwei weitere bemerkenswerte Songs hatten allerdings ihren Weg auf die Setlist gefunden. Zum einen und dazu gleich als erster Track das brutal starke, allerdings sehr selten gespielte "Snaggletooth" (original 1984 als einer von vier neuen Tracks auf dem Sampler "No Remorse" erschienen) und zum anderen wurde mit "I Got Mine" mal wieder eines der bärenstarken Stücke des Albums Another Perfect Day gezockt. Sehr geil!
Wer "Kiss Of Death" noch nicht im Schrank stehen hat, kann bei dieser Ausgabe aufgrund des starken Studioalbums und dem Bonus wirklich bedenkenlos zuschlagen. Alle anderen müssen ihre eigene Entscheidung treffen, ob sie sich das Teil aufgrund des Live-Materials und den drei Bonus Tracks nochmal zulegen möchten. Auf jeden Fall eine sehr gelungene Neuauflage!
Line-up Motörhead:
Lemmy Kilmister (bass, vocals)
Phil Campbell (guitars)
Mikkey Dee (drums)
With:
Mike Inez (bass – CD 1 – #5)
CC Deville (lead guitar – CD 1 – #6)
Zoli Teglas (background vocals – CD 1 – #6)
Tracklist "Kiss Of Death – 20th Anniversary…":
- Sucker
- One Night Stand
- Devil I Know
- Trigger
- Under The Gun
- God Was Never On Your Side
- Living In The Past
- Christine
- Sword Of Glory
- Be My Baby
- Kingdom Of The Worm
- Going Down
- R.A.M.O.N.E.S. (2026 version – bonus track)
- Whiplash (bonus track)
- R.A.M.O.N.E.S. (live – bonus track)
- Snaggletooth
- Stay Clean
- Be My Baby
- Killers
- Metropolis
- Over The Top
- One Night Stand
- In The Name Of Tragedy
- I Got Mine
- Going To Brazil
- Killed By Death
- Ace Of Spades
Gesamtspielzeit: 51:41 (CD 1), 47:10 (CD 2), Erscheinungsjahr: 2026 (2006)



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