Einfühlsames Rachengold mit lyrischem Saitenspiel
Da ist dem Schreiberling aber ein schöner Lapsus unterlaufen. Schrieb er doch anlässlich des Konzertes der Kenneth Brian Band: »Im Meisenfrei treten neben vielen regionalen Bands, Cover-Jukeboxen und Motto-Epigonen von AC/DC bis Westernhagen – der wirtschaftlichen Grundlage – auch internationale Original-Künstler*innen auf, die nicht selten musikalisches Spitzenformat repräsentieren, aber in Sachen Popularität leider furchtbar kleine Brötchen backen müssen.«
Dabei geben durchaus auch überregionale nationale Künstler*innen ihre Visitenkarte im formidablen Live-Club ab, gleichfalls leider nicht selten komplett unter dem Radar der öffentlichen Wahrnehmung fliegend. Als Paradebeispiel wäre hier Kris Pohlmann zu nennen, dessen neues Album und Konzert in Rehde vom geschätzten Kollegen Joachim 'Joe' Brookes gebührlich gelobt wurden.
Pohlmann? Nun ja, es gibt da den Ingo Pohlmann, der als Künstler seinen Vornamen weglässt, seine Musik mit deutschen Texten versieht und bei einem großen Streaminganbieter immerhin knapp 114.500 monatliche Hörer*innen generieren kann. Aber es gibt auch einen Kris Pohlmann, der seinen Vornamen stehen lässt, seine Musik mit englischen Texten versieht und beim gleichen Streaminganbieter auf gut 8.200 monatliche Hörer*innen kommt.
Ersterer ist eher im Pop zu verorten, letzterer im Rock … und das auch noch mit gehöriger Blues-Schlagseite, was nicht erst seit heute aus kommerzieller Sicht ein gewagtes Unterfangen ist – neben Joe Bonamassa scheint diesbezüglich nicht allzu viel Raum zu bleiben.
Und so begrüßt Kris Pohlmann am Donnerstagabend sein treues Publikum mit sinnbildlichem Handschlag und verkündet ein Programm aus Stücken seines neuen Albums, älteren Sachen und handverlesenen Coverversionen.
Zum Aufwärmen greift der Mann, der beim aktuell offensichtlich sehr angesagten Bart-Thema sehr gut mitreden kann, auf seinen Backkatalog zurück und propagiert frühzeitig "One Good Reason" (für ZZ Top), da Song und Interpretation unvermeidlich an die Bärte aller Bärte gemahnen. Viel später soll dies noch durch ein launiges "Gimme All Your Lovin'" untermauert werden.
- Bei Kris Pohlmann und Jonas Bareiter flutscht es bereits ganz gut
- Die Kollegen machen ihre Sache gut!
- Gimme All Your Lovin’
- Unaufgeregtes Saitenspiel
- Kris Pohlmann, Roman Midleja und Jonas Bareiter aufgetaut
In sein neues Werk "Relentless" steigt Kris Pohlmann mit "Don’t Leave" ein, einer an die Nieren gehenden Bluesballade, die der Protagonist bereits zwei Jahre zuvor an gleicher Stätte zur Uraufführung gebracht hatte, in ihrem Saitenspiel an einen gemäßigten Gary Moore gemahnt – einem großen Einfluss Pohlmanns – und die den Verlust seines Vaters thematisiert. Gleichzeitig ist hier auch ein Herzstück seiner Musik allgemein zu finden, die durchgehend tendenziell etwas schwermütig und dunkel ist, einfühlsam und emotional, geprägt von Rachengold-Gesang und einem Gitarrenton, der gute alte englische Gitarristenschule am Horizont heraufbeschwört und die Note auch mal stehen lassen kann. Eigentlich auch nicht verwunderlich, ist Kris Pohlmann doch in England geboren und zog erst im Alter von 22 Jahren nach Deutschland.
- Rachengold und Lyrik
- Einfühlsam und emotional
- Kontrollierte Offensive
- Nicht nur Bart-, sondern auch Farbakzente
Gleich im Anschluss steigt das Trio, komplettiert durch Tieftöner Jonas Bareiter und Schlagwerker Roman Midleja, in den vehementen Opener des neuen Albums ein – "It’s Only Love" – und zelebriert Riff-Rock oberster Kajüte mit der Melange aus Status Quo und ZZ Top im AOR-Abteil eines Zuges, der links und rechts seines Weges auch Otis Rush, Freddie King, Free, Jimi Hendrix und Funky-Tunes einzusammeln weiß. Apropos Freddie King, das Auditorium erfährt zwischendurch, dass es in den vergangenen Jahren beim Protagonisten nicht nur (persönliche) Katastrophen wie den Verlust von gleich vier Familienmitgliedern oder eine Corona-Pandemie (keine Auftritte) gab, sondern auch das Glück der Geburt seines Sohnes, der prompt auf den Namen Freddie hört, selbstredend als Hommage an sein wohl größtes Saitenvorbild.
Das hält ihn aber beileibe nicht davon ab, beherzt die Wah Wah-Pedale zu treten und wilde Fahrten mit dem Röhrchen auf dem Mittelfinger zu veranstalten, allerdings immer in einem gelassenen, kontrollierten Duktus, nie die eigenen Möglichkeiten überschätzend und den Bogen überspannend. Seine beiden Kollegen bilden dabei ein hervorragendes Grundgerüst und dürfen im Verlauf der erfreulich üppigen Spielzeit auch mit begeisternden Solospots auf sich aufmerksam machen.
Das mündet schließlich in den Zugabenblock, der von Tom Pettys "Breakdown" eröffnet wird, gefolgt von dem wunderbaren Instrumental "Serenity", einmal mehr an Gary Moore erinnernd und herrlich lyrisch gespielt, bis dann das leider längst zu Tode gecoverte "Goin' Down" von Don Nix die Dampflok richtig anheizt und einen erfreulich langen Konzertabend beendet der eindrucksvoll demonstriert hat, dass auch nationale Trioformationen den Classic-Rock mit Bluesfundament auf erstklassigem Niveau in das Bewusstsein der Öffentlichkeit hieven können, sofern sich denn diese bitten lässt.
- Ein ganz seltener Moment ohne blaues Bühnenlicht
- Das Röhrchen immer in Griffweite
- Hörenswerter Solospot Roman Midleja II
- Das Bild spricht für sich!
- Jonas Bareiter setzt Akzente
Sie sollte es tun, gerade in solch engagierte Live-Clubs wie dem Meisenfrei, wo es noch musikalisches Spitzenniveau zum Kino-Preis gibt, flankiert von einem hervorragenden Sound.
Wir bedanken uns sehr herzlich bei Peter vom Meisenfrei für den Platz auf der Gästeliste.
Bildnachweis für alle Bilder des Events: © 2025 | Olaf 'Olli' Oetken | RockTimes





















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