Lucas Santtana ist ein Musiker aus Brasilien, was man durch den Albumnamen vielleicht erahnen kann. "Brasiliano" ist das zehnte Album des Künstlers und transportiert ein Anliegen, das von vielen Gastmusikern und -musikerinnen stimmlich kongenial unterstützt wird. Neben Musikern aus Frankreich, Italien, Brasilien, Großbritannien geht es weiter in die Tiefe, denn "Brasiliana" ist ein Konzeptalbum, dass sich den Sprachen dieser Welt widmet.
Oder besser gesagt, dem Aussterben vieler Sprachen, denn der Begleitext zum Album klärt auf, dass laut UNESCO alle 14 Tage eine Sprache dieser Welt stirbt. Und weiter heißt es, dass damit auch Kultur und Wissen verloren gehen. Lucas hat so was von recht, wenn er in "Liga" sagt; »Listen to your language, recognize your people, so that our history will not be erased again«.
"Línguas gerais" ist der Name eines Stückes und – Name einer Sprache. Und zwar »eine Mischung aus Portugiesisch und den 1200 indigenen Sprachen Brasiliens vor der Kolonisierung«. Solche Infos gibt es, wenn der Promoter hinter seiner Arbeit steht und sinnvolle Informationen weitergibt. Denn der Hörer muss oder sollte wissen, was er der Musik alleine nicht entnehmen kann. So etwa, dass Tupi-Guarani eine Sprache ist und die Musikerin, die auf vorliegendem Album damit zu tun hat, heißt Tainara Takua, die der Guarani Mbya-Ethnie zugehörig ist. Was das Duo Cocanha betrifft, weiß ich nun, dass okzitanisch eine romanische Sprache Südfrankreichs ist. Galizien und Guinea-Bissau sind weitere Regionen, die thematisiert sind und so vielfältig Herkunft und Sprache der Beteiligten, so vielfältig präsentiert sich die Musik. Folklore ist eingebaut, aber in einer äußerst modernen Umgebung.
Kaum eingelegt, quirlen die Kompositionen frisch und Fernweh erzeugend gen Ohr und Herz des Hörers. Es ist wie eine Reise durch Kontinente und Kulturen; natürlich begleitet durch die dazugehörigen Sprachen. Aber wie bereits bekannt, auf äußerst beschwingte und lebendige Weise. "Línguas gerais" habe ich erwähnt, will es aber noch einmal tun, denn neben Tainara Takua ist auf "Línguas gerais" auch der französische Rapper Oxmo Puccino zu hören und die Kombination aus indigener Exotik und modernem Pop gibt das gewisse Etwas, dass dieser Art von Musik auch für Ohren, die normalerweise anderes hören, mehr als interessant macht.
Locker und leicht kommt die Musik beim Hörer an, der sich neben den exotischen Rhythmen auch an ungewohnten Sprachen erfreut und darüber hinaus feststellt, dass die Welt – egal wo – voll mit genialen Musikern und ebenso genialer Musik ist. Es wäre schade um jede Sprache, die verschwindet. Denn mit einer Sprache verschwindet so viel mehr.
"Brasiliano" ist die Empfehlung für eine musikalischen Kulturreise.
Line-up Lucas Santtana:
Lucas Santana (voice, acoustic guitar, bass, tongue drum, synth)
Fabio Pinczowski (synths, piano, bass, xilophone, Farfisa, whistle, organ, clavinete)
Bruno Buarque (drums and percussions)
Klaus Sena (bass)
Rafa Moraes (guitars)
Gil Monte (choir arrangement, melotron, horns)
Felipe Pacheco Ventura (strings arrangement, violins, viola)
Olavo Viana (guitars)
Malik Ziad (guembri)
Cosme Vieira( sanfona)
Ramiro Musotto (berimbaus)
Riccardo Braga (percussions)
Emília Ivova Valova (cello)
Caetano Malta (guitars)
Japa System (percussions)
Glenda Carvalho (cello)
Bi Ribeiro (bass)
Junix (guitar)
João Barone (drums)
Gilberto Gil (voice)
Oxmo Puccino (voice)
Tainara Takua (voice)
Cocanha (voice, string drum)
Antonio Dimartino (voice)
Flavia Coelho (voice)
Maria Lado (voice poem)
Chico César (voice)
Rachel Reis (voice)
Hebert Vianna (voice)
Tracklist "Brasiliano":
- A historia da nossa língua (ft Gilberto Gil)
- Línguas gerais ft. (Oxmo Puccino, Tainara Takua)
- Liga (ft. Cocanha)
- Strati di tempo (ft. Dimartino)
- Dans le sud (ft. Flavia Coelho)
- Cuando mi lengua (ft. Maria Lado)
- Ver meu povo se abracar (ft. Chico César)
- Que seja um reggae (ft. Os Paralamas do Sucesso)
- Eu ainda te amo ft. (Rachel Reis)
Gesamtspielzeit: 41:25, Erscheinungsjahr: 2026



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