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Meryn Bevelander Band / The Electrophonics – Konzertbericht, 09.11.2025, Zaal Thijssen, Deurne-Vlierden (NL)

Am 09. November 2025 gastierten The Electrophonics und die Meryn Bevelander Band im Zaal Thijssen, Deurne-Vlierden (NL).
Es gab etwas Besonderes zu feiern, denn The Electrophonics hatten ihr fünfundzwanzigjähriges Bestehen.
Ein Jubiläum, zu dem RockTimes ganz herzlich gratuliert.
Aus der niederländischen Konzertankündigung bei Bikkel Blues geht hervor, dass die Formation schon bei namhaften Festivals wie dem Moulin Blues in Ospel, dem Belgium Rhythm & Blues Festival in Peer und beim North Sea Jazz im Ahoy, Rotterdam spielten.
The Electrophonics brachten unter anderem Alben wie "Feels Like A Millon", "Catch That Swingtrain – The Moulin Blues 2007 Recordings", "Little A Lot", "Talkin' About" oder "Restless Live!" auf den Markt.
Letztgenannte Veröffentlichung stand am Merchandise-Stand auch als LP zur Verfügung.
RockTimes hatte das Vergnügen, die Meryn Bevelander Band am 18. Oktober 2025 in Geldern zu erleben.

The Electrophonics

The Electrophonics im November 2025 beim Bikkel Blues Deurne-Vlierden

The Electrophonics im November 2025 beim Bikkel Blues Deurne-Vlierden

Leider fehlte der Bariton Saxofonist Evert Hoedt bei diesem The Electrophonics-Konzert, weil er krank war.
Dann gab es noch eine Nachricht bezüglich der Horn-Section. Wim Crijns (Tenor Saxofon) war zum letzten Mal im Line-up des Sextetts. Für ihn gab es im Backstage-Raum einen großen Geschenkkorb.
Vor dem Auftritt meinte Wim Crijns etwas philosophisch: »[…] Es gibt einen Anfang und es gibt ein Ende. […]«

Der Sonntagnachmittag im Zaal Thijssen begann mit dem rund siebzigminütigen Auftritt der bestens aufgelegten Band um den Sänger und Harp-Spieler Stephan Hermsen.
Das Motto von The Electrophonics lautet: »[…] catch that swingtrain […]« und »[…] their old love 50’s swing […]« zog sich wie eine roter Faden variantenreich durch den Gig.
Was die Fünfzigerjahre und The Electrophonics anging, gab es musikalische Kost aus dem Frischeregal des Blues.

Bei Stephan Hermsens Stimme spitzte man die Ohren. Seinen Gesang unterstrich der Frontmann häufig durch Mimik und Körpersprache.
Seine Harp-Einsätze, wie zum Beipiel in "Money Talks" oder der Nummer "Restless", zeugten von einem überzeugenden Blues-Feeling und seinem Mississippi-Saxofon verpasste er durch das Fahrradlampenmikrofon einen besonderen Sound-Touch. Bei der "Boogie Party" machte sich Stephan Hermsen zu einem furiosen Solo auf den Weg. Highlight!

Mit einem Song in Boogie-Auslage hatten die Anwesenden nicht nur eine Fahrkarte in der Hand, sondern alle waren stante pede auf den Swingtrain aufgesprungen.
Mo Gomez, der Gitarrist der Gruppe, beglückte das Publikum im Opener mit einem initialen Ohrenschmaus. Beim groovenden Slow Blues "Your Cash" servierte Mo Gomez gleich zwei Soli und "Cryin' Time", einer weiteren hinreißenden Ballade, überzog er mit einem fetzigen Solo-Guss.

Wim Crijns sorgte bei seinem ersten leidenschaftilchen Solo für klasse Stimmung. Als Dank für seine tollen Allleingänge gab es vom Publikum Szenenapplaus für den Saxofonisten Wim Crijns.
So zum Beispiel auch beim Opener oder in "Too Long". Beide Daumen hoch für Wim Crijns!
Das hervorragende Zusammenspiel der Band verdeutlichten unter anderem Klänge im Saxofon-Harp-unisono-Modus oder in "Safronia B" auch mit dem Gitarristen Mo Gomez.

Ivo Siebens Tasten-Kreationen waren einerseits sphärisch-feine Keyboard-Teppiche und seine Soli, oft im Piano-Modus gespielt, waren echte Hinhörer.
"Money Talks" verzierte nicht nur Gitarrist Mo Gomez mit einem Solo, sondern auch Ivo Sieben. Ein Song-Highlight!

Als ein weiterer Höhepunkt entpuppte sich die flotte Nummer "The Edge Of Time" mit einer klasse Ska-Einlage. Beim Solo von Mo Gomez sah man vor dem virtuellen Auge förmlich eine Karawane durch die Wüste ziehen. Toll!
Auf dem erhöhten Podest der Bühne für das Drumkit sorgte Marc Gijbels für super Beats und Grooves. Er wusste, wie man die Uptempo-Songs oder den Slow Blues rhythmische Wirkung gab.
The Electrophonics wird es durch den Abgang des Saxofonisten Wim Crijns in dieser Besetzung nicht mehr geben.
The Electrophonics sorgten im Rund der Location für eine tolle Stimmung.


Line-up The Electrophonics:

Stephan Hermsen (vocals, harmonica)
Mo Gomez (guitar)
Ivo Sieben (piano, Hammond organ, backing vocals)
Wim Crijns (tenor saxophone)
Ronald Roodbol (upright bass)
Marc Gijbels (drums)

Meryn Bevelander Band

Die Meryn Bevelander Band im November 2025 beim Bikkel Blues in Deurne-Vlierden

Die Meryn Bevelander Band im November 2025 beim Bikkel Blues in Deurne-Vlierden

Wer auf Blues sowie Blues Rock stand und noch kein Fan der Meryn Bevelander Band war, war es mit hoher Wahrscheinlichkeit nach dem neunzigminütigen Konzert, das wohl keine Wünsche bezüglich eines hochklassigen Blues/Blues Rock und der Show offen ließ.
Am Mercandise-Stand war was los.

Erst vor drei Wochen erlebte RockTimes das Quartett in Geldern und die Begeisterung bei diesem Bikkel Blues-Konzert war genauso groß.
Die Vorderseite der Basstrommel (s. Bildergalerie) mag sinnbildlich dafür stehen, was auch dieser Auftritt zu bieten hatte. Die vier jungen Wilden entfachten einen Blues-Sturm, der sich zeitweise auf Orkanstärke schraubte.

"Miss You" ging mit unglaublicher Power nach vorne ab und genauso schnell wie das Tempo der Nummer, befand sich die Combo auf Betriebstemperatur.
Das Spiel auf den dicken Saiten und die Körpersprache des Bass-Spezialisten Kevin Clerence hatte Seltenheitswert. Man kann sich schwerlich einen anderen Tiefton-Zupfer mit soviel Action auf dem Fretboard und in der Bühnenpräsenz vorstellen.

In einem Atemzug muss der Bandleader Meryn Bevelander genannt werden. Auch er brillierte durch fantastische Fretboard-Fahrten sowie Nutzung des gesamten Bühneraums.
Meryn Bevelander war ein Fixpunkt des Konzerts. Seine Soli waren wie wertvolle Gemälde. Was er an Saiten-Fantasien in die Blues-Umlaufbahn schickte, vefügte über ein verdammt hohes Niveau. Er hatte sein Herz auf dem Fretboard.
Die Präzision des Meryn Bevelander-Schnellzugs sorgte für einen Dauereinsatz der Gänsehaut.
Bei diesem Quartett lief alles zusammen. Das Publikum war der Nutznießer eines erfahrenen Miteinanders der vier Musiker.

Bei Joe Bonamassas "The Ballade Of John Henry" aktivierte der Frontmann das Bottleneck, zeigte auch hier sein besonderes Können, als er auf seiner Gitarre den Slide-Sound zum Leben erweckte und hob dann noch in psychedelische Sphären ab. Highlight!

Die Combo ehrte auch Gary Moore mit "Walking By Myself", das in den Händen der Band alleine schon durch das lange Intro den Charakter der Individualität sowie deren Leidenschaft für Interpretationen zeigte.
Bei "Sugar" legte sich der Sturm, aber nicht die Intensität. Bei diesem Slow Blues offenbarte der Gitarrist mit der klasse Stimme uns ein megastarkes Feeling für die ganz großen Noten des Blues. In der sehr leisen Phase hörte man förmlich die Stecknadel auf den Boden fallen. Gerade in diesem Teil ein sehr konzentriertes Publikum.

"Taking Your Chances" beeindruckte durch geschickte Dynamik-Verschiebungen, für die Meryn Bevelanders Bruder Florian die rhythmischen Taktungen vorgab.
Der Schlagzeuger wusste in den Wirbelwind-Nummern wie zum Beispiel "Lady Bee" durch beherzt-temperamentvolles Drumming zu gefallen. Beim "What Should I Do"-Slow Blues sorgte er für sensible Begleitung.
Florian Bevelander, ein Schlagzeuger auf den sich die Band blind verlassen konnte.

Bei seinem Alleingang auf dem Rickenbacher-Bass elektrisierte Kevin Clerence förmlich die Luft. Man spürte die Energie bis über den Bühnenrand hinaus und manchmal hatte man den Eindruck, als reiche der zur Verfügung gestellte Platz auf dem Griffbrett für seinen Ideenreichtum nicht aus. Kevin Clerence, ein Bassist der Extraklasse.

Keyboarder Sander Poleig fand bei seinen Beiträgen und besonders in den kreativen Soli, wie im Instrumental "Shuffle In A", ganz viele Fürsprecher im Publikum. Er folgte der Frage-Antwort-Einladung von Meryn Bevelander und reflektierte dabei auf einfallsreiche Art die Vorgaben des Bandleaders.
Bei der "Help Me"-Zugabe machte man einen kleinen Reggae-Ausflug. Meryn Bevelander spielte die Gitarre hinter dem Kopf und machte so einen Spaziergang durch den Saal. Highlight!
Das Publikum befand sich auf einer Einbahnstraße der Schwärmerei.
The Electrophonics und die Meryn Bevelander Band verdeutlichten in ihren beiden Auftritten, wie groß das Dach des Blues doch ist.
Alle Daumen hoch für über zweieinhalb Stunden beste Unterhaltung.

Ein Dank an Mies Sleegers von msm music services für den Sound und Erik für die Lightshow.
RockTimes bedankt sich bei Leo Gabriëls für den Platz auf der Gästeliste.

Bildnachweis für alle Bilder des Events: © 2025 | Joachim Brookes | RockTimes


Line-up Meryn Bevelander Band:

Meryn Bevelander (vocals, guitars, slide guitar)
Kevin Clerence (bass)
Florian Bevelander (drums)
Sander Poleig (keyboards)

Über den Autor

Joachim 'Joe' Brookes

Genres: Blues, Blues Rock, Alternative Music, Space Rock, Psychedelic Music, Stoner Rock, Jazz ...
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