Meine Rezension zu Michael Kaudels Buch "Fast berühmt – Die besten 70er-Hits, die keine waren" endete im September folgendermaßen: »Es soll demnächst übrigens einen Nachfolger des Buches, Volume 2 geben. Ich bin schon sehr gespannt.«
Nun, der Autor hat mich nicht all zu lange auf die Folter gespannt und just einige Wochen später halte ich nun Band 2 in den Händen.
Schon beim ersten Band fand ich die Idee, auf der Suche nach unvergessenen musikalischen Perlen zu 'tauchen' genau so faszinierend, wie auch der Frage nachzugehen, warum der eine oder andere bekannte Song trotz Hitpotential nicht als kommerzielle Single ausgekoppelt wurde oder trotz Auskopplung floppte. Die Antworten sind manchmal verblüffend, manchmal auch nachvollziehbar.
Wir unterscheiden also zwischen den Titeln, die nicht als Single erschienen oder ausgekoppelt wurden, Single-Auskopplungen aus offiziellen Alben sowie reinen Single-Veröffentlichungen.
So ist unter Led Zeppelin-Fans allgemein bekannt, dass "Stairway To Heaven" nicht als offizielle Single veröffentlicht wurde. Die Band entschied sich bewusst dagegen, war der Song doch ihrer Auffassung nach Bestandteil des Gesamt-Konzepts von Led Zeppelin IV. Popularität erlangte dieser dennoch, zum einen durch Mund-zu-Mund-Propaganda, aber auch durch umfangreiche Radioberichterstattungen. So wurde das Stück – ohne Single-Status – am Ende ein Rock-Klassiker.
Ebenfalls nie als klassische Single veröffentlicht wurde "Wish You Were Here" von Pink Floyd. Damit fehlte zwar die Voraussetzung für eine Chartplatzierung, dennoch gehörte das Stück zu einem ihrer bekanntesten und populärsten. Im Jahr 2000 erschien für Sammler eine Special-Edition – eine 7″-Single mit "Have A Cigar" als B-Seite.
"Rebel Rouser" – ein Ohrwurmkracher von The Sweet, den die Band damals übrigens selbst geschrieben hatte und nicht, wie bis dato üblich ihre Hitlieferanten Chinn/Chapman, ereilte das gleiche Schicksal. Es gab keine Single im Verkauf.
Alle anderen hier vorgestellten Titel waren entweder reine Single-Veröffentlichungen oder Single-Auskopplungen. Warum diese am Ende keine Durchbruch-Chancen hatten, hat vermutlich verschiedene Gründe. Die meisten Radio-Hörer sind Konsumenten. Der Song muss hymnisch/melodisch sein, sofort ins Ohr fluppen und natürlich die Band repräsentieren, also möglichst nicht von ihrem üblichen Stil abweichen. Versucht sie es dennoch, kann es passieren, dass sich entweder die Plattenfirma weigert, diesen zu veröffentlichen (Beispiele dafür gibt es mehr als genug), oder aber, der 'Mut' zur Veröffentlichung geht total nach hinten los. Bestes Beispiel Slade mit "Rock ’n' Roll Bolero". Eine fetzige Nummer, ungewöhnlich arrangiert, aber eben nicht 'Slade-typisch' genug.
Überrascht hat mich jedoch, dass das sehr melodisch-eingängige "Reds In My Bed" von 10cc keinen Zugang zum Radiohörer fand. Vielleicht weil es nach dem fröhlich-sonnigen Welthit "Dreadlock Holiday" zu politisch war, jedenfalls floppte das Stück auf ganzer Linie.
Welcher Radio-Hörer kennt nicht "Radar Love" von Golden Earring, aber wer kennt schon "Candy’s Going Bad"? Dieser Song ist gespickt mit starken Riffs und kraftvoller Instrumentierung, aber etwas sperrig und fürs Radio ungeeignet. Somit war der kommerzielle Durchbruch nie gegeben. Unter Golden Earring-Fans genießt "Candy’s Going Bad" jedoch – völlig zu Recht – Kultstatus.
Und so kann man wieder einmal auf eine wunderschöne Entdeckungsreise im Band 2 von Michael Kaudels "Fast berühmt – Die besten 70er-Hits, die keine waren" gehen. Wie schon im ersten Band wurde auch hier sehr sorgfältig recherchiert, jeder Song mit viel Hintergrundwissen versehen zu Papier gebracht oder besser ins E-Book gepackt. Es fallen Namen wie George Harrison, Bruce Springsteen, Queen, Status Quo, Argent usw., die aufhorchen lassen.
Für alle Musikliebhaber ein kleines Juwel. Lasst euch einfach überraschen.
Format: eBook
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 859 KB
ASIN: B0FZ52517X
Preis: 3,99 €
Erscheinungsjahr: 2025



4 Kommentare
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Wolfgang
28. November 2025 um 16:11 (UTC 1) Link zu diesem Kommentar
Ach, Ilka, dann sollte Dir, wo Du ein Gitarrenduell erwähnst, besonders die Gruppenphase der Band mit einem meiner "Lieblinge", Eelco Gelling (Cuby + Blizzards) zusagen. Er war Bandmitglied bei "Contraband", "Grab It For A Second" und sehr eindrucksvoll bei der 1977er "Live"! Aber vorher war er als Gast auch schon bei der Band auf einigen Platten aktiv… Viele Grüße, Wolfgang
Ilka Heiser, die 'Chefin'
1. Dezember 2025 um 14:39 (UTC 1) Link zu diesem Kommentar
Danke Wolfgang, toller Tipp.
JR
28. November 2025 um 9:14 (UTC 1) Link zu diesem Kommentar
Candy’s Going Bad kannte ich tatsächlich nicht. Auf der LP "Moontan" ist auch noch "Vanilla Queen". Den Song hatte ich auch nicht mehr so im Kopf. Beim erneuten Hören fällt jedoch auf, dass eine bekannte deutsche "Punk-Band",die einen "Alex" kennt, sich das Intro sehr aufmerksam angehört hat 🙂
Ilka Heiser, die 'Chefin'
28. November 2025 um 13:23 (UTC 1) Link zu diesem Kommentar
Mal abgesehen von ihrem Song "Radar Love" sind Golden Earring damals völlig an mir vorbei gegangen, was ich mittlerweile sehr bedaure. "Vanilla Queen" ist wirklich ein cooles Stück, danke für den Tipp. Hab gleich mal reingehört und war schwer begeistert. Grund genug, in den Tiefen des Backkataloges der Band weiter zu forschen, denn sie haben noch so viel mehr zu bieten. Tipp von mir: "Twilight Zone" mit einem tollen Gitarre-Duell.