Nekrodeus bedeutet übersetzt Todesgott (necro – griechisch für Tod; deus – lateinisch für Gott). Die 2013 in Österreich gegründete Band brachte noch im gleichen Jahr ein Demo und eine EP heraus und dann mit "Moloch" 2018 ihr Debütalbum. Diesem folgte zunächst "Asbest" (2022).
Im Jahr 2025 dann die Single "Volkscancer" und zwei Splitsingles. "Frost" zusammen mit Ellende und "Sternenleichen" zusammen mit Harakiri For The Sky. Bei diesen Bands sind einzelne Mitglieder von Nekrodeus auch aktiv. Gitarrist / Bassist Sebastian Lackner ist ebenfalls (bei) Black Yen. Weitere Verbindungen aufzuzählen, spare ich mir, sonst führt das zu weit.
Warum dann die Namensnennungen? Um das Umfeld und damit auch die musikalische Ausrichtung anzudeuten. Eine genaue Einordnung ist nicht leicht und sicher gar nicht gewollt. Als erstes wäre wohl Black Metal zu nennen, dazu Crust, Death Metal, eine Prise Sludge und mehr. Die Lyrics der mir vorliegenden Scheibe "Ruaß" sind vorwiegend deutsch, bei "Sternenleichen" mit deutlichem Dialekt. Es lohnt sich, die einzelnen Songs aufgrund ihrer Vielfältigkeit genauer zu betrachten, wobei sich das hier nicht in der ganzen Tiefe darstellen lässt.
Der Opener "Abgrundmensch I" macht seinem Titel alle Ehre, poltert direkt darauf los, die Stimme keift. Zwischendurch ist es mal etwas gebremster, dennoch immer noch bissig. Textlich grüßt mal kurz Nietzsche mit einem abgewandelten Zitat »Du schaust in den Abgrund / Und ich schau zurück«
"Sarg aus Fleisch" danach ist ein kurzer Klopper von weniger als zwei Minuten, "Frost" hingegen lässt sich länger als fünf Minuten Zeit, was dann wieder Raum für Tempowechsel lässt. Beide Songs sind nicht weniger nihilistisch als der erste, sowohl musikalisch als auch inhaltlich, wobei "Frost" dennoch auf gewisse Weise poetisch wirkt.
"To Bite The Hand That Holds The Leash" überrascht mit einem ruhigeren, fast schon harmonischen Anfang, der jedoch schon bald der üblichen Wucht weicht, wobei der Song insgesamt etwas zahmer wirkt als die Vorherigen. "Volkscancer" hingegen kommt kurz und knapp mit antifaschistischer Ansage, ist dann wieder einiges fieser, wobei es hier neben den üblichen Vocals zudem Gang-Shouts und Growls gibt. Danach folgt "Abgrundmensch II" mit einem gelungenen stampfenden Teil bei der bereits erwähnten Abgrund-Aussage.
Bei "Astraldepression" gibt es vermehrt ruhigere Momente, die Stimme wird teilweise zu einem Flüster-Keifen oder ist angegrowlt. Unterschwellige Harmonien mischen sich in die Düsterkeit (die sich auch in den Lyrics spiegelt), wobei die üblichen Elemente ebenfalls vorhanden sind.
"Körperstrafe" geht wieder mehr voran, hier machen Nekrodeus klar, wer eine solche erhalten sollte. In Punk/Crust-Manier wird – musikalisch und inhaltlich – der eigene Standpunkt deutlich gemacht. Zur "Trümmerjugend" will ich lediglich erwähnen, dass es einen gesprochenen Part gibt, der die langsamere zweite Hälfte des Stückes einleitet.
"The Seeds of Your Own Destruction" ist der zweite englischsprachige Song auf "Ruaß" und schlägt in die Kerbe des ersten. "Sternenleichen", das finale Stück, ist hingegeben – wie schon geschrieben – in Dialekt gehalten. Musikalisch schleppender, (dadurch) verzweifelter wirkend, wozu auch die Stimme beiträgt, die ihre Qual herausbrüllt oder hoffnungslos flüstert. Damit die düstere Reise deprimierend, gleichzeitig aufwühlend und beeindruckend, beendet.
"Ruaß" ist – vor allem emotional – keine leichte Kost, will es auch nicht sein, sondern will fordern, teilweise aufrütteln; ist brachial, aber nicht stumpf gewalttätig, sondern mit Inhalt / Position und nachdenklich. Hier wird ein eigenwilliges und sperriges Gesamtpaket aus Musik, Texten und Illustrationen im Booklet geboten, das beeindruckt und mitnimmt, wenn man sich darauf einlassen kann oder will.
Line-Up Nekrodeus:
Sebastian Lackner (guitars, bass)
Stefan Rindler (vocals)
Paul Färber (drums)
Lukas L.G. Gosch (additional vocals – #3)
Gernot Diepold, Matthias Krenn, Michael Jud, Mike Schmuck, Julia Schubatzky, Lea Wieser, Lebi, Lena Promitzer, Leopold Gölles, Rene Felberbauer, Stefan Tomic (additional vocals – #8)
Michael J.J. Kogler (additional vocals – #8)
Tracklist "Ruaß":
- Abgrundmensch I (3:33)
- Sarg aus Fleisch (1:53)
- Frost (5:40)
- To Bite The Hand That Holds The Leash (4:47)
- Volkscancer (0:46)
- Abgrundmensch II (1:37)
- Astraldepression (4:30)
- Körperstrafe (3:10)
- Trümmerjugend (4:30)
- The Seeds of Your Own Destruction (4:44)
- Sternenleichen (5:46)
Gesamtspielzeit: 40:56, Erscheinungsjahr 2025



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