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Rainbow / Memories In Rock – Live In Germany – Blu-ray-Review

Monsters Of Rock und Rainbow-Comeback…

Viele Rainbow– und Deep Purple-Fans nahmen es Ritchie Blackmore übel, dass 1997 zusammen mit seiner Gattin Candice Night die Mittelalter-Rock-Band Blackmore’s Night gegründet hatte und fortan sich eher den ruhigen Tönen widmete. Umso überraschender war es, als er ab 2015 das Kapitel Rainbow doch wieder aufleben ließ, wenn auch leider nicht mit erhofften bekannten (noch lebenden) Namen, bei der Zahl der verschiedenen Line-ups wären einige geeignete Kandidaten dabei gewesen.
Angekündigt wurden drei Auftritte unter dem Banner Monsters Of Rock
17. Juni 2016 Loreley Freilichtbühne – Sankt Goarshausen
18. Juni 2016 Festplatz am Viadukt – Bietigheim-Bissingen
25. Juni 2016 Genting Arena – Birmingham

MOR, eine Fortsetzung der legendären Konzertreihe mit Headliner Rainbow, das klang verlockend. Leider folgte die Enttäuschung als weitere Namen verkündet wurden: Thin Lizzy sind zwar auch eine Legende, jedoch weit entfernt von der Originalbesetzung. Am Ende waren es gerade mal vier Acts, wovon zwei nicht unbedingt MOR im früheren Sinne, also Hardrock/Heavy Metal sind: Hans Werner Olm eröffnete, dann folgten Thin Lizzy, Manfred Mann und schließlich Rainbow. Ganz ehrlich, so gerne ich Ritchie auf der Loreley gesehen hätte, das war doch etwas mager, ich war also hin- und hergerissen und ging nicht hin.
Nun eröffnet sich die Möglichkeit, dennoch das Konzert zu sehen, allerdings auf Konserve.

…und der Mitschnitt davon (von den deutschen Shows)

"Memories In Rock – Live In Germany" nennt sich das Ganze und ist ein Zusammenschnitt der beiden Deutschlandkonzerte, erhältlich auf CD, DVD, Blu-ray und Earbook mit  2CDs,/DVD/Blu-ray. Professionell gefilmt, nicht zu schnell geschnitten, dennoch aus unterschiedlichen Blickwinkeln, teilweise aus der Luft, was gerade bei der Loreley toll aussieht, mit Blick auf den Rhein. Aber auch Bietigheim hat als Location optisch etwas zu bieten: die Eisenbahnbrücke rechts vom Gelände. Dort gab es neben der Bühne jeweils rechts und links Monitore, die Szenen von der Band größer zeigten, gerade für Zuschauer weiter hinten sehr wichtig. Außerdem war die Lightshow dort ein wenig aufwändiger, obwohl sie bei beiden Locations recht ähnlich (und gut) gemacht war, lobenswert der Lichterbogen.

Doch nun zum wichtigsten: der Musik. Die Band eröffnete mit "Highway Star" – was spontan für ein wenig Verwunderung sorgte, sollte das nicht ein Rainbow-Konzert sein? Okay, Ritchie Blackmore war bekanntlich ebenfalls bei Deep Purple und hat einige deren Hits mitgeprägt, dennoch…hm… und es sollte bei weitem nicht der einzige Track bleiben. Fast die Hälfte der Songs war nicht regenbogenfarben, sondern purpur. Was sollte das? Richtiger wäre es dann gewesen, das Ganze zu Umschreiben mit 'Ritchie Blackmore plays Rainbow and Deep Purple'.
Tja, bekanntlich war der Mann in schwarz schon immer ein wenig eigensinnig…
Diesem Umstand ist es womöglich auch zu verdanken, dass sich im Line-up kein Musiker befand, mit dem ich gerechnet hatte, sondern Bassist und Drummer von Blackmore’s Night, Keyboarder Jens Johansson (u.a. Stratovarius) und der mir bisher völlig unbekannte Ronnie Romero als Sänger. Wobei er mit diesen einen echten Glückgriff getan hat. Der gebürtige Chilene hat eine tolle kräftige Stimme und zu seinen Vorbildern gehört unter anderem der andere Ronnie (Dio), er bekommt dessen Gesangslinien gut hin – und auch Einiges der Gestik. Ein durchaus würdiger Frontmann für Rainbow. Die restlichen Musiker blieben eher blass, auch das Schlagzeugsolo, in das der Bassist einstieg, war nicht unbedingt berauschend… ach ja und im Hintergrund durften noch zwei Damen säuseln,  Candice Night.(klar…) und Lady Lynn (beide auch bei Blackmore’s Night).

Okay, zurück zu den Songs. Nach "Highway Star" kam "Spotlight Kid", das mich erst einmal zum Grübeln brachte. Aha, von der "Difficult To Cure" – deren Material ich irgendwie erfolgreich verdrängt habe, weil es mich nicht überzeugen konnte. Nach "Mistreated" kam dann endlich mal ein Rainbow-Kracher: "16th Century Greensleeves". Das Russ Ballard-Stück "Since You Been Gone" von der "Down To Earth" ist zwar ein Hit, doch meiner Meinung nach keins der wirklich starken Rainbow-Stücke. Im Gegensatz zu dem darauf folgenden Doppelschlag "Man On The Silver Mountain" und "Catch The Rainbow" – ja, sooo soll das sein, da kam sogar mal musikalische Magie auf. Ebenso etwas später als ich mich dann noch über "Stargazer" freuen durfte, während es in der Zielgeraden schon wieder ziemlich purpelig wurde. Okay, Ronnie Romero bekommt "Child In Time" gut hin, besser als Ian Gillan selbst heutzutage kann (und deswegen nicht mehr macht) und das abschließende Feuerwerk passte gut zur Zeile »fire in the sky« aus "Smoke On The Water".

Rainbow: Memories In Rock - Live in Germany (Blu-ray Booklet und Backcover)

Rainbow: Memories In Rock – Live in Germany (Blu-ray Booklet und Backcover)

Damit war’s das nach fast 140 Minuten mit Rainbow 2016, einerseits sehr erfreulich, dass Ritchie Blackmore wieder verzerrte Töne seiner Fender Stratocaster entlockt, andererseits, bleibt doch das Gefühl von 'wie, war das jetzt alles?'. Ehrlich gesagt, wäre ich doch etwas enttäuscht gewesen, wenn ich dafür 88 Euro Eintritt bezahlt hätte.
Auf Konserve, mit gutem Sound und gelungener Kameraführung, hat die Sache schon ihren Reiz. Etwas mehr Bonus-Material hätte es vielleicht dennoch sein dürfen, es sind lediglich vier Songs von der jeweils anderen Location als im Konzert selbst ausgewählt beigefügt. Nun, dafür gibt es immerhin ein schön gestaltetes Booklet, mit einigen Fotos und Erklärungstext, so dass insgesamt betrachtet die Blu-ray gut gemacht und kein Fehlkauf ist, wobei der Auftritt unter dem Banner Rainbow enttäuscht, sondern wie bereits geschrieben eher ein 'Ritchie Blackmore (Blackmore’s Night) plays Rainbow and Deep Purple' darstellt. Na ja, immerhin hat der Mann in Schwarz 2016 mal wieder diese Songs gespielt…unter Re-Union-Konzerten hätte ich mir dennoch etwas anderes vorgestellt…


Line-Up Rainbow:

Ritchie Blackmore (guitars)
Ronnie Romero (vocals)
David Keith (drums)
Bob Nouveau (bass)
Jens Johansson (keyboards)
Candice Night (backing vocals)
Lady Lynn (backing vocals)

Tracklist "Memories In Rock – Live in Germany":

Konzert:

  1. Highway Star (Deep Purple)
  2. Spotlight Kid
  3. Mistreated (Deep Purple)
  4. 16th Century Greensleeves
  5. Since You Been Gone
  6. Man On The Silver Mountain
  7. Catch The Rainbow
  8. Difficult To Cure (Beethoven’s Ninth)
  9. Perfect Strangers (Deep Purple)
  10. Stargazer
  11. Long Live Rock 'N' Roll
  12. Child In Time / Woman From Tokyo (Deep Purple)
  13. Black Night (Deep Purple)
  14. Smoke On The Water (Deep Purple)

Bonus Material (Tracks from alternative night)

  1. Spotlight Kid
  2. Man On The Silver Mountain
  3. Long Live Rock 'N' Roll
  4. Stargazer

 

Spielzeit ca. 139 Minuten, Erscheinungsjahr 2016

Blu-ray Details: Bildformat 16:9, Ton DTS-HD Master Audio, LPCM Stereo

 

Über den Autor

Andrea Groh

Hauptgenres: Doom/Death/Black Metal, auch Post/Progressive/Pagan Metal u.a.
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Mail: andrea(at)rocktimes.de

5 Kommentare

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  1. Doc Rock

    Die DVD vermittelt spielerisch ein besseres Bild als es tatsächlich vor Ort war. Es wurden massenhaft Patzer ausgebessert (Falsche Gitarrentöne gerade geschoben, beim Gesang Tonhöhenkorrektur usw). Wenn man nicht selbst vor Ort war und nur die DVD anschaut könnte man glatt denken, die Band habe "gut" gespielt. Leider wirkte sie vor Ort wie eine Coverband, die mal eben den Abend vorher ein paar Stücke für das Konzert am nächsten Abend festgelegt hat. Ritchie hat ja nachher selbst gesagt, es wäre nicht sehr viel geprobt worden. Und das hört man definitiv! Alle legendären Intros wurden weggelassen!!!! Vor allem bei Highway Star (Drum und Bass Intro), Perfect Strangers (Keyboard-Intro), Stargazer (Drum Intro) und Smoke on The Water (das legendärste aller Riffs !!!) ist das schon extrem ätzend gewesen. Vermutlich wollte der perückentragende Herr das so. Insgesamt war es doch eher enttäuschend.

    1. Andrea Groh

      Danke für diese Info Doc Rock, es ist natürlich besonders interessant, wenn jemand den Vergleich zwischen live und (aufbereiteter) Konserve ziehen kann. Doch selbst dann hatte das was von Coverband… oder wie ich schrieb 'Ritchie Blackmore (Blackmore’s Night) plays Rainbow and Deep Purple' – das war ein Teil von Blackmore’s Night plus zwei Gastmusiker… das hatte mich schon im Vorfeld abgeschreckt… da kannte ich die Setlist noch nicht…
      Das mit den Intros ist mir auch aufgefallen und es hat mich irritiert…und noch weiteres… ich habe nicht alle Details erwähnt, sonst wäre der Text noch länger geworden…bei einigem vermute ich ebenfalls, dass der 'Meister' das so wollte.. vermutlich damit er mehr im Mittelpunkt steht… was leider schon immer das Manko von Rainbow war, sonst hätte er nicht dauernd die Musiker gewechselt…

  2. Hans-Jürgen

    Also ich war auf der Loreley. Das Ganze war für mich musikalisch sehr grenzwertig. Daher werde ich auf den Kauf der DVD verzichten.
    Mag sein, dass es in Bietigheim etwas besser war, aber für die Kohle die ich bezahlt habe war ich schon etwas enttäuscht. Da hat Manfred Mann mit seinem Auftritt musikalisch ganz andere Massstäbe gesetzt, und der Kollege ist noch ein paar Jahre älter.

  3. Andrea Groh

    Ein Mitschnitt auf Konserve kann natürlich nie die live-Atmosphäre komplett einfangen, wobei ich hier gut finde, dass nicht zu hektisch geschnitten wurde (was ich bei anderen Mitschnitten teilweise sehr störend fand) – ob das Wechseln zwischen den Locations hätte sein müssen ist eine andere Frage – wäre vielleicht besser gewesen, jeweils ein komplettes Konzert zu bringen.

    Ich kann mir schon vorstellen, dass die Stimmung im Publikum gut war, bei der Auswahl an Songs… damit meine ich natürlich ebenfalls die Klassiker von Deep Purple, meine Kritik (die wohl auch so angekommen ist) bezog sich lediglich darauf, was diese so gehäuft in der Setlist eines Rainbow-Auftrittes zu suchen haben.
    Als Deep Purple 1987 Headliner des Monsters Of Rock waren, haben sie von Rainbow nur "Difficult To Cure" gespielt… und das ist eigentlich gar nicht von Rainbow…

  4. Rudi

    ich war in Bietigheim. Die Box finde ich gut, bringt aber nur einen Bruchteil rüber, wie es live wirklich war. bei dem Titel kann ich nur zustimmen. rb plays dp und rainbow wäre stimmiger gewesen!

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