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Ronnie Wood / Fearless – The Anthology 1965-2025 – 2CD-Review

Ronnie Wood - "Fearless - The Anthology 1965-2025" - 2CD-Review

Selbst wenn der Mann eher selten in der ersten Reihe stand, sollte der Name Ronnie Wood jedem halbwegs informierten Rock-Haushalt ein Begriff sein. Der Engländer startete seine Karriere als Platten aufnehmender Musiker Mitte der Sechziger mit der Band The Birds (nicht zu verwechseln mit den Amerikanern The Byrds), wechselte anschließend zu The Creation (die – allerdings ohne Wood – den Hit "Painterman" hatten) und wurde anschließend als zweiter Gitarrist für die neu gegründete Jeff Beck Group verpflichtet. Der als etwas wankelmütig bekannte Beck beschloss dann aber doch, dass er keinen zweiten Sechssaiter an seiner Seite wollte. Kein Problem, Wood übernahm für die beiden Scheiben "Truth" (1968) sowie "Beck-Ola" (1969) und die sich jeweils anschließenden Tourneen den Bass. Nachdem Beck die Band wieder aufgelöst hatte, wurde der gute Ronnie von den Small Faces als Gitarrist angefragt, nachdem Steve Marriott dort die Brocken hingeworfen hatte. Wood ging an Bord und brachte von der Jeff Beck Group auch gleich den Frontmann Rod Stewart mit. Aus den Small Faces waren die Faces geworden, die neben einigen Live-Outputs vier 'down and dirty' Rock-Platten (unter anderem First Step) veröffentlichten, die man einfach nur lieben muss.

Nach dem Ende der Faces wurde Ronnie Wood dann 1975 zu einem Rolling Stone und ist es bis heute geblieben, während er zwischendurch sporadisch Soloplatten veröffentlichte und als Gast auf unzähligen Alben anderer Musiker auftauchte. Die einzigartige und sich mittlerweile über sechs Jahrzehnte streckende Karriere des Briten wurde nun mit "Fearless…" gewürdigt, die dem Rezensenten für dieses Review in der 2CD-Version vorliegt. Und abgedeckt wird damit jede Band, mit der Wood als Mitglied aufgenommen hat. Es gibt mit "You’re On My Mind" von The Birds sowie "The Girls Are Naked" von The Creation zwei frühe Stücke des noch sehr jungen Protagonisten, gefolgt von lediglich einem Song ("Plynth") mit der Jeff Beck Group, bis es dann mit den Faces und seinen Beiträgen zu den frühen Soloalben Rod Stewarts weitergeht. Und wer diese Alben mit hier vertretenen Stücken wie "Flying", "Had Me A Real Good Time" und "Stay With Me" (Faces) oder "True Blue", "Gasoline Alley" oder "Every Picture Tells A Story" (Rod Stewart solo) noch nicht kennt, dem seien sie wärmstens ans Herz gelegt.

Dann geht die Reise mit den ersten Soloalben in Form von "I Can Feel The Fire", "Far East Man" sowie "Mystifies Me" (vom bärenstarken I’ve Got My Own Album To Do, 1974) sowie "Now Look", "I Can Say She’s Alright" und "Breathe On Me" (vom schwächeren Nachfolger "Now Look", 1975) weiter. Was zwangsläufig zu der ersten mit den Stones aufgenommenen und eigentlich von ihm geschriebenen Nummer "Hey Negrita" (auf den Album Credits stand allerdings lediglich »Jagger/Richards – inspired by Ronnie Wood«) führt und es folgen weitere Tracks der Stones und Stücke aus Ronnies Soloscheiben.

Definitiv eine coole Zusammenstellung, die man immer laufen lassen kann und die zu jeder Zeit Spaß macht. Hätte der Rezensent andere Songs dafür gewählt? Teilweise ja, aber das sind natürlich rein subjektive Ansichten, die bei jedem Fan anders aussehen mögen. Natürlich sollten hier so viele Alben wie möglich berücksichtigt werden, dennoch hätten es Soloplatten wie das bereits erwähnte "Now I’ve Got My Own…" sowie das in den Rock-Olymp der rauen und mit Dreck unter den Fingernägeln eingespielten Rockalben erhoben werden sollende Gimme Some Neck verdient gehabt, stärker berücksichtigt zu werden. Aber gut, das ist Jammern auf hohem Niveau. Und klar sein sollte auch, dass der gute Ronnie alles andere als ein 'gelernter' Sänger ist. Vielmehr hört man der Stimme des Engländers so ziemlich jede Flasche an Hochprozentigem und auch jede Zigarette deutlich an. Was ihm aber – zumindest beim Rezensenten – in der seit einigen Jahren so furchtbar ’sauberen' und ar…glatten Welt sehr viele Charme-Punkte bringt.

Aber zurück zu "Fearless…": Zum Abschluss finden wir noch vier sehr neue bzw. bisher unveröffentlichte Nummern, darunter – neben drei Fremdkompositionen – dem erstmalig in diesem Jahr aufgenommenen und von dem guten Ronnie Wood geschriebenen Stück "Mother Of Pearl". Was auf den ersten Hördurchlauf dieser deutlich vom Reggae bestimmten Nummer, wie auch dem Rest der bisher unveröffentlichten Stücke, eher unscheinbar vorkommt, entwickelt sich nach ein paar Repeats jedoch ebenfalls zu einem sehr angenehmen Hörerlebnis. Chrissie Hynde ist als Gast-Sängerin für "A Certain Girl" am Start und führt diese feine Zusammenstellung sehr angenehm zum gefühlt viel zu frühen Finish.

Wie dem auch sei, auf jeden Fall eine sehr coole Compilation mit mehr als zweieinhalb Stunden allerbester Unterhaltung!


Tracklist "Fearless – The Anthology…":

CD 1:

  1. The Birds – You’re On My Mind
  2. The Creation – The Girls Are Naked
  3. Jeff Beck Group – Plynth (Water Down The Drain)
  4. Faces – Flying
  5. Rod Stewart – Gasoline Alley
  6. Faces – Had Me A Real Good Time
  7. Rod Stewart – Every Picture Tells A Story
  8. Faces – Miss Judy’s Farm
  9. Faces – Stay With Me
  10. Faces – Too Bad
  11. Rod Stewart – True Blue
  12. Faces – Ooh La La
  13. Ronnie Wood – I Can Feel The Fire
  14. Ronnie Wood – Mystifies Me
  15. Ronnie Wood – Far East Man
  16. Ronnie Wood – Breathe On Me
  17. Ronnie Wood – I Can Say She’s Alright
  18. Ronnie Wood – Now Look

CD 2:

  1. The Rolling Stones – Hey Negrita
  2. Ronnie Wood & Ronnie Lane – Just For A Moment
  3. Ronnie Wood – Lost And Loneley
  4. Ronnie Wood – Seven Days
  5. The Rolling Stones – Dance (Pt. I)
  6. The Rolling Stones – Everything Is Turning To Gold (Dance Pt. II)
  7. The Rolling Stones – Black Limousine
  8. Rolling Stones – No Use In Crying
  9. Ronnie Wood – Outlaws
  10. The Rolling Stones – Pretty Beat Up
  11. Ronnie Wood – Somebody Else Might
  12. Ronnie Wood – This Little Heart
  13. Ronnie Wood – Whadd’ya Think
  14. Ronnie Wood – I Gotta See
  15. Ronnie Wood – Thing About You
  16. Ronnie Wood – Why You Wanna Go And Do A Thing Like That For
  17. Ronnie Wood – Mother Of Pearl
  18. Ronnie Wood – A Certain Girl
  19. Ronnie Wood – Take It Easy
  20. Ronnie Wood – You’re So Fine

Gesamtspielzeit: 76:34 (CD 1), 79:52 (CD 2), Erscheinungsjahr: 2025 (1965-2025)

Über den Autor

Markus Kerren

Hauptgenres: Roots Rock, Classic Rock, Country Rock, Americana, Heavy Rock, Singer/Songwriter
Über mich
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Mail: markus(at)rocktimes.de

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