Wenn die Scorpions etwas zu feiern haben, dann laden sie sich gewöhnlich illustre Gäste ein. So war das anlässlich ihrer Geburtstagsparty "60th Anniversary – Coming Home" am 5. Juli 2025 in Hannover zu erleben. Als Special Guests beim einzigen Konzert der Scorpions in diesem Jahr in Deutschland waren dabei Rosy Vista aus Hannover, Bülent Ceylan und Band mit seinem Heavy Metal-Projekt, Kult-Schock-Rocker Alice Cooper und Judas Priest. Schließlich beendeten die Gastgeber am späten Abend den Reigen der Konzerte.
Wo sonst sollte diese Party stattfinden als in der Heimatstadt der Scorpions. Die sportliche Heimstätte der Zweitligafußballer von Hannover 96 stellte den Rahmen zur Verfügung. Offiziell war das weite Rund in der Heinz-von-Heiden-Arena mit 45.000 Besuchern ausverkauft. Logistisch war mit der An- und Abreise alles im Rahmen, in puncto Versorgung und Sanitäranlagen gab es Klagen aus den Reihen der Besucher im Innenbereich. Die Veranstaltung über acht Stunden Dauer hielt mit fünf musikalischen Darbietungen effektiv sechs Stunden Musik bereit. Wo kann man das sonst an einem Tag erleben, die Festivals einmal ausgeklammert?
Die Videoeinspielungen machten deutlich, welchen Stellenwert die Hannoveraner international und dabei vor allem bei ihren Musikerkollegen genießen. Doro, Bands wie Metallica, Iron Maiden, Megadeth, Kiss, Europe, Bon Jovi, Whitesnake und viele andere, brachten in ihren Grußbotschaften eine hohe Wertschätzung zum Ausdruck. Unvergessen, wie die Scorpions allein in den 1970er und 1980er Jahren den asiatischen Kontinent erobert hatten und lange Zeit rockmusikalisch Deutschlands erfolgreichster Rockexport waren. Das traf vor allem auf Japan zu. So gibt es bis heute kaum Kratzer am Lack dieser Band.
Die Scorpions sind immer noch gut für ausgedehnte Tourneen durch mehrere Länder. Allerdings sollte man nicht vergessen, dass deren große Zeit vorbei ist und so darf sich niemand wundern, wenn das Gros der Fans am 5. Juli 2025 den Auftritt von Alice Cooper mit weitem Abstand als das Maß der Dinge einstufte, wenngleich ein Alice Cooper (77) kein Jungbrunnen mehr ist. Der Auftritt der Scorpions schnitt dagegen vergleichsweise bescheiden ab, weil sich Klaus Meine bei Moderation und Gesangseinlagen nicht mit Ruhm bekleckerte. Keine Frage, die Musiker der gastgebenden Formation waren gut aufgelegt, hatten Bock auf ihre Party. Klaus Meine polarisierte mit seiner Gesangsstimme schon viel früher. Man muss ihm aber bescheinigen, die Band immer hochgehalten zu haben, sodass diese loyal gegenüber Fans und Kollegen auftrat. Das ist ein großes Verdienst des Sängers, der gern auch mal politisch Flagge zeigte (Rockballade "Wind of Change").
Rein gesanglich sind ihm Grenzen gesetzt, das war in Hannover nicht zu überhören. Ein einmaliges optisches Erlebnis bekamen die Besucher von den Veranstaltern serviert. Am Armband war eine Leuchte befestigt, die keinerlei Schalter hatte. Die Leuchte wurde letztlich über einen Sender gesteuert, sodass die Arme aller 45.000 Besucher gleichzeitig leuchteten. Das hatte den Effekt, dass sich das große Stadion in der Dunkelheit in eine Art Wohnzimmer verwandelte. Plötzlich warf der räumliche Eindruck einer großen Arena wie verschwunden. Auf einmal wurde es gefühlt kuscheliger.
Ein Dankeschön gilt den Scorpions für diese außergewöhnliche Geburtstagsparty. Deren Repertoire ließ ebenfalls keine Wünsche offen. So erklangen in chronologischer Reihenfolge Lieder, die zum Teil schon lange nicht mehr gespielt wurden. Damit wurden gewiss viele Erinnerungen im Publikum wachgerufen. Genau das zeichnet eine zünftige Geburtstagsfeier aus. Unter den Besuchern waren viele Gäste aus Hannover und aus ganz Deutschland, es hatten aber zugleich zahlreiche Fans aus anderen europäischen Ländern den Weg nach Niedersachsen gefunden.



2 Kommentare
Mario
11. Juli 2025 um 17:27 (UTC 1) Link zu diesem Kommentar
Hallo Andreas,
ich habe das Konzert als Besucher erlebt, also ohne Akkreditierung. Ich hatte im Oktober 2024 anlässlich meines 60. Geburtstages von meinen Kollegen einen Konzertgutschein geschenkt bekommen. Da fiel die Wahl nicht schwer, als es zu Beginn hieß: Scorpions und Judas Priest für 100 Euro… Auf dem Heimweg per Zug traf ich auf viele Scorpions-Fans. Daher resultiert u.a. meine Beobachtung und das Urteil zur musikalischen Qualität. Der Fakt zu Jon Uli Roth war bzw. ist mir nicht bekannt, das konnte natürlich während des Konzerts keine Rolle spielen. Logistisch fiel mir auf, dass An- und Abreise sehr gut gelöst waren. Kein Warten. Besucher im Innenraum klagten über zu wenig Sanitärmöglichkeiten und Warten bei den Getränken. Die Veranstaltung war insgesamt ein einmaliges Event, wer dabei war. Den Scorpions für ihre Gesamtleistung über sechsJahrzehnte würdig. Acht Stunden Show, effektiv sechs Stunden Musik, was will man mehr?Alles im Zeitplan, bis auf die 35 Minuten Verspätung der Scorpions. Warum ausgerechnet dieses Konzert aufgezeichnet wird, erschließt sich mir allerdings nicht. So ist es: Überall Licht und Schatten im Leben. Insgesamt gut, denn als eine Enttäuschung betrachte ich die Gesamtdarbietung nicht. Das muss am Ende aber jeder Gast für sich selbst entscheiden.
Viele Grüße Mario
Andreas Daute
11. Juli 2025 um 12:30 (UTC 1) Link zu diesem Kommentar
Scorpions ein guter Gastgeber….??
Wie sieht der Verfasser die Situation, das Jon Uli Roth als Gast eingeladen war und ein paar Tage vor dem Konzert, von den guten Gastgebern, wohl per email, ausgeladen wurde?
Mit fadenscheiniger Begründung.