Erstmal ganz fette Glückwünsche in Richtung Nürnberg beziehungsweise an die aus dem Umkreis stammende Band Shiny Gnomes. Die feiert in diesem Jahr nämlich ihren vierzigsten Geburtstag. Starke Leistung, die RockTimes-Redaktion hebt schon mal ihr imaginäres Glas, um auf die nächsten … naja, sagen wir mal mindestens zwanzig Jährchen anzustoßen. Und da sich auch das Quartett bei einem solchen Anlass nicht lumpen lassen wollte, liegt mit "Poles" nun das 13. Album der Bandgeschichte vor.
Angefangen hatte alles 1985 mit einer ersten Single, bevor dann im Folgejahr das Debütalbum "Wild Spells" folgte. Nachdem mich die Gnomes vor knapp zehn Jahren mit ihrer vorletzten Platte Searchin' For Capitola (2017) überzeugen konnten, kam dann auch deren Nachfolger Otherness (2022) bei unserem Kollegen Paul Pasternak sehr gut an. Der sowieso schon sehr eigene Bandsound wird durch die – nicht bei jedem Song gespielte – elektrische Sitar von Frontmann Stefan 'Limo' Lienemann natürlich noch spezieller.
Sobald sich der Opener "Show He Said" ein paar Sekunden in der Anlage gedreht hat, ist der Hörer dann auch bereits tief im Psychedelic Pop-Land angekommen. Herrlich wabernde Keyboard-Sounds von Rainer 'Gazi' Mertens, die bereits erwähnte Sitar und der sanft verträumte Gesang von Limo nahmen den Rezensenten umgehend mit auf die Reise, die anschließend mit "Bubble Burst" sowie "Opening" ganz wunderbar fortgesetzt wird. Man kann die Musik der beiden Bands selbstverständlich nicht wirklich vergleichen, aber vor dem geistigen Auge des Rezensenten tauchen beim Anhören dieser Platte immer wieder die ganz frühen Pink Floyd auf. Träumerisch schwebend und dennoch mit einer gewissen Rock-Härte versehen, dazu die psychedelischen Sound-Elemente und eine grundsolide Rhythmus-Abteilung mit Andreas Rösel am Bass ergeben eine gewinnende Mischung. Und auch wenn sich die Stücke noch nicht umgehend ins Langzeitgedächtnis einnisten möchten, so summt oder singt man sie beim vierten oder fünften Durchlauf dann doch gedankenverloren mit.
Der Hit der Scheibe und vielleicht auch der beste Song ist "Trish", eine Nummer, die der im Jahr 2011 verstorbenen ehemaligen Sängerin Trish Keenan der englischen Indie Rock-Band Broadcast gewidmet ist. Die Sitar ist ebenso am Start, wie ein treibender, aber dennoch im Hintergrund gehaltener Beat von Lars Worch. Beim Refrain kommt der Wechselgesang Limos mit den Shiny Angels voll zum Tragen. Die drei Background-Sängerinnen, die übrigens auch bereits beim Vorgänger-Album am Start waren, passen hervorragend zu diesen Tracks und bereichern sie. Die gute Miss Keenan wurde von Limo offensichtlich sehr verehrt, wie man seinem sehr gefühlvollen Gesang anhören kann. Und das merkt man selbst dann, wenn man des Englischen nicht mächtig ist. Klasse Nummer!
Letzten Endes ist "Poles" ein gutes Shiny Gnomes-Album geworden, das in seinen besten Momenten alle Stärken der Band komprimiert auf den Punkt bringt und hinreißend ist. Die zweite Hälfte der Scheibe konnte das Aufmerksamkeits-Level des Rezensenten dagegen nicht durchgehend hoch halten, selbst wenn die beiden die Platte beendenden "Sandbox" sowie "Painter’s Fancy" zugegebenermaßen wieder starke Songs sind. Auf der Plusseite stehen die bereits angesprochenen Tracks "Trish", "Show He Said", "Rain Cascades", "Bubble Burst" und auch "Opening" mit tollen Melodien und einer dichten Atmosphäre. Sehr gewinnbringend ist auch immer wieder die Mitarbeit der Shiny Angels (Doris Völkl, Sabine Matheisl sowie Stefanie Nerreter) an den Background Vocals, die vielen der Tracks nochmal eine schöne zusätzliche Klangfarbe verleihen. Insgesamt gesehen also zwar kein Überflieger, aber dennoch lohnenswert.
Line-up Shiny Gnomes:
Limo (guitars, electric sitar, monotron, lead vocals)
Gazi (keyboards)
Andreas Rösel (bass, synthesizer)
Lars Worch (drums & percussion)
With The Shiny Angels:
Doris Völkl (background vocals)
Sabine Matheisl (background vocals)
Stefanie Nerreter (background vocals)
Tracklist "Poles":
- Show He Said
- Bubble Burst
- Opening
- Trish
- Rain Cascades
- Big Time
- Forcefields
- The Legend Of
- Sandbox
- Painter’s Fancy
Gesamtspielzeit: 38:59, Erscheinungsjahr: 2025



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