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Simon McBride / Konzertbericht, 30.03.2025, Columbia Theater Berlin

Columbia Theater Berlin

Fühlt sich so eine Legende an? Simon McBride, seit gut zwei Jahren fester Gitarrist in den Diensten von Deep Purple, wird inzwischen gerne in die Nähe einer Legende gerückt, weil seine Entwicklung nahezu märchenhaft verläuft und er in der Tat einer musikalischen Legende angehört. Seine musikalischen Fähigkeiten sind unbenommen, aber mit seinem Soloprogramm entert er die Showbühne doch vielmehr im Stile eines Jungen von nebenan.

Simon McBride (links) mit Dave Marks (Bass) und Marty McCloskey

Simon McBride (links) mit Dave Marks (Bass) und Marty McCloskey

Im Konzert betrat er gemeinsam mit Dave Marks (Bass) und Marty McCloskey (Schlagzug) die Plätze an den Instrumenten, als es noch finster war auf der Bühne. Eine Spur Spontanität. Dann legte das Trio los. Einem Befreiungsschlag glich das Startsignal, weil es keine Vorband gab und die Akteure zu dritt agierten wie die sprichwörtliche Feuerwehr. Mit neuem Album Recordings: 2020-2025 ist Simon McBride gerade unterwegs, doch ist es ihm gleichzeitig wichtig, Musikstücke der Vorgängeralben zu spielen. So hielt sich die Zahl der Coversongs aus dem aktuellen Werk in Grenzen. Der "Lovesong ", das The Cure-Cover, brachte die Besucher in gleich gute Stimmung wie das Hörerelebnis auf dem Album. In beiden Fällen ist das Lied ein ausgemachter Favorit. Wenn man hier von leise oder langsam spricht, dann trifft das eher auf den Anfang zu.

Exzellente Zusammenarbeit: Simon McBride (links) mit Dave Marks

Exzellente Zusammenarbeit: Simon McBride (links) mit Dave Marks

Insgesamt schlugen die drei gutaufgelegten Akteure eine musikalische Klinge an, dass die leisen Töne Seltenheitswert hatten. Es pendelte sich zwischen lupenreinem Blues Rock, Rock, Hard Rock und Boogie Rock ein. Indem das Trio die Genrevielfalt auslotete, blieb das Konzert ausgesprochen abwechslungsreich. Dazu trugen ebenso die kompakten Songs mit einer vergleichsweise kurzen Spielweise bei. Souverän agierte Bassist Dave Marks, der mit seinem Satzgang McBride eine gute Ergänzung war. Die beiden soliden Taktgeber an Schlagzeug und Bass waren die perfekte Verstärkung des Gitarristen, der an diesem Tag hätte nicht besser aufgelegt sein können.
Er moderierte jedes Lied und war jedes Mal zum Schmunzeln aufgelegt, als er die Takte zu  "Smoke On The Water" und "Black Night", anklingen ließ. Später erklang "Smoke On The Water" sogar in einer Kurzversion. Gewiss hätte niemand diesen Klassiker erwartet, doch wer weiß, warum es Simon McBride so wichtig war, diese Komposition in das Set einzubauen.

Zu besonderer Leistung lief der Gitarrist auf, als er sein Instrument kurzzeitig in Hochgeschwindigkeit spielte. Das kann man nicht beschreiben, man möge es sich aber vorstellen. Die instrumentalen Ausflüge verliefen jeweils im Stile einer Session, deren Klasse einzigartig war. Es war eine Freude, die Kraft eines Trios in dieser wuchtigen Form zu spüren. Beispielgebend dabei der Dampfhammersong "Kids Wanna Rock", ein Bryan Adams-Cover. War die Erwartungshaltung beim Autoren dieser Zeilen schon hoch angesetzt, so übertraf das Konzert jegliches Vorstellungsvermögen.

Über den Abend gesehen, war es keine große Überraschung, als McBride nur kurz nach dem Konzertende am Merchandising-Stand auftauchte und geduldig die vielen Autogrammwünsche erfüllte. Dieses Gefühl kennt der Gitarrist, wenn er gemeinsam mit dem Deep Purple-Keyboarder Don Airey oft die allerkleinsten Spielorte auswählt, um dann den unmittelbaren Kontakt mit den Fans zu suchen. Dinge, die mit Deep Purple in dieser Form nicht mehr möglich sind.

Ein Abend im Zeichen eines großen Musikers, der unbestritten auf dem besten Weg ist, einmal eine Legende zu werden. Ein Dank an seine beiden hervorragenden Musikerkollegen für einen unvergesslichen Abend.
Ein Dank geht an networking Media und an earMUSIC für den Platz auf der Gästliste sowie den Fotocredit.

Bildnachweis für alle Bilder des Events: © 2025 | Mario Keim | RockTimes


Line-up Simon McBride:

Simon McBride (guitar, vocals)
Dave Marks (bass)
Marty McCloskey (drums)

Über den Autor

Mario Keim

Musikstile: Heavy Rock, Rock, Deutschrock, Hard Rock
Marios Beiträge im RockTimes-Archiv

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