Neben seinem Vollzeitjob als Gitarrist bei Deep Purple und dem festen Engagement bei seinem Bandkollegen Don Airey (Don Airey & Friends) bleibt Simon McBride immer noch genügend Zeit für eigene Projekte. "Recordings: 2020-2025" ist dessen sechstes Soloalbum überschrieben. Es folgt unmittelbar auf den Longplayer The Fighter (2022).
Die Coversongs bekannter Berufskollegen und eigene Neuaufnahmen enthalten Überraschendes, sie sind jedoch ganz im Stil des 1979 in Belfast geborenen Nordiren gehalten. Angesichts der Tatsache, dass er seit 2022 festes Bandmitglied bei Deep Purple ist, liegt es für viele Beobachter auf der Hand, dass dessen Popularität einzig der Neuverpflichtung bei der britischen Hard Rock-Legende zu verdanken ist. Aber weit gefehlt: Der Musiker machte frühzeitig auf sich aufmerksam, als er mit Jeff Beck, Joe Bonamassa und dem US-Slide-Gitarristen Derek Trucks tourte. Im Herbst 2010 traf er mit Joe Satriani auf eines seiner frühen Vorbilder. Neben seinen Soloalben gab es immer wieder Gastspiele bei anderen Musikern. In dieser Zeit sind viele eigene Lieder des Sängers und Gitarristen entstanden.
Bei Deep Purple folgte er auf Steve Morse, nachdem dieser aufgrund der Erkrankung seiner Frau die Band verließ. In einer kurzen Phase der Vertretung Mitte 2022 zeigte sich McBride als mannschaftsdienlicher Teamplayer, ohne sich in den Vordergrund zu spielen. Diese Bodenständigkeit zeichnet den musikalischen Globetrotter offenbar aus. Es ist ein Merkmal des Alleskönners, der in seiner Vita Gitarrist, Sänger, Songwriter, Produzent und Dozent führt. Insofern passt nicht nur seine Rolle als Mitglied von Deep Purple zu ihm. Die 15 Aufnahmen seines neuen Soloalbums "Recordings: 2020-2025" sind Ausdruck seiner Vielseitigkeit und seiner musikalischen Brillanz.
Schon der Opener "Uniform Of Youth" (Mr. Mister) scheint ihm wie auf den Leib geschrieben. Mit dem Cover "Kids Wanna Rock" von Bryan Adams treten Dave Marks (Bass), Marty McCloskey (Schlagzeug) und Simon Mc Bride als schlagkräftiges Trio den Beweis an, dass sie die besseren ZZ Top sind. Natürlich ist dies nur ein Vergleich mit Augenzwinkern. Einerseits spielten die Südstaatenrocker bis zum Tod ihres Bassisten Dusty Hill im Jahr 2021 seit 1969 in gleicher Besetzung. Das war Weltrekord. Außerdem sind ihre musikalischen Verdienste unbestritten. Doch die Kombination von Blues und Rock liegt dem Solisten besonders gut.
Mit "Ordinary World" (Duran Duran) überrascht der Sänger und Gitarrist zum ersten Mal. Er greift ein oft gecovertes Lied auf und zeigt damit, dass er auch in anderen Gefilden (Synthpop, New Wave) bestehen kann. Hier zeigt er eine Klangfarbe, die mich an Ray Wilson, den letzten Genesis-Sänger, erinnert. Heute ist dieser mit eigener Band sehr erfolgreich und mit Konzerten und Produktionen äußerst aktiv.
"Grandma’s Hands" ist ein waschechter McBride, denn bei dem Bill Withers-Cover kommen die Vorzüge des Blues-Rock-Gitarristen so richtig zum Vorschein. Als Meister der Hooklines spielt er sich in einen wahren Rausch und verpasst diesem und allen weiteren Coverstücken eine individuelle Note. "Lovesong" (The Cure) ist ein weiterer Beleg, dass ihm die leisen Töne nicht fremd sind. Das Lied darf man als einen Favoriten auf dem vorliegenden Album bezeichnen: Einfühlsam mit starker Betonung auf Gesang und Gitarre. Eine Verneigung vor dem Original. "Dead In The Water" (David Gray) zeigt eine hohe Emotionalität, die unterstreicht, welches Spektrum Simon McBride mit seiner Fähigkeit abdecken kann. "Recordings: 2020-2025" ist in jeder Hinsicht ein musikalisches Fest. Simon McBride legt eine enorme Spielfreude an den Tag. Er experimentiert und er unterstreicht, wo seine Stärken als Gitarrist liegen.
"The Stealer" (Free) und der abschließende Block mit den Eigenkompositionen "Hell Waters Rising", "Dead Man Walking", "Fat Pockets" sowie der Neun-Minuten-Komposition "So Much Love to Give" (!) gehören für mich ebenfalls zu den Paradestücken, bei denen der 45-jährige Protagonist alle Facetten, die ihn so einzigartig machen, zeigt. Nimmt man allein dessen Alter, darf man sich gern ausrechnen, was wohl in Zukunft noch von Simon McBride zu erwarten ist.
Während einige dieser Aufnahmen bisher nur digital erhältlich waren, präsentiert "Recordings: 2020-2025" erstmals alle Tracks in einer physischen Veröffentlichung. In ausgewählten Orten sind sie außerdem live zu hören.
Line-up Simon McBride:
Simon McBride (guitar, vocals)
Dave Marks (bass)
Marty McCloskey (drums)
Tracklist "Recordings: 2020-2025" (in Klammern Autoren)
- Uniform of Youth (Cover Mr. Mister)
- Kids Wanna Rock (Cover Bryan Adams)
- Ordinary World (Cover Duran Duran)
- Grandma’s Hands (Cover Bill Withers)
- I Gotta Move (Cover The Kinks)
- Lovesong (Cover The Cure)
- Dead In The Water (Cover David Gray)
- Gimme Something Good (Cover Ryan Adams)
- Don’t Dare (New Studio Session at Chameleon Studios)
- Heartbreaker (New Studio Session at Chameleon Studios
- The Stealer (Cover Free)
- Hell Waters Rising (aus "Singles and Eps 2020-2022")
- Dead Man Walking (aus "Show Me How To Love")
- Fat Pockets (aus "Show Me How To Love")
- So Much Love To Give (New Studio Session at Chameleon Studios)
Gesamtspielzeit: 69:37, Erscheinungsjahr: 2025



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