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The Autumn Almanacs / As Far As The Eye Can See – Vinyl-Review

The Autumn Almanacs - "As Far As The Eye Can See" - Vinyl-Review

Verdammt, da rutscht das Herz doch gleich mal wieder ein Stückchen tiefer… Ein erster Blick auf die Homepage der Autumn Almanacs zur Vorbereitung auf das folgende Review traf direkt unter die Gürtellinie. Denn dort ist vermerkt, dass Ian Maxwell, Sänger und Frontmann der Band, am 15. Juli 2022 verstorben ist… auch das Ende der Band? Aber fangen wir von vorne an: The Autumn Almanacs wurden 2016 von dem Bassisten Caspar van Beugen gegründet, bestanden – mit Sitz in Köln – von Beginn an aus holländischen und deutschen (inklusive dem in Deutschland lebenden Briten Ian Maxwell) Musikern, die ihre Liebe zum psychedelischen Pop/Rock der späten sechziger Jahre auslebten und -leben. Der Bandname ist nicht von ungefähr identisch mit einem im Jahr 1967 erschienenen Hit der legendären Band The Kinks. 2018 erschien das Debüt All Work And No Play Makes Jack A Dull Boy, für das mein Kollege Wolfgang durchaus lobende Worte fand.

Bestand die komplette zweite Hälfte des Erstlings noch aus einem einzigen Song bzw. einer in mehrere Parts aufgeteilten Mini-Rock Oper (unter anderem "A Quick One" von The Who lässt grüßen), so sind auf diesem zweiten Werk namens "As Far As The Eye Can See" elf kurze knackige, gut komponierte, melodisch-psychedelische und klasse produzierte Tracks enthalten. Bereits der Opener "Summer Of Love" sowie das anschließende "Deep End" entführen den Hörer stante pede in die späten Sechziger mit ihrem leicht psychedelischen Pop-Sound. Wie auf dem Debüt sind auch hier wieder die aus den TV-Bands von "TV Total" und "DSDS" bekannten Blas-Musiker Lorenzo Ludemann sowie Tim Hepburn (plus Tobias Wember auf einem Song) am Start, die das Volumen des Gesamt-Sounds gekonnt noch weiter ausbauen. So schaukelt sich die Band Song für Song hoch, bevor "The Zodiac" die erste Albuseite beendet. No filler, just killers!

Ein cooles Gitarren-Riff eröffnet den zweiten Durchgang, sprich die zweite Seite und die Musiker weichen auch hier keinen Deut ven dem Sound einer längst vergangenen Ära ab. Sehr stark kommen auch die Background Vocals, die übrigens ebenfalls von Maxwell im Alleingang übernommen wurden. Die Almanacs lassen auch gegen Ende nicht nach und machen jeden Track zu einem Gewinner. Für den erdigen Sound sorgt unter anderem eine 'fette' Orgel (klasse u. a. bei "Harry Bay"!), während sich ansonsten keines der Instrumente ohrenscheinlich in den Vordergrund spielt, sondern alle Musiker ungemein songdienlich agieren. Wie bereits erwähnt gibt es auf dieser Scheibe keinen Ausfall, aber wer dennoch zunächst mal reinhören möchte, dem empfehle ich dafür die Nummern "Summer Of Love", "Flowers In Our Hair", "Alice Should Go" und auch "Harry Bay". "As Far As The Eye Can See" kommt jetzt schon richtig super, wird aber im Frühling und Sommer mit Sonnenschein vermutlich nochmal doppelt so viel Spaß machen.

Ganz klar also eine Platte, die man allen Fans des psychedelischen Pop/Rock aus dem England der späten sechziger Jahre, aber auch allgemein jedem Interessierten Musik-Fan empfehlen kann. Die Qualitäten des auf diesem Album agierenden (Noch-) Quintetts wurden bereits mehrfach angesprochen, sodass diesbezüglich keine Wiederholung nötig ist. Und der 'warme', erdige Vinyl-Sound passt zu diesem Musik-Stil natürlich, wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge.

Bleibt letztendlich die Frage, ob "As Far As The Eye Can See" nach dem Tod von Ian Maxwell auch der Tod der Band bzw. die letzte Scheibe war. Oder ob es vielleicht mit einem neuen Frontmann doch nochmal einen Neuanfang gibt? Eine Entscheidung, die natürlich nur die Autumn Almanacs selbst treffen können. Und dafür wünschen wir Ihnen ein glückliches Händchen.


Line-up The Autumn Almanacs:

Ian Maxwell (lead & background vocals)
Marrick Verhoeven (drums)
Marcus Brand (guitars)
Casper van Beugen (bass)
Stephan Jacobs (keyboards)

With:
Lorenzo Ludemann (trumpet)
Tim Hepburn (trombone)
Tobias Wember (trombone – Side 2 – #2)

Tracklist "As Far As The Eye Can See":

Side 1:

  1. Summer Of Love
  2. Deep End
  3. Horror Movie
  4. The Market
  5. The Zodiac

Side 2:

  1. The Fall
  2. Alice Should Go
  3. Flowers In Our Hair
  4. Belfast Boy
  5. Harry Bay
  6. Apocalypse

Gesamtspielzeit: 17:40 (Side 1), 17:49 (Side 2), Erscheinungsjahr: 2022

Über den Autor

Markus Kerren

Hauptgenres: Roots Rock, Classic Rock, Country Rock, Americana, Heavy Rock, Singer/Songwriter
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Mail: markus(at)rocktimes.de

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