Die ursprünglich in Atlanta, Georgia beheimatete Band The Black Crowes schaffte anfangs der neunziger Jahre das Kunststück, mit einer Musik, für die sich damals scheinbar die wenigsten und am allerwenigsten der Mainstream oder die Plattenfirmen, interessierten, gleich zwei Multi-Platin-Alben in Folge ("Shake Your Moneymaker" von 1990 sowie The Southern Harmony And Musical Companion aus dem Jahr 1992) zu veröffentlichen. Neben großer Freude darüber führte dies jedoch auch zu großem Druck, was das Nachfolge-Werk betraf. Für das ursprünglich "Tall" benannte Album Numero 3, für das sich Frontmann Chris Robinson zudem in den Kopf gesetzt hatte, es selbst zu produzieren, liefen die Sessions allerdings nicht besonders gut. Was schließlich so weit führte, dass sie ganz abgebrochen wurden. Die Band kam – jetzt mit dem Co-Produzenten Jack Joseph Puig an ihrer Seite – schließlich wieder zusammen, um die dann im November 1994 veröffentlichte Scheibe, jetzt "Amorica" betitelt, einzuspielen.
Das Album genießt bis heute einen zwiespältigen Ruf unter den Fans, da es eine krasse Abkehr von den eingängigen Tracks der ersten beiden Platten hin zu mehr experimentellen und Jam-artigen Stücken vollzog. Und dennoch war hier Vieles gar nicht so anders als bei den ersten Erfolgsscheiben, nur halt etwas sperriger. Wenn man sich mit der Scheibe jedoch intensiver beschäftigt, dann stößt man schnell auf wahre Perlen wie beispielsweise "A Conspiracy", "Cursed Diamond" oder den wahrscheinlich bekanntesten Track der Scheibe, "Wiser Time". Im weiteren Verlauf werden wir dann noch mit den sehr guten "Ballad In Urgency" sowie "She Gave Good Sunflower" verwöhnt, von einem einer meiner All Time Faves, "Descending", ganz zu schweigen. Als Bonus zum Original-Album gibt es noch die drei Stücke "Chevrolet" (ein Taj Mahal-Cover), den "Sunday Night Buttermilk Waltz" sowie "Song Of The Flesh" in neuen Abmischungen.
Auf CD 2 befinden sich Aufnahmen der abgebrochenen "Tall"-Sessions, denen man den Grund ihres Scheiterns allerdings überhaupt nicht anhört. Wie die letzten Endes für "Amorica" verwendeten Tracks, gehen auch die hier beinhalteten neun Songs zunächst etwas sperriger ins Ohr, entwickeln jedoch sehr bald ein Eigenleben und überzeugen ebenso wie das damals veröffentlichte Album. Bei dem einen oder anderen Song mag noch der letzte Schliff fehlen, aber Wohl dem, der es sich leisten kann, solche Stücke wieder in die Schublade wandern zu lassen. Ganz stark sind "Lowdown", "Tied Up And Swallowed", "Feathers" sowie das glanzvolle "Title Song", aber der Rest der Stücke schließt sich anstandslos mit der selben Qualität an. Speziell für die Fans der Band, die dieses Material noch nicht im Schrank stehen haben, eine wahre Schatzgrube.
Der dritte Silberling wartet dann mit den sechs Songs beinhaltenden und soundtechnisch qualitativ etwas schwächeren "Marie Laveau Sessions" auf. Musikalisch stimmt aber auch hier alles. Den Abschluss machen die Live-Tracks "A Conspiracy", "P.25 London", "Wiser Time" sowie "High Head Blues", die vom Sound ebenfalls nicht mehr ganz so gut wie die ersten beiden CDs kommen, aber durchaus akzeptabel sind.
Letzten Endes also eine bärenstarke Neuauflage des dritten Black Crowes-Albums "Amorica" mit massenhaft qualitativ hochwertigem Bonus-Material. Und deshalb auch eine dicke Empfehlung!
Line-up The Black Crowes:
Chris Robinson (lead vocals)
Rich Robinson (rhythm & lead guitars)
Marc Ford (lead & rhythm guitars)
Ed Hawrysch (piano)
Johnny Colt (bass)
Steve Gorman (drums)
With:
Jimmy Ashhurst (mandolin)
Eric Bobo (percussion)
Bruce Kaphan (pedal steel guitar)
Andy Sturmer (assorted musical gifts)
Tracklist "Amorica – Deluxe Edition":
- Gone
- A Conspiracy
- High Head Blues
- Cursed Diamond
- Nonfiction
- She Gave Good Sunflower
- P.25 London
- Ballad In Urgency
- Wiser Time
- Downtown Money Waster
- Descending
- Chevrolet (bonus track)
- Song Of The Flesh (bonus track)
- Sunday Night Buttermilk Waltz
CD 3 – "The Marie Laveau Sessions":
- Exit
- Fear Years
- On That Hallow Night
- Girl From The Pawnshop
- Bewildered
- Nonfiction (acoustic)
- Thorn’s Progress
- A Conspiracy (live)
- P.25 London (live)
- Wiser Time (live)
- High Head Blues (live)
- Lowdown
- Tied Up And Swallowed
- Evil Eye
- Dirty Hair Halo
- Feathers
- Thunderstorm 6:54 PM
- Title Song
- Bitter, Bitter You
- Paris Song
Gesamtspielzeit: 64:35 (CD 1), 50:21 (CD 2), 68:29 (CD 3), Erscheinungsjahr: 2025 (1994)



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