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The Comancheros / Konzertbericht, 28.04.2025, Bluesclub Meisenfrei, Bremen

The Comancheros / Konzertbericht, 28.04.2025, Bluesclub Meisenfrei, Bremen

Wehende Matten rocken den Honky-Tonk

Kleine Live-Clubs haben es spätestens nach der Corona-Pandemie nicht leicht. Die Lebenshaltungskosten sind signifikant in die Höhe geschnellt, so dass beim außerhäusigen Privatvergnügen gespart werden muss. Auch die Gastronomie-Branche weiß ein Lied davon zu singen. Gleichzeitig führen mehrere Faktoren dazu, dass die Preise in besagter Gastronomie oder bei den Tickets für Live-Events stark angezogen haben, was zusätzlich die Konsumlaune hemmt.
Die Monolithen der jeweiligen Branche spüren das naturgemäß deutlich weniger als die breite Masse.

Heruntergebrochen auf das Musikgenre Blues Rock, im kommerziellen Sinne ein winziger Nischenmarkt, bedeutet das bei einem Künstler wie Joe Bonamassa aktuell immerhin 5000 – 6000 Besucher*innen in den großen Hallen (es waren aber auch schon mal mehr), während eine vollkommen unbekannte Band aus Missouri es sehr schwer hat, überhaupt 50 – 60 Konzertgänger*innen mobilisieren zu können.

Michael 'Bobcat' Cook – Urschrei

Michael 'Bobcat' Cook – Urschrei

In der Regel gibt es daher in den kleinen Live-Clubs verhältnismäßig viele Konzerte mit Cover- oder Tributebands, die uns alles von AC/DC bis ZZ Top auf den Tisch bringen, einen Bruchteil von den Originalen kosten, aber mit liebgewonnenen Gassenhauern die Bude rocken und somit für guten Besuch sorgen.

Insofern ist es Veranstaltern wie 'Teenage Head Music' hoch anzurechnen, dass sie weiße Flecken auf der Landkarte wie die Comancheros nach Europa holen und ihnen in kleinen und kleinsten Clubs die Chance ermöglichen, originäre, eigene Musik vorzustellen. Die Freie Hansestadt Bremen hat in diesem Zusammenhang einen vorzüglichen Live-Club zu bieten, der besagten Comancheros an einem Montagabend die Bühne gibt, um ihre Musik nachhaltig ins Gedächtnis zu fräsen. Selbige erfüllen allerdings nur am Rande den Tatbestand des Bluesrocks, vielmehr ist der Titel ihres ersten Longplayers von 2018 Programm: "Heavy & Western".

So leitet das Trio dreistimmig und stampfend mit dem alten Shanty "Roll The Old Chariot" ihren Auftritt ein, der mit dem Urschrei von Schlagwerker Michael 'Bobcat' Cook auch den letzten Ignoranten vom heimischen Sofa hochschrecken lassen sollte.
Was folgt, ist nichts weniger als ein irrwitziger Parforceritt durch die Koordinaten Redneck-Country, Classic-Rock mit Thin Lizzy-Affinität, Motörhead-Attitüde und Tom Petty-Schlieren. Letzteres bedingt alleine schon die optisch auffallende Ähnlichkeit des Bassisten Jon 'Deere' Green, Thin Lizzy werden gerne mal zwischendurch zitiert, auch wenn die charakteristische zweite Gitarre fehlt, "Silver Machine" von Hawkwind erfährt zu Beginn des zweiten Sets eine willkommene Erdung und durchgehend wehen die Matten von Jon Green und Tanner Jones (Gesang, Gitarre), deren Outfit auch bei Lemmy auf Zuspruch gestoßen wäre, während permanent der Honky-Tonk-Vibe durchs Gemäuer pustet.

Dabei wird kein Geheimnis daraus gemacht, dass hier keine Sterneküche zelebriert wird, sondern rustikale Hausmannskost schmackhaft die Bude rocken soll. Unterstützt wird dieses Vorhaben nicht nur durch optische Showelemente wie wehendes Haupthaar im Farbenspiel der Scheinwerfer, sondern auch Rhythmus Charismatiker Michael Cook, der natürlich deutlich mehr drauf hat als einen Urschrei, bewirkt durch den Nachweis seines Spitznamens auf dem Kopf und seiner unnachahmlichen Mimik einen nahrhaften Schub der dazu beiträgt, dass sich die Comancheros in die Herzen der Anwesenden spielen können.
Gute Unterhaltung ist es allemal und wenn nach der letzten Zugabe Tom Petty vom Band ertönt, ist das erstens kein Zufall und zweitens ein Zeichen dafür, dass hinter der etwas radauartigen Fassade des Trios ein hochmusikalischer Kern steckt, den auch schon Richard Young von den Genre-Kollegen Kentucky Headhunters zu loben wusste.

Fazit:
Wer nicht da war, hat eine zwar unbekannte, aber sehr unterhaltsame und individuelle Band verpasst, die ihr eigenes Ding mit großem Enthusiasmus und Idealismus auf die Bühne bringt und dabei alle Freundinnen und Freunde von handgemachter Musik ansprechen sollte, die etwas mit (härterer) Rockmusik mit countryesker Note anzufangen wissen.
Und das 'Meisenfrei' hat auch an einem Montagabend einen überdurchschnittlich guten Sound, eine tolle Atmosphäre und nette Leute zu bieten … also, im Sinne des Cookschen Urschreis: Runter vom Sofa!

Wir bedanken uns herzlich für die Platzierung auf der Gästeliste.

Bildnachweis für alle Bilder des Events: © 2025 | Olaf 'Olli' Oetken | RockTimes

Über den Autor

Olaf 'Olli' Oetken

Beiträge im Archiv
Hauptgenres (Hard Rock, Southern Rock, Country Rock, AOR, Progressive Rock)

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