Untertitel "Does Earl Hooker"…
Oh oh, das könnte 'ganz dünnes Eis' sein, zählt Earl Zebedee Hooker doch bereits seit 1969 zu meinen liebsten Blues-Interpreten, seitdem ich ihn 1969 auf der Platte des "American Folk Blues Festival 1969" mit den Songs "Going Up And Down" und "Blue Shadows Fall" hörte, was zur Folge hatte, bald seine LPs Two Bugs And A Roach und "Don’t Have To Worry" mein Eigen nennen zu können, damals hatte sie mir ein Kumpel aus Hannover besorgt.
Auf frühen Aufnahmen konnte man Hooker noch öfter mit seinem Slide-Gitarrenspiel erleben. Nun, er war ja nicht der Einzige, Zeitgenossen wie Elmore James und Muddy Waters brillierten seinerzeit mit dieser Technik. Doch im Gegensatz zu ihnen nutzte Hooker für das Slide-Spiel eine Standard-Stimmung der Gitarre. Wen es aus technischer Sicht interessiert, so kann man hierzu lesen, dass sein Spiel auf einer von Robert Nighthawk erlernten Technik basierte. Anstatt vollgriffige Glissando-Effekte zu spielen, bevorzugte er die subtileren, einsaitigen Läufe, die er von anderen Slide-Spielern in Standardstimmung übernommen hatte, wie von Tampa Red, Houston Stackhouse und seinem Mentor Robert Nighthawk.
Doch kann man Hooker wie die meisten anderen Kollegen nicht nur auf das Slide-Spiel festnageln, denn trat er doch als hervorragender Sologitarrist hervor, was man auf seinen letzten Aufnahmen immer stärker wahrnehmen konnte. Und – er war nie ein Nachahmer hinsichtlich seines Solospiels, sondern hatte eine ganz eigene Spielweise. Vielleicht lag es auch daran, dass er sich nicht nur auf das Metier Blues fixieren ließ. Denn er vollzog es meisterhaft, zwischen Stilen hin-und herzuwechseln. Neben Blues konnte er rasch zum Country-Stil übergehen, in souligen Gefilden war er ebenso unterwegs so wie er auch den Boogie-Woogie-Stil beherrschte.
Und so war er auch ein Showman, spielte die Gitarre mit den Zähnen, auf dem Rücken und trat allein dadurch bereits imposant durch seine Doppelhalsgitarre auf. Ferner war er einer der moderneren Interpreten, experimentierte er doch mit entsprechenden technischen Errungenschaften jener Tage, vornehmlich in den Sixties; das Wah Wah-Pedal gehörte einfach dazu, wie auch Echo-Delays und anderes. Somit zählte er schließlich zu den innovativsten Gitarristen seiner Zeit! Was ihm jedoch abging, er sang so gut wie nie und überließ das meist speziellen Vokalisten. Letztlich wurde er durch den Eintrag in der Blues Hall Of Fame entsprechend geehrt, als man ihn als »The 'blues guitarists' guitarist`« titulierte. Ja, er, der im Alter von 40 im Jahre 1970 nach seiner langen Leidenszeit mit Tuberkulose starb, hat es mehr als verdient!
Und das ist mit Sicherheit keine leichte Aufgabe, wenn sich Musiker oder eine Band daran machen, einem solchen Musiker mit einer Veröffentlichung zu huldigen. Letztlich – klar – wir hören hier keinen echten Earl Hooker, auch nicht dieses spezielle Feeling, das von seiner Musik ausging, die letztlich ja auch angeheftet war an seiner Schaffenszeit in den Fünfzigern und Sechzigern. Hier sehe ich es so, dass ein ganz wichtiger Aspekt, den man The Vine Street Shuffle aus Frankreich hoch anrechnen muss, jener ist, Earl Hooker endlich wieder in das Bewusstsein vieler Blues-Freunde zu bringen, vielleicht kennen ihn viele junge Leute ja noch gar nicht.
Man hält sich in einem Aspekt daran, dass Hooker sehr selten sang, so konzentriert sich die Musik auf "Zebedee" halt überwiegend auf Instrumentalsongs. Und die Band versucht auch gar nicht, den Blues derart zu gestalten, dass er zwangsweise 'modern' klingen muss. Mit Gitarre, Bass und Schlagzeug wird eine Basis geschaffen, die vollends dem genügt, den Blues alter Art darzustellen, nicht ’nachgeäfft', sondern im Geiste des Geehrten mit eigenem Ausdruck, ohne den Earl dabei aus den Augen (Ohren) zu verlieren.
So startet die Platte mit einem Medley, bei dem bereits typische Merkmale des Meisters zu Gehör gebracht werden. Gitarrist Aliocha Thevenet leistet hierbei gute Arbeit, beruft sich auf die originäre Spielweise von Hooker, greift dessen stilistische Ausprägung auf und drückt diese auf seine Weise aus, sein Spiel auch mit eigenen Ideen ausfüllend. Dabei empfinde ich es als äußerst bemerkenswert, wie man diesen 'Vintage-Sound' zelebriert!
Besonders stark ist auch die Arbeit des Rhythmus-Teams mit Philippe Quinette und Marc Delmas. So liefern sie zu "Off The Hook" einen absolut lässig-coolen Background, der so richtig swingt, wie man es bei zeitgenössischen Bluesproduktionen oft genug vermisst! Auf "Blue Guitar" kommt dann dieser berühmte Slide-Einsatz erstmals zum Einsatz. Und der Gast an der Bluesharp, Jean Marc Henaux, kann hier sowohl später noch einmal bei Track Sieben eine dicke Prise Authentizität sprichwörtlich hineinblasen!
Nun folgt mit "You Got To Lose" der erste Gesangstitel, es singt Neal Black. Insgesamt gefällt mir im Vergleich zu den anderen Songs der Ausdruck nicht so gut. Ein wenig besser liegen mir hier die anderen beiden Vokaltitel, "The Misfit" und "You Don’t Want Me", obwohl sie im Vergleich mit den Originaleinspielungen für mich auch nur die zweite Reihe einnehmen würden.
Als positiv empfinde ich es, dass zur Auswahl nicht nur die bekannten Stücke Hookers herangezogen wurden, sondern auch einige eher unbekannte, und davon gibt es ja leider eine ganze Menge. Zwölf Songs, die bis auf "The Hucklebuck" (geschrieben von Andy Gibson) alle vom Geehrten stammen. Beim letztgenanntem Track swingt es ungeheuerlich gut, die drei Hauptakteure präsentieren eine hervorragende Authentizität!
Resümierend stelle ich fest, dass diese Tracks mit Herzblut eingespielt wurden. Und sie zeigen, welche großartigen Instrumentals Hooker allein aufnahm, die solchen Klassikern wie "The Stumble" oder "Hideaway" von Freddie King in nichts nachstehen! Und so fühle ich mich durch "Zebedee" angeregt, gleich noch einen echten Hooker nachzulegen. Und ich hoffe, dass diese Veröffentlichung dazu auffordert, es mir gleich zu tun!
P.S.: Wen es interessiert – Earl und John Lee Hooker waren im Übrigen Cousins und haben auch eine gemeinsame Platte veröffentlicht.
Line-up The Vine Street Shuffle:
Aliocha Thévenet (electric guitar)
Marc Delmas (drums)
Philippe Quinette (upright bass, electric bass)
Laurent Cokelaere (electric bass – #4, 10)
Jean Marc Henaux (harmonica – #3, 7)
Denis Agenet, Neal Black (vocals, #6, #4)
Sophie Malbec (vocals – #10)
Tracklist "Zebedee":
- Frog Hop / The Leading Brand Medley (5:12)
- Off The Hook (4:45)
- Blue Guitar (5:25)
- You Got To Lose (4:30)
- Galloping Horses A Lazy Mule (2:37)
- The Misfit (2:19)
- Dynamite (3:10)
- Guitar Rhumba (5:29)
- Two Bugs & A Roach (2:33)
- You Don’t Want Me (5:11)
- The Hucklebuck (3:49)
- Two Bugs In A Rug (Interlude) (1:02)
Gesamtspielzeit: 46:46, Erscheinungsjahr: 2025



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