Aller Anfang ist schwer:
Der Weg zum Erfolg ist steinig, das musste auch Tito Larriva feststellen, als er in den 70ern und 80ern erst einmal bei verschiedenen Punkbands sein Glück versuchte, danach mit dem Gitarristen Peter Atanasoff und Drummer Johnny Hernandez 1992 seine eigene Band Tarantula gründete und mit diesen als Spaßprojekt durch diverse lokale Clubs tingelte. Auch die beiden 'Kollegen' hatten schon jede Menge Banderfahrungen gesammelt.
Der Durchbruch kam mit dem Auftritt im Film From Dusk Til Dawn. Regisseur Robert Rodriguez ist Mitte der 90er auf die Band aufmerksam geworden, als diese in einem kleinen Club in L.A. spielte. Sie waren also zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Nicht nur, dass man sich in Vampire verwandelte, die Band steuerte auch den Soundtrack zum Film bei. Seitdem ist "After Dark" untrennbar mit Tito & Tarantula verbunden und wird von den Fans vehement bei jedem Liveauftritt gefordert. Es wäre jedoch völlig verkehrt, die 'Taranteln' auf diesen einen Track zu reduzieren. Dazu sind ihre Songs viel zu komplex und abwechslungsreich. Das kann jeder, der so wie ich, fast alle Scheiben im Regal stehen hat, nur bestätigen, denn ihr Repertoire reicht vom knallenden Heavy Song über Punk, Blues bis hin zu Americana. Selbst für astreine Balladen hat Larriva ein Händchen, zu hören auf "Lost Tarantism" (2015). Live werden diese aber eher selten gespielt, Larriva und seine Truppe lassen es viel lieber ordentlich krachen.
Auf der Loreley:
Davon kann man sich nun auf diesem tollen, von MIG veröffentlichten Boxset ausgiebig überzeugen. Drei Konzerte sind auf den DVDs enthalten, zwei davon auf CD.
Zum einen finden wir den Rockpalast-Auftritt vom 21.06.1998 auf der Loreley dokumentiert. Es war das dritte Gastspiel der Band auf einer deutschen Bühne und ihr erster internationaler Erfolg. Damals noch mit dabei war Lyn Bertles, deren Violinen- und Mandolinenspiel den Songs ein gewisses Flair verpasste.
Tito & Tarantula promoteten ihr 1997 erschienenes Debüt-Album "Tarantism". Kein Wunder also, dass fast alle bei diesem Konzert gespielten Songs aus dieser Scheibe stammten. Lediglich "Angry Cockroaches" und "Flying In My Sleep" blieben außen vor, dafür waren "Ivy" und "She Chain" im Programm, zwei Songs, die auf keiner der folgenden Veröffentlichungen jemals als Track auftauchten. Eigentlich unverständlich, da gerade "She Chain" eine typische Larriva-Nummer ist und "Ivy" leicht psychedelische Anleihen hat, was ebenfalls nicht vom Stil der Band abweicht. Bertles Geigenspiel passt dazu noch, wie die berühmte Faust aufs Auge.
Wer das Debüt-Album kennt, weiß, dass sowohl "Back To The House" als auch "Sweet Cycle" oder das sehr bluesige Stück, "Strange Face", die absoluten Ohrwürmer auf der Scheibe sind. Gerade "Sweet Cycle", welches mit sanften Gitarren- und Percussionklängen beginnt, um im Laufe des Songs eine rhythmische Steigerung zu erfahren, konnte beim Publikum auf der Loreley punkten und gehört auch zu meinen Favoriten.
Schön auf der DVD zu sehen, wie die Newcomerband bei diesem Konzert die Herzen der Zuschauer mit ihrem musikalischen Mix, in welchem immermal wieder die mexikanischen Wurzeln durchklingen, im Sturm eroberte. Tito lockerte das Set mit kleinen Ansagen auf und auch das kam bei den Zuschauern gut an und als das Intro zu "After Dark" zu hören war, gab es sowieso kein Halten mehr.
Der Grundstein für kommende Großtaten war damit gelegt und so tourte man in den kommenden Jahren mit ständig wechselnder Bandbesetzung in schöner Regelmäßigkeit auf dem alten Kontinent.
Geschichten, die das Musikerleben schreibt:
Nicht auf CD, aber als Bonus auf DVD ist das Konzert von 2002 in Sarajevo zu sehen. Mittlerweile haben die 'Taranteln' neben dem erwähnten "Tarantism" weitere Scheiben veröffentlicht: "Hungry Sally & Other Killer Lullabies" (1999), "Little Bitch" (2000) und "Andalucia" (2002). So konnten sie aus einem größeren Fundus schöpfen. Das Konzert in Sarajevo sollte eins der ungewöhnlichsten für Tito und seine Truppe werden: Als Club-Show war dieses geplant, in diesen passten jedoch mal gerade 350 Zuschauer. Der Andrang war aber dermaßen groß, dass sich der Veranstalter gezwungen sah, den Gig kurzerhand auf die Straße zu verlegen. Zu dieser spontanen Open-Air-Show kamen ca. 5000 Menschen!
Das Set umfasste 18 Songs, die nicht nur "Andalucia" promoteten, sondern auch einen Querschnitt aus den letzten Veröffentlichungen bot. Dennoch spielte die Band allein acht Songs aus dem aktuellen und fünf aus dem Debütalbum sowie vier aus "Little Bitch". Warum der 1999er Silberling stark vernachlässigt und lediglich "German Fräulein" vorgetragen wurde, bleibt deren Geheimnis.
Harmonie in der Harmonie:
Am 24.10.2008 – Bonn, Harmonie: Tito & Tarantula waren nicht untätig und hatten zwischenzeitlich an "Back Into The Darkness" gearbeitet, welches ebenfalls 2008 erschien und wiederum eine Tour erforderlich machte. Was lag da näher, als im Rockpalast aufzutreten? Bei stimmungsvoll-schummriger Beleuchtung präsentierte die Band 15 Songs und auch bei diesem Gig zog man wieder sämtliche stilistischen Register: Ob Heavy-Rocker wie "In My Car" oder "End Of Everything" über Boogie-Knaller wie "Motorcycle Girl", Blues/BluesRock-Stücke wie "Strange Face" oder "Dust And Ashes" – übrigens immer mit geiler Wah Wah-Gitarre – oder auch mal Songs in ihrer Muttersprache ("La Flor De Mal", "Machete"), wer da nicht Gänsehaut bekam, war wirklich selbst schuld. Der Saal jedenfalls tobte. An dem schwer sägenden, funkensprühenden "Machete" fand übrigens Filmfreund Robert Rodrigez ("From Dusk Til Dawn") einige Zeit später wiederum Gefallen.
Larriva, der bei diesem Auftritt die Haare zu einem Zopf zusammengebunden hatte, gab alles und im Verlaufe des Sets – bei "La Flor De Mal" – floss nicht nur der Schweiß in Strömen, auch der Haarschopf war gewohnheitsmäßig wieder offen. Eine garantierte Augenweide für alle männlichen Anwesenden ist die, sehr souverän ihren Bass zupfende – Caroline Rippy, die gemeinsam mit Drummer Fredo Ortiz ein solides Grundgerüst für den hervorragenden Gitarristen Steven Hufsteter sowie Frontmann Tito Larriva legen.
Beim unvermeidlichen "After Dark" holte Larriva Leute aus dem Publikum (weiblich UND männlich!) auf die Bühne, was zwischenzeitlich zur Tradition geworden ist: »Es ist ein schöner Teil des Konzerts, denn so reißen wir die unsichtbare Mauer zwischen Künstler und Publikum ein.« Löbliche Einstellung.
Und auch bei dem folgenden, richtig schön nach vorn treibenden "Angry Cockroaches" vom Debütalbum merkt man den Spaß, den die komplette Band auf der Bühne hat. Am Ende fliegen die Finger regelrecht über die Instrumente, es wird improvisiert und der Moshpit muss aufpassen, sich nicht die Nackenmuskeln zu verrenken.
Zum Abschluss gab es noch eine fetzige Version des mexikanischen Volksliedes "La Bamba", welches 1958 von Ritchie Valens aufgegriffen und populär gemacht wurde. Da kam der Saal noch mal ordentlich ins Schwitzen.
Weiterhin auf der DVD enthalten ist ein kurzes, lustiges Interview mit deutschen Untertiteln sowie zwei Songs ("After Dark" und "Forever Forgotten & Unforgiven") vom Rockpalast-Auftritt 2005 auf dem Burg Herzberg Festival.
Der Sound ist sehr gut, die Bilder auf den DVDs gestochen scharf. Toll sind die Aufnahmen vom Auftritt auf der Loreley, wenn die Kameraführung ab und zu von der Band zum Rhein und Umgebung wechselt und so auch die wunderschöne Natur eingefangen wird.
Die Bühne der Bonner Harmonie ist gut ausgeleuchtet, so dass die Protagonisten gut zu erkennen.
Alles in allem eine rundum gelungene Box, an der die Fans von Tito & Tarantula sicherlich Gefallen finden werden.
Line-up Tito & Tarantula:
Rockpalast 2008:
Tito Larriva (vocals, guitar)
Steven Hufsteter (guitar, backing vocals)
Caroline Rippy (bass, backing vocals)
Fredo Ortiz (drums, backing vocals)
Burg Herzberg 2005:
Tito Larriva (vocals, guitar)
Steven Hufsteter (guitar, backing vocals)
Dominique Davalos (bass, backing vocals)
Fredo Ortiz (drums, backing vocals)
Rockpalast 1998:
Tito Larriva (vocals, guitar)
Peter Atanasoff (lead guitar, vocals)
Jennifer Condos (bass, vocals)
Lyn Bertles (violin, mandolin, recorder, harmonica, vocals)
Nick Vincent (drums, percussion, vocals)
Johnny 'Vatos' Hernandez (drums, percussion)
Sarajevo 2002:
Tito Larriva (vocals, guitar)
Steven Hufsteter (guitar, backing vocals)
Io Perry (bass, vocals)
Achim Färber (drums, backing vocals)
Tracklist "Live At Rockpalast":
DVD1/CD1 (Bonn, Harmonie 24.10.2008):
- Intro Rockpalast
- In My Car
- End Of Everything
- Motorcycle Girl
- Strange Face
- Clumsy Beautiful World
- Monsters
- Dust And Ashes
- La flor de mal
- Murder
- Machete
- After Dark
- Angry Cockroaches
- Come Out Clean
- La bamba
Bonus DVD only (Bonn, Harmonie 24.10.2008):
Interview
Burg Herzberg Festival 2005:
- After Dark
- Forever Forgotten & Unforgiven
DVD 2/CD 2 (Loreley 21.06.1998):
- Killing Just For Fun
- Smiling Karen
- Jupiter
- Back To The House
- Slippin' & Slidin'
- Sweet Cycle
- She Chain
- After Dark
- Ivy
- Strange Face
Bonus DVD only (Sarajevo 2002):
- Crime & Shame
- It’s My Mistake
- Hey Hey Hey Whada U Say
- Strange Face
- Goodbye Sadie
- Clumsy Beautiful World
- In Between
- Smiling Karen
- German Fräulein
- Effortless
- Back To The House
- You’re The One I Love
- Torn To Pieces
- Crack In The World
- After Dark
- Dead Person
- Missed Your Eyes
- Angry Cockroaches
Video Format : NTSC / DVD5
Audio Format : PCM Stereo
Picture Format : DVD1: 16:9, DVD 2: 4:3
Regionalcode = 0
Gesamtspielzeit: 69:13 (CD 1), 96:00 (DVD 1), 53:35 (CD 2), 132:00 (DVD 2), Erscheinungsjahr: 2017



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