Wie viele gute Dinge, stirbt der sogenannte Krautrock einfach nicht aus. Belassen wir es jetzt einfach mal bei dem (Über-) Begriff, der vom Rezensenten übrigens keinesfalls als Beleidigung oder Schimpfwort, sondern vielmehr als Gütesiegel gesehen wird. Selbst wenn sich viele Musiker bis heute nicht damit anfreunden können. Wobei dies ein Thema ist, über das man ausladend diskutieren oder auch seitenweise schreiben könnte.
Aber wie dem auch sei, Mitte Januar 2026 fand im Südwesten Deutschlands das 1. Ludwigshafener Krautrock-Festival mit den Bands Epitaph, Jane, Guru Guru und Kraan statt. Grund genug für die RockTimes-Redaktion, hier ebenfalls am Start zu sein. Sehr erfreut, aber auch überrascht stellte ich dabei fest, dass der Vorverkauf ganz prächig gelaufen war und als wir vor der Location, 'Das Haus' in Ludwigshafen ankamen, konnte man tatsächlich auf fast allen Fenstern und Türen nach außen hin Schilder mit dem Wort 'Ausverkauft' sehen. So einige Unerschütterliche mit den typischen Hinweis-Zetteln der Marke 'Suche Ticket' waren ebenfalls auszumachen und denkt man an die frostigen Temperaturen des 17. Januar, so war jedem zu wünschen, dass er ziemlich bald Erfolg haben würde.
Schwer zu schätzen, wie viele Besucher in 'Das Haus' passten, meine Schätzung liegt bei etwa 1000 bis 1500 und auch die Merchandiser hatten dick aufgefahren. Von T-Shirts über CDs bis hin zu Vinyl war alles vorhanden und dies obendrein zu fairen Preisen. Schließlich war es so weit und mit Epitaph betrat die erste Band des Abends die Bühne. Bei den ersten Tracks klang der Sound noch etwas dünn, was die Soundleute dann glücklicherweise immer besser in den Griff bekamen. Die Musiker, sprich die beiden Gründungsmitglieder Cliff Jackson (guitar, vocals) und Bernie Kolbe (bass, vocals), dazu der bereits seit der zweiten Hälfte der Siebziger in der Band spielende Gitarrist Heinz Glass und schließlich der den Altersdurchschnitt deutlich senkende
Drummer Carsten Steinkämper legten gleich kräftig los. Der Set bestand ein bisschen überraschend aus vielen neueren Tracks, darunter mehrere aus dem starken aktuellen Album Don’t Let The Gray Hair Fool You.
Nein, Epitaph wollen ganz sicher keine Nostalgie-Band sein und das müssen sie bei diesen starken neuen Songs auch überhaupt nicht. Heinz Glass brachte natürlich wieder seine Jimi Hendrix-Interpretation von "Villanova Junction" und legte im Verlauf der Show sogar ein paar Gesangs-Einlagen hin. Von den Klassikern kamen "Going To Chicago" sowie "Woman" (das zweitere vom Album Outside The Law) zum Einsatz. Vom Standpunkt des Rezensenten aus schien Cliff Jackson an diesem Spät-Nachmittag ein bisschen schwach bei Stimme zu sein, was aber möglicherweise an dem nicht ganz optimalen Sound lag.
Konnte man sich bis dahin noch relative frei im Publikum bewegen, wurde es anschließend bei Guru Guru immer enger und voller. Das Quartett um Mani Neumeier hatte aber auch einen sehr guten Tag erwischt und der Gig machte von vorne bis hinten riesigen Spaß. Egal, ob es Stücke wie "Space Baby", "Iddly Killer" oder "Ooga Booga" waren, sowohl das Publikum als auch die Musiker waren voll dabei. Selbstverständlich durfte auch "Living In The Woods", inklusive einem Percussion-Solo von Mani
vorne auf der Bühne mit seinem 'Arbeitsmaterial', nicht fehlen. Und was wäre ein Guru Guru-Konzert ohne den "Elektrolurch", wie immer klasse gespielt und vom Outfit her überzeugend dargestellt von Mr. Neumeier. Ebenfalls beobachten konnte man, dass dieser Auftritt wohl professionell gefilmt wurde, was auf eine Veröffentlichung auf DVD oder Blu-ray in naher Zukunft hoffen lässt.
Man hatte zwar manchmal so das Gefühl, als wäre die Gangart (gemeint ist tatsächlich das 'Gehen') von Mani Neumeier und Roland Schaeffer (der neben starken Gitarren- und Saxofon-Einlagen auch wieder sein Naraswaram am Start hatte) etwas … sagen wir mal 'vorsichtiger' geworden ist, aber auf die musikalische Klasse der beiden hatte das keinerlei Auswirkungen. Peter Kühmstedt wirkte mit seinem Bass wie immer wie ein Ruhepol, wie ein Fels in der Brandung fast in der Mitte der Bühne und übernahm auch einige Gesangs-Parts. Und schließlich war das mit Zeus B. Held das neueste Bandmitglied an den Keyboards dabei, was sich ebenfalls sehr positiv bemerkbar machte. Sehr cool, auch für Guru Guru alle Daumen nach oben.
Die personell größte Überraschung des Abends lieferte das eigentliche Quintett Jane, das an diesem Abend lediglich zu viert auf der Bühne stand. Der Gitarrist und Sänger Niklas Thurmann fehlte aus nicht bekannten Gründen. Was sich natürlich auch hier und da auf die Arrangements solch prächtiger Songs wie "Daytime", das Medley aus "Windows" und "Spain" oder Tracks ’neueren' Datums wie "Tommorow" oder "Fly Away" auswirkte. Der Gitarrist Klaus Walz hielt sich die meiste Zeit ganz auf der (von uns aus gesehen) rechten Seite der Bühne auf und überließ somit dem neuesten Bandmitglied Holli Coolyard am Bass und Gesang das meiste Rampenlicht. Und speziell in dem Wissen, dass es gar nicht so leicht ist, einen Mann wie Charly Maucher (R.I.P.) zu ersetzen,
machte der gute Holli seine Sache sehr stark. Walz spielte sehr gut, wobei der Keyboarder Corvin Bahn die meisten Soli des nicht anwesenden Thurmann übernahm.
Ach ja, ein weiteres erstes mal war für den Rezensenten, dass der Schlagzeuger Achim Wielert bei einem Track die Lead Vocals übernahm. Bärenstark, dass Jane wieder die komplette erste LP-Seite des Albums "Fire, Water, Earth & Air" (1975) brachten und als letzter Song vor der Zugabe durfte natürlich nichts anderes als "Hangman" kommen. Die lautstark geforderte Zugabe stellte sich dann erwartungsgemäß als "Here We Are" heraus, mit dem die Show auf einem sehr hohen Niveau beendet wurde. Jane live auf der Bühne zu erleben bedeutet auch heute immer noch, einen richtig tollen Abend zu erleben!
Wow, das war nach drei Bands schon eine mächtige und mitreißende Packung Krautrock gewesen, aber wer jetzt denkt, dass da irgendjemand nach Hause ging, der täuscht sich gewaltig. Denn schließlich kamen da auch noch Kraan auf die Bühne und legten eine powervolle Show hin. Rein körperlich machte die Band aus Ulm tatsächlich den fittesten Eindruck und auch spielerisch wurde natürlich das volle Brett aufgefahren. Alte wie neue Songs standen auf der Setlist und Hellmut Hattler kündigte
auch stolz das nächste Studioalbum für März 2026 an. Immer noch bärenstark, was Peter Wolbrandt, Jan-Friede und Hattler da abziehen. Mit dabei war auch ein Keyboarder, dessen Name ich bei der Band-Vorstellung leider nicht verstanden habe. Die Vermutung liegt natürlich nahe, dass es sich dabei um Martin Kasper handelte, der auch auf dem letzten Studioalbum Zoup zu hören war, bestätigt werden kann das an dieser Stelle allerdings nicht. Kraan hinterließen also ebenfalls viele glückliche Fans und ließen sich auch hinsichtlich der Spielzeit nicht lumpen.
An dieser Stelle ein ganz großes, dickes und fettes 'Danke' an die Foto-Fee Nadja, die unsere für den Südwesten zuständige Stamm-Fotografin Sabine (die leider absagen musste) an diesem Abend hervorragend ersetzt hat.
Letzten Endes ein rundum gelungener Abend, dem ganz offensichtlich – wenn man den an den Wänden aufgehängten Zetteln glauben darf – eine Fortsetzung vergönnt ist. Das zweite Festival soll am 30. Januar 2027 – vermutlich an gleicher Stelle – stattfinden, teilnehmende Bands wurden noch nicht genannt. Der einzige Kritikpunkt an diesem tollen Abend ist der Getränkestand. Genau, es gab nämlich nur einen für die vielen durstigen Kehlen, was zu einer Riesenschlange davor führte. Hätte man sich zu Beginn einer der vier Auftritte dort angestellt, wäre die Show wahrscheinlich schon wieder vorbei gewesen, wenn man dann endlich mit seiner Cola oder seinem Bier zurück in der Halle war. Aber gut, die große Chance von Fehlern ist ja immer auch, dass man daraus lernen und es beim nächsten mal besser machen kann. Davon abgesehen ein supertoller Abend und die RockTimes-Redaktion wird im nächsten Jahr – sollte keine höhere Gewalt dazwischen kommen – ganz sicher wieder dabei sein!
Bildnachweis für alle Bilder des Events: © 2026 | Nadja Feickert | RockTimes





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