Es ist noch gar nicht so lange her, da durften wir euch das brandaktuelle Buch Colours & Sounds des Malers und Buch-Autoren Helmut Wenske vorstellen, der einen Teil seiner Bücher auch unter dem Pseudonym Chris Hyde veröffentlicht hat. Erstmals 2018 erschienen, ist das mir nun vorliegende Vorgänger-Werk "Black Eyes" ebenfalls wieder zu haben. Und wenn ich schon im vorgenannten Review von Überraschungen schrieb, so hat mich der gute Helmut erneut kalt erwischt. Der Untertitel verrät es bereits, es geht um die sogenannten Indonesier-Bands, die etwa von Ende der fünfziger bis Mitte der sechziger Jahre aktiv waren bzw. ihre erfolgreichsten Jahre hatten.
'Kalt erwischt', da mir diese Szene bis zum Erhalt des Buches völlig unbekannt war. Das Licht der Welt hatte ich zur Blütezeit dieser Bands zwar noch gar nicht erblickt, aber das gilt für die frühen Jahre der Stones, Beatles, Kinks und wie sie alle heißen, ebenso. Aber wie dem auch sei: Nachdem es in Indonesien aus politischen Gründen eine große Ausreisewelle gegeben hatte, landeten viele der eine neue Heimat suchenden Menschen in den Niederlanden. Dort entstanden einige Bands, die in den frühen Sechzigern dann auch nach Deutschland kamen, um in den Ami-Schuppen Nacht für Nacht auf der Bühne zu stehen und die Songs der Charts mit teilweise spektakulären Show-Einlagen zum Besten zu geben.
Die Geschichten dieser Bands werden in "Black Eyes" noch einmal erzählt und dazu mit vielen authentischen Fotos untermalt. Die einigen Zeitzeugen zufolge beste Combo waren The Tielman Brothers, aber direkt hinten dran kamen unter anderem The Black Dynamites, The Javalins, The Black Magic oder auch The Crazy Rockers. Und diese Jungs hatten es offensichtlich richtig drauf, was man nicht nur diesem Buch, sondern beispielsweise auch auf Film festgehaltenen Dokumentationen wie etwa "Rockin' Ramona" entnehmen kann. Bei den Musikern handelte es sich übrigens nicht ausschließlich um Indonesier, da hatte sich durchaus auch mal der ein oder andere Holländer eingeschmuggelt, wenn Not am Mann war.
Klasse an dem Buch ist, dass es noch mal an eine Szene erinnert, die es in Deutschland tatsächlich nur für etwa eine Handvoll Jahre gab, bevor die Beat Music den Rock’n’Roll ablöste und die Clubbesitzer immer mehr englische Bands buchten, was schließlich zum Ende der großen Zeit des Indo Rocks führte. Am allerbesten ist jedoch, dass hier keine akademische Aufarbeitung der damaligen Zeit erfolgt. Vielmehr erzählt Wenske/Hyde diese Geschichten aus dem Bauch heraus, so wie er sie seinerzeit erlebt hat. Wie von ihm gewohnt mit allem drum herum, was auch die manchmal nicht so schönen Situationen beinhaltet, zu denen es damals natürlich auch schon kommen konnte. Dies führt dann zu einem großen und kurzweiligen Lesespaß und ehe man sich versieht, hat man die knapp 300 Seiten schon durch.
Der Grund, warum diese Bands bei der breiten Masse so in Vergessenheit geraten sind ist wohl in erster Linie der, dass sie keine eigenen Songs schrieben. Wie bereits erwähnt, wurden die aktuellen Charts mit viel Können und spektakulären Show-Einlagen rauf und runter gecovert. Es gab durchaus auch Plattenveröffentlichungen, auf denen sich jedoch zum Einen ebenfalls Covers befanden, die zum Zweiten dann von den Labels bzw. Produzenten so 'glattgebügelt' wurden, dass man die Bands im Vergleich zu ihren wilden Auftritten auf der Bühne kaum wieder erkannte. Die meisten Musiker hörten natürlich nie wirklich auf zu spielen, mussten sich aber ab etwa Mitte der Sechziger andere Märkte erschließen.
Auch auf die Gefahr hin mich zu wiederholen: "Black Eyes – Indonesier-Bands in Germany" von Helmut Wenske/Chris Hyde macht großen Spaß und versetzt den Leser noch einmal in ein lange vergangenes Jahrzehnt zurück, in dem so einiges noch ganz anders lief, als das heutzutage der Fall ist. Das Ganze gibt es natürlich auch als E-Book. Dicke Empfehlung!
Hirnkost Verlag, 1. Edition
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3945398665
ISBN-13: 978-3945398661
Preis: 20,00 € (D)
293 Seiten, Hardcover



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