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The Rolling Stones / Foreign Tongues – CD-Review

The Rolling Stones - "Foreign Tongues" - CD-Review

Ach, das war ja ein Klacks! Nur etwa drei Jahre nach Hackney Diamonds schieben die Rolling Stones mit "Foreign Tongues" bereits ein Nachfolge-Album hinterher. Davor hatte es (lassen wir "Blue And Lonesome" mal außen vor) immerhin knapp zwanzig Jahre gedauert, bis die Kollegen Jagger, Richards und Wood (plus Begleitmusiker) mit einer neuen Scheibe um die Ecke kamen. Jetzt also 14 neue Tracks, von denen ein paar auch noch von den Sessions zur letzten Scheibe stammen, seinerzeit aber nicht ins Konzept passten. So ist auch auf dieser Platte Sir Paul McCartney nochmal bei einem Track ("Covered In You") dabei und auch der unvergessene Charlie Watts ist auf "Hit Me In The Head" mit einer seiner letzten Aufnahmen zu hören. Das Stamm-Team besteht außerdem weiterhin aus Bassist Darryl Jones und Schlagzeuger Steve Jordan, während neben einigen anderen Gästen der Ex-Spencer Davis Group– und Traffic-Musiker Steve Winwood auf erstaunlich vielen Tracks mit am Start ist.

Wenn er sich auf einem sehr bekannten Internet-Portal mal so durchklickt, wachsen dem Rezensenten geradezu Pickel, wie oft und hartnäckig darüber diskutiert wird, wie schlecht das Album-Cover sei. Alles klar, Freunde, ist ja auch das Wichtigste überhaupt! Mal ganz davon abgesehen, dass dass Cover wesentlich besser als beim Vorgänger ist, passt es doch zur Band wie eine Eins.

Und die Songs? Es mag das Phänomen des 'Neuen' sein, aber nach einer Woche des Anhörens mit insgesamt etwa 25 Durchläufen gefällt dem Rezensenten die Scheibe sogar besser als "Hackney Diamonds". Und das liegt vor allem an der Tatsache, dass sich die neuen Tracks deutlich lockerer und spontaner anhören, als beim – mit kritischen Augen gesehen – etwas konstruiert wirkenden Vorgänger. Der Opener "Rough And Twisted" beispielsweise ist ein heiß kochender Blues-Rocker mit jeder Menge Dreck unter den Fingernägeln, während es sich bei "Divine Intervention" schlicht um den besten Rock-Song handelt, den die Band seit langem abgeliefert hat. Einige der Stücke (beispielsweise "Back In Your Life") erinnern auch an die Phase der Band in den neunziger Jahren, was jedoch überhaupt nicht stört. Apropos "Back In Your Life": Als kleine Randnotiz sei an dieser Stelle nur mal erwähnt, dass Jagger in dieser Nummer erstmals überhaupt auf einem Studioalbum den guten Ronnie Wood direkt anspricht (»C’mon, Ronnie!«) und ihn zum Solo auffordert.

Um die den Rezensenten wenigen störenden Punkte mal aus dem Weg zu bekommen: Es gibt da zwei Tracks, die musikalisch die Klasse absolut halten, mir die Freude daran aber durch den Gesang etwas versauern. Der Refrain von "Mr. Charm" geht mir überhaupt nicht rein und weckt umgehend Assoziationen zu diesem Pop-Song "Mr. Vain". Außerdem ist mir der Refrain von "Never Wanna Lose You" – obwohl eigentlich richtig klasse – im Kontext mit der Musik ein Stück zu poppig. Abschließend sei noch die Frage in den Raum gestellt, warum der Produzent Andrew Watt bei fast jedem Track noch seine Gitarrenspuren addieren musste? Lassen wir mal dahin gestellt, ob hier tatsächlich irgendwelche Lücken gefüllt werden mussten, oder vielleicht doch ein Stück fehlgeleiteter Selbstdarstellung mit im Spiel war. Okay, erstmal abgehakt, denn die Songs an sich sind klasse, strotzen vor Power, starken Melodien und Spielfreude. Mit "Ringing Hollow" ist auch wieder ein Country-Stück vertreten, in dem sich Jagger durchaus kritisch mit den aktuellen politischen Zuständen in den von ihm eigentlich immer geliebten USA auseinandersetzt. Das Land ist die eine, seine Politiker die andere Seite.

Zwei Coversongs haben es ebenfalls auf die Platte geschafft. Wie schon bei "Hackney…" wird auch die neue Scheibe mit einem Stück im Demo-Sound, hier "Beautiful Delilah" von Chuck Berry, beschlossen. Überraschender kommt da schon die Version des Amy Winehouse-Songs "You Know I’m No Good", der hier nicht allzu weit weg vom Original und dennoch sehr Stones-typisch zelebriert wird. Eine coole Ehrerweisung an die viel zu früh verstorbene Sängerin. Keith Richards hat für sein "Some Of Us" die Lead Vocals übernommen und liefert damit seinen besten Track seit den Stücken auf "Bridges To Babylon" ab. Dass er keine Rocker mehr singen kann/will, war vorher schon klar, diese Nummer überzeugt jedoch durch starkes Songwriting. "Hit Me In The Head" mit Charlie Watts an den Drums ist auch nochmal ein fetter Rocker, als Song an sich aber nicht ganz so stark wie "Divine Intervention".

Ohne auf jeden einzelnen Track eingehen zu wollen, haben die Rolling Stones mit "Foreign Tongues" auf jeden Fall ihr nächstes bärenstarkes Rock-Album vorgelegt. Unbestritten ist, dass Meisterwerke wie "Beggars Banquet", Let It Bleed, Sticky Fingers und Exile On Main Street selbst von den Stones nie wieder erreicht werden können, aber ich orakele jetzt einfach mal, dass dieses neue Album einen deutlich höheren Langzeitwert als beispielsweise die Achtziger-Alben "Undercover" und "Dirty Work" erreichen wird. Aber das kann wie immer nur die Zeit zeigen. Für "Foreign Tongues" gilt jedenfalls: Wer in diesem hohen Alter noch ein qualitativ so bärenstarkes Album abliefern kann, vor dem kann man nur den Hut ziehen.


Line-up The Rolling Stones:

Mick Jagger (guitars, percussion, harmonica, lead vocals)
Keith Richards (guitars, piano, lead vocals – #10)
Ron Wood (guitars, bass, background vocals)

With:
Steve Jordan (drums & percussion)
Charlie Watts (drums – #8)
Chad Smith (bass drum – #14)
Darryl Jones (bass – #3-7,9,10,12,13)
Matt Clifford (piano, organ, synthesizers)
Andrew Watt (electric guitars, bass – #8, keybaords, synthesizers, piano, background vocals)
Paul McCartney (bass – #11)
Benmont Tench (organ – #2,10)
Steve Winwood (organ, Rhodes – #3-7,9,10,12,13)
Ben Waters (piano – #1)
Robert Smith (guitar – #5, synthesizer & background vocals – #7)
James King (tenor saxophone – #1,5,9,13, baritone saxophone – #5,9,13)
Ron Blake (trumpet – #5,9,13)
Bruno Mars (cowbell – #7)
Naarai (background vocals – #4,13)
Porcha Clay (background vocals – #13)

Tracklist "Foreign Tongues":

  1. Rough And Twisted
  2. In The Stars
  3. Jealous Lover
  4. Mr. Charm
  5. Divine Intervention
  6. Ringing Hollow
  7. Never Wanna Lose You
  8. Hit Me In The Head
  9. You Know I’m No Good
  10. Some Of Us
  11. Covered In You
  12. Side Effects
  13. Back In You Life
  14. Beautiful Delilah

Gesamtspielzeit: 62:14, Erscheinungsjahr: 2026

Über den Autor

Markus Kerren

Hauptgenres: Roots Rock, Classic Rock, Country Rock, Americana, Heavy Rock, Singer/Songwriter
Über mich
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Mail: markus(at)rocktimes.de

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