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Lindsay Anderson / Forgiving – CD-Review

Lindsay Anderson / Forgiving – CD-Review

Bei Lindsay Anderson handelt es sich um eine Künstlerin aus Evanston, Illinois. Hauptsächlich bedient sie verschiedene Tasteninstrumente, die sie hier auch vielfältig auf ihrer aktuellen Produktion "Forgiving" einsetzt. Kennern und Liebhabern der Szene um das Genre Art Rock oder Indie Rock sollte sie als Mitbegründerin der Dream Pop/Indie Pop-Band L’Altra bekannt sein. Mit dieser Formation veröffentlichte sie mehrere Alben seit Ende der neunziger Jahre. Auch im Duoformat ist sie aktiv, unter dem Namen Same Waves.

Dieser Hang zu verträumten Sounds setzt sich auch fort mit dieser Produktion, so schwebt die Musik oft sphärisch wirkend durch den Raum und wird weitestgehend von dieser zurückhaltenden ruhigen Stimmung bestimmt. Bei "Forgiving" soll es sich um ein Konzeptalbum handeln, das neben eigenen persönlichen Einflüssen und Themen die Geschichte der surrealistischen Künstlerin Leonora Carrington behandeln soll – und einem ihrer Bücher, "Down Below". Auch war der Maler Max Ernst angeblich eine Inspirationsquelle.

Sehr zurückhaltend startet es dann auch mit "Last Show", so scheint der Gesang aus dem Hintergrund zu erklingen, und im Verlauf der Platte bleibt er auch relativ hintergründig, mitunter mehr flüsternd als kraftvoll singend. So könnte man sicher anhand der Atmosphäre der zwölf Songs verschiedene Assoziationen hervorheben. Eine gewisse Art von Romantik mag darunter sein, aber auch eine Art Gelassenheit, bis hin zu ausgedrückten Gefühlen, die nach Langeweile klingen, und letztlich unterschiedlich geprägte Emotionen ausdrücken.

Ungewöhnlich und inmitten dieser recht gleichförmigen Stimmung ist es dann schon ein wenig erfrischend, auf "Transmitted To The Underworld" einen Tick Lebhaftigkeit und Lebendigkeit festzustellen, wenn Gitarrist Wesley Reno rhythmisch als auch solistisch ein wenig Gypsy Feeling einzubringen vermag, ja, hier swingt es gar, aber die Protagonistin greift das nicht unbedingt auf und bleibt bei ihrer lasziven Gesangsgestaltung, allerdings hier mit einem Tick größerer emotionaler Ausstrahlung.

"Recollections" ist dann wieder vom Sound des Synthies geprägt. Wie wattige Wolken schweben die Töne durch den Raum, ja, so mag er wohl klingen, moderner Dream Pop mit vielleicht dezent barockem Anstrich. Letztlich, so stelle ich fest, durchzieht eine relativ gleichbleibende Stimmung die ganze Produktion. Irgendwie greifbar erscheint mir das Ganze wenig, es mag dahingestellt sein, ob Lindsay Anderson damit persönliche Interessen und Empfindungen versucht hat umzusetzen und zu verarbeiten. Doch fehlen mir persönlich Tür und Tor dazu, in diesen intimen Kosmos vorzudringen, gleichwohl das Ergebnis von "Forgiving" sicher kein schlechtes ist, doch klingt es in seiner Gesamtheit sehr nach innen gekehrt und auf gewisse Weise mystisch. Ausnahmen bilden zum Beispiel das oben erwähnte "Transmitted To The Underworld" oder "Down Below", das ein wenig aus sich heraus kommt, wenn sich eine rockende Gitarre 'einmischt' und den Song dezent aufhellt.


Line-up Lindsay Anderson:

Lindsay Anderson (vocals, piano, Wurlitzer, Rhodes, Nord, synths, flute)
Wesley Reno (bass, guitar, organ, mandolin)
Jim Gifford (drums, hand drums, percussion)
Chris Poland (electric guitar – #7)
Nick Macri (acoustic bass – #5)
Rick Embach (vibraphone – #3)
John Hughes (programming)

Tracklist "Forgiving":

  1. Last Show
  2. The Wolf
  3. AWOL
  4. Transmitted To The Underworld
  5. Recollections
  6. No Place For Me
  7. Down Below
  8. Map Room
  9. Less Scared
  10. Release Me
  11. Narcissus
  12. Wild Love

Gesamtspielzeit: 50:19, Erscheinungsjahr: 2025

Über den Autor

Wolfgang Giese

Hauptgenres: Jazz, Blues, Country
Über mich: Althippie, vom Zahn der Zeit geprägt, offen für ALLE Musikstile
Meine Seite im Archiv

Mail: wolfgang(at)rocktimes.de

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