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Mikromoon / The Nearest Distance – CD-Review

Mikromoon / The Nearest Distance - CD-Review

Die Band kommt aus Saarbrücken und ist seit 2022 als Mikromoon unterwegs. Davor waren die Fünf in verschiedenen Bands aktiv, sind also keine Neulinge. Nun ist mit vorliegendem Album ihr Debüt beim saarländischen Label Barhill Records erschienen. Sind die ersten beiden Nummern etwas gewöhnungsbedürftig, so ist der pfälzische Rezensent spätestens ab "Fields" in den Fängen der saarländischen Nachbarn. Gewöhnungsbedürftig heißt nicht schlecht, aber wenn im Promoschreiben auf Patti Smith verwiesen wird, hat man eine andere Stimme als die von Frau Casalino und stilistisch auch eine andere Musik erwartet. Erst mal. Denn erwähntes "Fields" präsentiert sich musikalisch und auch gesanglich ganz klasse. Neben Annina Casalino steht nun auch Christian Teichfischer am Micro und die Musik kommt lecker daher, wenn mir die Elektronik hier auch etwas unpassend erscheint.

Stilistisch wird eine Mischung aus Indie Rock, Wave, Post Punk, Folk, Trip Hop, Grunge und Pop avisiert. Hoppla, und eine Prise Psychedelic. Viele Zutaten, zu viele? Wenn man sich auf die Musik einlässt, die Schubladen geschlossen hält und sich durch die acht Lieder hört, so findet man ein paar Perlen. "Favourite Narrative" etwa, mit diesem quirligen Refrain und dieser nicht langweiligen Mischung aus Indie Pop und eigentlich auch Radiotauglichkeit der angenehmeren Sorte. Auch das nachfolgende "Pale" kommt gut, leicht treibend und Annina setzt hier die Stimme super ein, dazu schrammt die Indie-Gitarre leicht düster durch das Dickicht. Mit fast acht Minuten ist "Coming Home" der Longtrack und startet auch so: Ruhig und toll choreografiert, weil man weiß, man hat genug Zeit das Stück aufzubauen. Gesanglich sind Annina und Christian nun so eingesungen, wie ich sie sehr gerne auf dem kompletten Album hätte. Das Gitarrenspiel erzeugt Gänsehaut und dieser Track hat die in Aussicht gestellte Prise Psychedelic. Eine gute Prise.

Nun sind wir musikalisch dort, wo die Band wahrscheinlich hinwill. Einen Gegenpol zur momentanen Weltlage setzten. Die Weltlage lasse ich mal außen vor, denn um darüber nachzudenken fehlt mir gerade die Zeit, wenngleich der melancholische Touch des Liedes eigentlich dazu einlädt. Die beiden Stimmen und die saustarke Gitarre setzen enorme Duftmarken. Ganz anders das poppige "Project Dada". Dieser Song perlt schneller und moderner aus den Boxen. Das ist nicht übel, aber wenn wir schon im Saarland sind: mir sind die traditionellen Zutaten näher als moderner Indiepop, wie gut der auch immer ist. Im Klartext: Lieber Schwenker als Linsenburger. Nicht falsch verstehen: ich liebe Linsen, aber nicht auf dem Schwenker – und mit Essig.

Mikromoon sind gut, wenn ich die Frau Smith auch nicht höre (vielleicht etwas in "My New Shirt"), aber dieses Kleid müssen und sollen sich die Saarbrücker auch nicht anziehen. Die Mischung aus Pop und Rock mit leichten Ausflügen in andere Gefilde taugt für eine anständige Debütscheibe.

Wenn ich mir etwas wünschen würde, wäre das eine Fokussierung in Richtung "Coming Home". Die Gitarre kann was und dieser Stil passt auch eine Spur besser zu den Vocals. Nun, das denkt der Schwenker-Liebhaber. Aber es gibt ja auch Lyoner und Dibbelabbes bei den Nachbarn. Von den leckeren Tropfen im wohl berühmtesten Würzfläschchen ganz zu schweigen.

Ich bin noch nicht fertig und komme wieder auf den letzten Track. Was Patti angeht, so trifft das auf den ersten Teil des Stückes zu, denn im Gegenteil zu den angegebenen 3:44 Minuten in der Info, läuft die Nummer weiter. Und zwar zwölfeinhalb Minuten, was bedeutet, dass "Coming Home" nicht der längste Track ist. Nach den etwa vier Minuten im Patti-Shirt gibt es einen kompletten Stilwechsel; hin zu eher ruhigen Tunes und männlichen Vocals. Nach etwa Minute Siebeneinhalb 'ertönt' eine kurze Stille und mit dem geilen Euphonium-Spiel auch wieder ein Richtungswechsel. Und zwar einer, der richtig Spaß macht. Was den Text angeht, so möchte man meinen, es handelt sich um eine andere Nummer. Eigentlich ein Hidden Track, aber der Anzeiger im Player bleibt die ganzen 12 1/2 Minuten auf der 8.

Erscheinen wird das Album digital und auf grünem Vinyl.


Line-up Mikromoon:

Annina Casalino (vocals, guitar, energy)
Christian Teichfischer  (guitar vocals, euphonium, gravity)
Widu Wittekindt (keyboard, electronics, horizon)
Karin Schmitz (bass, vocals, base)
Ralf Leis (drums, rhythm clockwork)

Tracklist "The Nearest Distance":

  1. Screwdriver
  2. The Nearest Distance
  3. Fields
  4. Favourite Narrative
  5. Pale
  6. Coming Home
  7. Project Dada
  8. My New Shirt

Gesamtspielzeit: 49:25, Erscheinungsjahr: 2026

Über den Autor

Ulli Heiser

Hauptgenres: Mittlerweile alles, was mich anspricht
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