"Mirage" ist das dritte Album der Freiburger Band Sound Of Smoke, die – man mag es kaum glauben – laut Auskunft des Labels Tonzonen Records mit Metal und Hard Rock begonnen hat. Wenn man aber eine Sängerin wie Isabelle Bapté im Bandgefüge hat, eine Sängerin, die mit einer souligen Stimme dermaßen gesegnet ist, ja dann muss es in eine andere Richtung gehen. Und es ging in eine andere Richtung.
Nun ist der Gesang das eine, das andere ist, ihn instrumental adäquat zu begleiten. Jens Stöver ist dazu der perfekte Mann an den dünnen Saiten. Und er hat so einige Spieltechniken in petto, was auch sein muss, denn stilistisch sind die Schwarzwälder nicht nur auf einer Hochzeit zu Gast. Florian Kiefer bedient die dicken Saiten und auch für die Tasten zeichnet er verantwortlich. Zusammen mit dem Fellgerber Johannes Braunstein steht Gesang und Gitarre eine sehr gut geölte Rhythmusmaschinerie zur Seite und man kann durchaus sagen, dass keine der vier Säulen bloßes Beiwerk ist, denn nur zusammen kann man das Ergebnis aus psychedelischem Blues Rock, stonigem Kraut, leichter NDW mit psychedelischem Touch und einigen Schlenkern auf dieser Straße so zementieren.
Und gleich der Opener "Dancing Like Smoke" lässt aufhorchen. Kristallklar die Stimme Isabelles und dazu dieser wabernde psychedelische Stonergeschmack. Wenn Gitarre und Bass beginnen, äußerst angenehm an Iommi und Butler zu erinnern, ist das großes Doom-Kino. Und Frau Bapté lässt an eine meiner Fav.Stimmen denken: Jennifer Kowa. Ein wunderbarer Einstieg.
Ein kleiner Bruch kommt mit "Röntgenstrahlen", dem Track, der wie "Zweierlei" in deutscher Sprache vorgetragen wird. Zum schönen Wah Wah-Galopp gibt es einen NDW-Touch und nun wurde aus Frau Kowa eine Nena. Irgendwie hat auch dieses Stück was, denn das an die Neue Deutsche Welle Gemahnende ist von der besseren Sorte und im Kontext mit dem psychedelischen Umfeld geht das auch gut ins Ohr. "Zweierlei", ebenfalls in deutsche Sprache hat weniger von der NDW und wenn nach dem Gesang der instrumentale Part in allerbester Indie-Stoner-Psychedelic durch den Raum schwebt, frage ich mich, ob der Gesangsspart überhaupt sein musste. Da "Mirage" meine erste Begegnung mit Sound Of Smoke ist, kann ich zudem nicht sagen, ob es diese Konstellationen schon früher gab. Als quasi Hidden Tune blubbert nach einer kurzen Pause noch etwas Elektronik aus den Membranen.
"Endless Night" zieht karawanengleich in den Orient. Sirenenhafte Vocals zu tribaler Rhythmik, eine Flöte betört und geschickte Dramaturgie fasziniert den Hörer, der auch vom Folgestück "Fata Morgana" begeistert ist, welches durch Stimmung und vor allem durch den Gitarrensound an Chris Issak und Tito Larriva erinnert. Der nächste Hammer hört auf den Namen "New Direction", lässt wieder an Issak, aber auch an Hern Cooder denken. Desert Fok, die Stimmbänder schwingen irgendwo in der Nähe von Inga und wenn als dann plötzlich die "(Ghost) Riders In Ihe Sky" vorbeireiten, muss man ob dieser Stilvielfalt den Stetson ziehen. Zumal "Wicked Games" einen Duft alten Blues Rock-Krauts verströmt, welcher durch eine Stoner-Pfeife in wohldosiertem Tempo durch die Luft mäandert. Mit "Lush" präsentieren uns die Freiburger etwas Sechziger Jahre Psychedelic-Beat, während "San Junipero" schwer über den Boden des Doom-Kellers schwebt. Dazu die stellenweise hochfrequenten weiblichen Vocals ….
An manchen Stellen des Albums habe ich mich gefragt, ob es nicht sinnvoller wäre, sich auf diesen oder jenen Stil zu fokussieren. Aber nach mehrmaligem Hören bis ich mir sicher, dass genau diese Stilvielfalt das gewisse Extra hat, um aufzufallen. Positiv aufzufallen, wohlgemerkt. Vielleicht die deutschen Texte lassen, oder aber lyricmäßig bisschen in die Polis-Richtung gehen. Aber eigentlich ist das egal; Hauptsache, es gibt einen Nachfolger zu "Mirage".
Line-up Sound Of Smoke:
Isabelle Bapté (vocals, flute, keyboards, synthesizers)
Jens Stöver (lead, rhythm, slide & acoustic guitar)
Florian Kiefer (bass guitar, keyboards, synthesizers)
Johannes Braunstein (drums, percussion)
Tracklist "Mirage":
- Dancing Like Smoke
- Röntgenstrahlen
- Endless Night
- Fata Morgana
- New Direction
- Wicked Games
- Lush
- San Junipero
- Zweierlei
Gesamtspielzeit: 44:21 , Erscheinungsjahr: 2026
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