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The Black Crowes / A Pound Of Feathers – CD-Review

The Black Crowes - "A Pound Of Feathers" - CD-Review

Die Freude in der Fan-Gemeinde war groß, als die Black Crowes vor einigen Jahren wieder zusammenkamen. Eine Reunion war dies allerdings aus zwei Gründen nicht. Zum einen hatte sich die Band ja nie offiziell aufgelöst, sondern nur eine auf unbestimmte Länge festgelegte Auszeit genommen und zum zweiten war es so, dass außer Chris und Rich Robinson keines der vorherigen Bandmitglieder mehr dabei war. Was unter anderem auch daran gelegen haben mag, dass der sogenannte dritte – natürlich inoffizielle – Robinson-Bruder Steve Gorman in seinem ein paar Jahre vorher erschienenen Buch "Hard To Handle" so einiges aus seiner Zeit mit der Band ausgeplaudert hatte, was die guten Chris und Rich mit Sicherheit nicht wirklich prickelnd fanden. Auf dem sehr starken Album Happiness Bastards und der der Scheibe folgenden Tour war dann mit Sven Pipien plötzlich doch eine Krähe (von ein paar Unterbrechungen abgesehen von ca. 1997 bis 2015) mit am Start.

Nach Ende einer langen Tour bzw. einer Tour-Pause gingen die Crowes dann in den ersten Monaten des Jahres 2024 wieder ins Studio, um eine neue Platte aufzunehmen. Liest man sich das Line-up auf dem CD-Inlet durch, wird aber eines ganz schnell klar: Die Black Crowes bestehen mittlerweile lediglich noch aus den beiden Robinson-Brüdern mit angeheuerten Musikern. Der oben erwähnte Sven Pipien ist auf der neuen Platte nicht mehr dabei und von dem letzten Album hat es mit dem Keyboarder Erik Deutsch lediglich noch ein Musiker geschafft, an Bord zu bleiben. Rich Robinson hat neben sämtlichen Gitarren-Spuren auch den Bass übernommen, die Drums wurden von Cully Symington eingespielt und selbst die Background-Sängerinnen sind andere. Ein weiterer wichtiger Fakt, um dieses neue Album "A Pound Of Feathers" so nehmen und verstehen zu können, wie es von den beiden Masterminds gemeint war: Nach eigener Aussage wurde vollkommen unvorbereitet und spontan für lediglich zehn Tage ein Studio in Nashville gebucht. Und um nochmal das Wort ’spontan' zu verwenden, wollten es die Robinsons wie ganz zu Anfang ihrer Karriere machen und das Vorhaben per Brainstorming sowie vom Fleck weg über die Bühne bringen.

Man darf natürlich davon ausgehen, dass die eine oder andere Grund-Idee schon vorhanden war und natürlich sind diese Musiker so gut, dass hier keine 'Kraut-und-Rüben-Platte' entstanden ist. Dennoch merkt man der Scheibe fast durchgehend an, dass ausgefeilte Arrangements und langfristig ausgearbeitetes Songwriting nicht an erster Stelle der Agenda standen. Vielmehr ist auf diesen elf Nummern so dermaßen viel Adrenalin und Power drin, dass dem Hörer Tracks wie die eröffnenden "Prophane Prophecy" sowie "Cruel Streak" aus den Boxen fast ins Gesicht springen, ihn erst mal ganz kräftig durchrütteln und -schütteln und somit von Anfang an klar machen, dass die Zeichen auf Angriff stehen. Mit "Pharmacy Chronicles" wird es erstmals etwas ruhiger und diese Nummer darf bereits jetzt als Klassiker im Backkatalog der Amerikaner eingeordnet werden. Bei "Do The Parasite" wird der Motor aber umgehend wieder zwei Gänge höher geschaltet.

Bei den weiteren Rockern der Platte handelt es sich um die zweite Single-Auskopplung "It’s Like That", das durch die Streicher etwas von Led Zeppelin inspirierte "Blood Red Regrets" und auch das fetzige "Do You Call This A Good Time?", während es bei "Eros Blues" sowie dem sehr atmosphärischen "Doomsday Doggerel" deutlich bluesiger wird. Die beiden weiteren Stücke "High And Lonesome" und vor allem "Queen Of The B-Sides" glänzen dann wieder durch bärenstarkes Songwriting sowie Chris Robinsons einzigartigen Gesang.

"A Pound Of Feathers" klingt anders als alle bisherigen Black Crowes-Scheiben, ist jedoch ein starkes Album und die Band hat genau das auf die Matte gebracht, was die Robinson-Brüdern dafür im Sinn hatten. Auf welchem Platz sich die Platte im Backkatalog der Band einreiht, wird natürlich wie immer erst die Zeit zeigen und diesbezüglich hat sowieso jeder Fan seine ganz eigene Rangliste. Der Rezensent war zunächst etwas von den krachenden Gitarren und dem zeitweise aggressiven Sound der Songs irritiert, kann aber bestätigen, dass dieses Werk mit jedem weiteren Hördurchlauf gewinnt. Spannend wird jetzt noch, wie es mit dem Band-Line-up weitergeht.


Line-up The Black Crowes:

Chris Robinson (lead vocals)
Rich Robinson (guitars, bass, background vocals)
Cully Symington (drums)
Erik Deutsch (keyboards)
Mackenzie Adams (background vocals)
Leslie Grant (background vocals)

Tracklist "A Pound Of Feathers":

  1. Prophane Prophecy
  2. Cruel Streak
  3. Pharmacy Chronicles
  4. Do The Parasite!
  5. High And Lonesome
  6. Queen Of The B-Sides
  7. It’s Like That
  8. Blood Red Regrets
  9. Do You Call This A Good Time?
  10. Eros Blues
  11. Doomsday Doggerel

Gesamtspielzeit: 41:58, Erscheinungsjahr: 2026

Über den Autor

Markus Kerren

Hauptgenres: Roots Rock, Classic Rock, Country Rock, Americana, Heavy Rock, Singer/Songwriter
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Mail: markus(at)rocktimes.de

1 Kommentar

  1. Manni

    Der Rezensent war zunächst etwas von den krachenden Gitarren und dem zeitweise aggressiven Sound der Songs irritiert

    Hallo Markus, hier will ich mal einhaken.

    Zur Musik will ich nichts sagen, das ist ja immer Geschmackssache. Aber ich hab ein massives Problem mit dem Klang dieser CD, denn das kann ich mir nicht mehr anhören. Das ist kein Klang mehr, sondern akustische Lärmbelästigung. Leider scheint dies die Klangauffassung aktueller „Produzenten“ zu sein. Dieser aggressive, nervtötende Sound – ob bei Deep Purples =1 oder dem 24er Remix des ersten Aerosmith Albums – es scheint, als wollten die die Lautstärke einer bis 10 reichenden Skala auf 15 aufdrehen.

    Kann man machen, aber wie in diesen Fällen immer (geht auch nicht anders), das Signal wird extrem komprimiert um es auf maximale Lautstärke erhöhen zu können, in der Regel in die Nähe von Digital 0. Das Lautheitsempfinden wird dadurch natürlich stark erhöht. Der Preis ist jedoch extrem hoch, denn durch diese Klangmanipulationen beraubt man dem musikalischen Geschehen jegliche Dynamik. Da ist dann nichts mehr, null, nada.

    Um das mal bildlich zu verdeutlichen, hab ich einen Track der Black Crowes und eine Live-Aufnahme aus der 2. Symphonie von Rachmaninow als Waveform im Audio-Editor „Audacity“ dargestellt. Oben die tot komprimierte Black Crowes Aufnahme, unten der professionelle Mitschnitt der Deutschen Grammophon, die auch sichtbar den möglichen, sehr hohen Dynamikumfang einer CD voll ausreizt. Wer da seine tonmeisterlichen Aufgaben gelöst bzw. wer sich dieser Verantwortung entzogen hat, wird nicht nur akustisch, sondern auch visuell deutlich. (https://uploadme.me/view/Dynamik.458)

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