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V.A. / Arkansas Rocks, Rockabilly and Rock’n’Roll from the Natural State, Vol. 1 – CD-Review

V.A. / Arkansas Rocks, Rockabilly and Rock'n'Roll from the Natural State, Vol. 1 – CD-Review

Spontan wird man bestimmte Bundesstaaten in den USA musikalisch mit besonderen Stilen und/oder Interpreten*innen in Verbindung bringen, bringen können. Doch wie sieht das mit dem Bundesstaat Arkansas aus? Nun, Johnny Cash wurde zwar in Arkansas geboren, doch eher muss ich bei ihm und seiner Musik an Nashville, Tennessee denken. Und Tennessee ist sicher gemeinsam mit Arkansas eine wichtige Quelle des Rockabillys. Eine Band mit dem Staat im Namen fällt mir noch ein, Black Oak Arkansas, passend zur Gegend des Southern Rocks.

Doch hier mit dieser Kollektion von Bear Family Records geht es, entsprechend des Titels, hauptsächlich um Rockabilly und Rock’n’Roll. Doch wenn ich auf die Interpreten-Auflistung der fünfundzwanzig Songs sehe, erblicke ich nicht unbedingt sehr bekannte Namen, und so tritt hier wohl dann eher die 'zweite Reihe' an, um den Sound der Heimat vorzustellen. Und das muss dann ja auch nicht unbedingt schlechter sein als von den 'großen Namen'.

Und wer die dann noch Unbekannten gern näher kennen lernen möchte, kann sich gern des ausführlichen Booklets mit dem Text von Alexander Petrauskas bedienen. So wird die Szene sehr ausführlich und ergiebig auf vierunddreißig Seiten inklusive der Diskografie mit Besetzungsangaben, soweit bekannt, beschrieben.

So ist es absolut interessant und mit einer besonderen Aufmerksamkeit behaftet, sich diesen (mir) weitestgehend unbekannten Acts zu widmen. Bobby Lee Trammell, den Namen habe ich immerhin schon einmal gehört, soll er dann doch auch zu den stärksten Beispielen in Verbindung mit dieser hier vorgestellten Musik aus Arkansas zählen. Doch mit Earl Smith & The Night Cappers sieht das dann schon anders aus. Also rasch ein Blick ins Booklet. Seit 1955 besteht danach diese Band zweier Brüder, denen sich rasch zwei Cousins anschlossen, mithin ein echtes Familienprojekt, "Black River Bay" geht gut ab, ein feiner Rock’n’Roll mit kraftvollem Drive, Spuren von "What’d I Say" und "Let’s Twist Again" meine ich ansatzweise zu hören.

Kenny Owens kommt recht druckvoll mit einem coolen Gitarrensolo, gespielt von einem gewissen Eddie Slusser. Owens erinnert mich gesanglich ein ganz wenig an Dylan bei dessen Highway 61 Revisited. Ja, und so reiht sich ein Unbekannter neben den anderen und, klar, so ist es bei diesem Genre halt normal, gibt es stets wieder Assoziationen zu ähnlichen Songs und Stilen. Aber nie habe ich den Eindruck, hier würde 'Zweite Wahl' geboten, denn das ist durchweg beherzt gespielte Musik mit überzeugendem Einsatz, der offensichtliche Spaß, den die Interpreten beim Einspielen hatten, kann sich locker auf mich als Hörer übertragen.

Klar, und wie es halt immer so ist, gibt es auch einige persönliche Favoriten. Ganz besonders packen mich hier zum Beispiel solche Songs wie das treibende "That’s What I Call A Ball" von Larry Donn, cooler Rockabilly, Bobby Brown, der mit "Please Please Baby" auch ein wenig Bluesfeeling verbreitet, oder Luke Royer und sein "One’s All The Law Will Allow", ein recht cooler Song, der sich insofern auch von den anderen abhebt, dass er erst 1973 eingespielt wurde, sich jedoch zeitlich absolut in die Fifties und Sixties einordnet. Auch das abschließende "Love Them Every One" von Olen Bingham kommt mit tollem Swing. Hier handelt es darüber hinaus noch um eine Rarität, ist das doch ein bisher nicht veröffentlichtes Demo, Bingham soll wohl der erste Rock’n’Roller des Bundesstaates gewesen sein.

Mit Track zehn stellt sich auch eine Dame vor, Sylvia Mobley bringt ein wenig Country-Feeling ein. Aber sie bleibt ja nicht die einzige Lady, denn da ist ja noch Tonya Dee, die mit außergewöhnlicher leicht quäkiger Stimme ihren Song vorträgt.

Ja, und so sind das in der Regel alles Songs von Musikern*innen, die für kleine Label aufnahmen, sich selber produzierten und sich hauptsächlich bekannt machten durch Auftritte in Clubs oder durch Radiostationen. So stellt "Arkansas Rocks, Rockabilly and Rock’n’Roll from the Natural State" schließlich eine sehr gute Sammlung rarer Musik dar, mit Künstlern*inne, die direkt und unverfälscht ihre Songs vortrugen mit leidenschaftlichen und engagiertem Ausdruck. Und so bin ich bereits gespannt auf Volume Two!


Tracklist "Arkansas Rocks, Rockabilly and Rock’n’Roll from the Natural State, Vol. 1":

  1. Bobby Lee Trammell – Arkansas Twist
  2. Earl Smith & Night Cappers – Black River Bay
  3. Kenny Owens – Long Lost John
  4. Ken & The Goldtones – If Somebody Loves You
  5. Larry Donn – That’s What I Call a Ball
  6. Bobby Brown – Please Baby
  7. Chuck Comer – Little More Lovin'
  8. The Thunderbirds – Soucoupes Volantes
  9. The Thunderbirds – A Whole Lot Of Shakin'
  10. Sylvia Mobley – Every Time I See You
  11. Sonny Deckelman – Lonely Weekends
  12. Buddy Phillips – Coffee Baby
  13. Charley Maybee – Little Judy
  14. Mike McAllister – I Don’t Dig It
  15. Johnny Tolleson – You’re In Love With Yourself
  16. Montie Jones – Moonshine
  17. Luke Royer – One ’s All The Law Will Allow
  18. Tonya Dee – Shake This Town
  19. Eddie Bond – Big Boss Man
  20. Leo Castleberry Teen Age Blues
  21. Don Head – Goin' Strong
  22. Chuck Brooks – Spinning My Wheels
  23. Jimmy Ford – You’re Gonna Be Sorry
  24. Morgan Twins – Johnny Come Lately
  25. Olen Bingham – Love Them Every One

Gesamtspielzeit: 55:21, Erscheinungsjahr: 2026

Über den Autor

Wolfgang Giese

Hauptgenres: Jazz, Blues, Country
Über mich: Althippie, vom Zahn der Zeit geprägt, offen für ALLE Musikstile
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Mail: wolfgang(at)rocktimes.de

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