Bei Ingvay handelt es sich um den Musiker Ingo Schmidt, der mit "Still Moving" sein mittlerweile fünftes Album unter diesem Namen vorgelegt hat. Im Jahr 2023 war er bereits mit der Scheibe One Magic Mile bei RockTimes zu Gast und wurde von meinem Kollegen Joe unter die Lupe genommen. Nun also elf neue Tracks von dem Mann, der seit über zwanzig Jahren in der Szene ist und neben seinen Alben auch schon unzählige Bühnen des Landes unsicher gemacht hat. Unterstützt von seiner Band in der klassischen Besetzung mit zwei Gitarren, Keyboards, Bass und Drums geht es hier zur Sache.
Seinem Stil ist der Musiker treu geblieben, wie der Rezensent nach dem Lesen von Joes Review bescheinigen kann. Aber: er ist hin und her gerissen. Denn zum einen besteht auch die neue Platte aus guten Kompositionen, guten Musikern und einer guten Einspielung. Zum anderen habe ich fast das Gefühl, dass sich das Vinyl eine Spur zu schnell auf meinem Plattenteller dreht. Die einzelnen Tracks sind so dermaßen vollgepackt mit Musik und Gesang, dass man, zumindest geht es mir so, sich fast erschlagen fühlt. Möglicherweise liegt es aber auch an der Produktion, die den Songs gefühlt keine Luft zum Atmen lässt und ihnen somit zwangsläufig auch die Möglichkeit verwehrt, sich zu entfalten.
So, nachdem der große und nicht unerhebliche Kritikpunkt damit aus dem Weg geräumt ist, nun auch ein etwas genauerer Blick auf die Stücke selbst. Dass es sich dabei um gute Kompositionen handelt, wurde weiter oben bereits erwähnt. Sehr melodisch und meist cool im Americana-Bereich angesiedelt, sind zwar auch hier ein paar etwas zu simple Hooklines am Start ("Give Me A Shot" oder "On Monday", das allerdings ein klasse Gitarrensolo aufweisen kann), aber das Gros der Tracks kann sich durchaus sehen lassen. So beispielsweise die die Scheibe beendende Ballade "Almost There", auf der auch Ingvays Gesang richtig stark rüber kommt.
Aber auch die Eröffnungsnummer geht schon gut und sehr schmissig los, wenn sie auch eine jener ist, die überladen wirkt. Bei "Get Up" gefällt das hämmernde Piano von Maik Schott und der straighte Rock-Stil. Vielleicht wird der Refrain etwas zu oft wiederholt, aber das ist bezüglich des Songwritings schon Jammern auf hohem Niveau. Deutlich ruhiger wird es bei "Home By The River", was der Platte zu diesem Zeitpunkt jedoch alles andere als schadet. Ein feiner Orgelsound unterlegt den Gesang und und die Gitarren-Licks von (vermutlich) Ulrich Rode.
"Wake Up This Time" kann man durchaus Radiotauglichkeit aussprechen. Eher in gemäßigterem Tempo wird hier systematisch auf den Refrain zugearbeitet, der sich dann auch auflösend entlädt. Ein klassisches Arrangement mit feinem Gitarrensolo. Herausheben will ich gerne noch die Nummer "Back To The Sun", die schön kerzengeradeaus nach Vorne rockt und trotz, oder gerade wegen ihrer Unaufgeregtheit cool und gut abgehangen rüberkommt. Starker Song.
Aber wie dem auch sei, die Plus- sowie auch Minuspunkte aus Sicht des Rezensenten wurden oben dargestellt. Und da jeder ein anderes Hörempfinden hat, sollte man auf jeden Fall mal in "Still Moving" reinhören. Als Anspieltipps gibt’s von meiner Seite "The Old Way", "Some Kind Of Rock’n’Roll", "Back To The Sun" sowie "Almost There".
Line-up Ingvay:
Ingvay (guitars, lead & background vocals)
Matthias 'Maze' Meusel (drums & percussion)
Uwe Seemann (bass, background vocals)
Ulrich Rode (guitars, mandolin, background vocals)
Maik Schott (keyboards)
Tracklist "Still Moving":
- The Old Way
- Get Up
- Home By The River
- Some Kind Of Rock’n’Roll
- Now I Can See
- Give Me A Shot
- Wake Up This Time
- New Reflection
- Back To The Sun
- On Monday
- Almost There
Gesamtspielzeit: 21:49 (Side 1), 21:13 (Side 2), Erscheinungsjahr: 2026



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