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Aether / III – CD-Review

Aether / III CD-Review

Dieser musikalische Ausflug führt mich nach Italien, genauer gesagt, nach Mailand, denn von dort stammt die Band Aether. 2021 gründete sich die Formation mit der Absicht, diverse Stile miteinander zu verbinden – die vier Musiker haben unterschiedliche musikalisch geprägte Hintergründe, so dass man davon ausgehen sollte, eine Mischung verschiedener Stile zu erwarten. Und daher ist es auch nicht verwunderlich, einem Sound gegenüber zu stehen, der Prog/Post – Rock und Jazz vereint, vielleicht noch eine Spur Ambient dazu, und fertig ist das nunmehr dritte Album "III". Also – klassischer Prog der Siebziger, Jazz-Rock und experimentelle Ausflüge, gespielt durch Gitarren, Keyboards, Bass und Schlagzeug mit Electronics angereichert, nur gesungen wird grundsätzlich nicht, bis auf einen Gastbeitrag auf dem Song "Vogon". Rosarita Crisafi ist zudem als Gast mit der Flöte anwesend.

Schon mit dem ersten Stück, "Oort Cloud", bekommt man Ungewöhnliches geboten. Verhallt erklingt der Sound der Fender Rhodes und ein leicht grummelnder Bass versucht, sich nach und nach einzumischen, jedoch wird diese Rolle alsbald von der Flöte übernommen, die dann inmitten dieses stark elektronisch geprägten Sounds eine Natürlichkeit einbringt. Doch sobald sich E-Gitarre und Schlagzeug in den Vordergrund drängen, wird es kraftvoll und ein Song scheint zu entstehen. Doch irgendwie scheint das nur der Fall zu sein, denn letztlich bleibt man dem Hörer eine Art Thema schuldig und ohne Anfang und ohne Ende wird, ohne einen bestimmten Songcharakter zu erreichen, eher improvisiert, bis dann der Schluss der Nummer dem Anfang gleichkommt.

Und nun der 'besondere' Track, "Vogon"; da gibt es nun  Querverbindung zu Douglas Adams und reisen wir mit als "Anhalter durch die Galaxis"? Denn es sind die außerirdischen Vogonen, die Bestandteil dieser Geschichte sind. Und es ist Claudio Milano, der wohl mehr sprechender- als singenderweise Vogon-Poesie präsentiert. Und dazu ist es Andrea Ferrari mit seinem energischen Gitarrenspiel, der eine kräftige Sprache spricht. Musikalisch einzuordnen ist der Song in den Bereich Jazz Rock. Doch bleibt es während der Laufzeit nicht bei einer durchgängigen Stimmung, sondern sind es ständige Veränderungen, die den Sound bestimmen.

Ein weiterer bunter Anstrich erfolgt mit spacigen Klängen durch "Cinq Teintes, Quatre Cadres", auch hier, und das ist eigentlich grundsätzlich der gesamten Musik zu Eigen, muss man sich einstellen auf ständig wechselnde Strukturen, hier klingt es darüber hinaus auch ein wenig wie frühe Pink Floyd, bei anderen Nummern fallen mir spontan Assoziationen zu King Crimson ein- Tonalität wechselt mit Atonalität, mithin ist man als Hörer*in sehr gefordert, um konzentriert zu folgen. Daher empfiehlt es sich dringend, sich einfach fallen zu lassen in diesen Klangkosmos, um es, sofern Zuneigung besteht, genießen zu können, und seien es kurzzeitige Annäherungen an tranceähnliche Stimmungen.

"Panta Rei" mit der Piano-Einleitung lässt fernöstlich anmutende Passagen einfließen und der Fretless Bass von Andrea Grumelli setzt hierbei Akzente, und ich empfinde mitunter eine kleine Zeitreise in die Fusion-Bewegung der Siebziger. Wenn man dann den letzten Song erreicht hat, dann gelangt man mit "Swerve" stark in den Bereich des Prog-Rocks jenes Jahrzehnts, Keyboards, die typisch klingen für jene Zeit der Siebziger. Am ehesten muss ich nun an die Band Yes denken, und so mag nun für 'Proggies' die Erfüllung eingetreten sein. Insgesamt kein 'bequemes' Album, Musik, die auch sperrig ist, die sich verträumter Harmonie öffnet, eine Plattform für spritzige Gitarrensounds und den Sound der Fender Rhodes, mitunter recht strukturarm, dafür aber reich an Wechseln und Improvisation, somit eine spannende Unterhaltung für Liebhaber dieses Genres. Aber auch diese sollten lieber über den Tellerrand schauen, denn diese Basis-Ausrichtung als auch die Verspieltheit und Sperrigkeit sind recht fordernd, und damit kann der 'Belohnungsgrad' dann auch ein recht hoher sein.


Line-up Aether:

Andrea Grumelli (electric bass)
Andrea Ferrari (electric guitar & synth)
Andrea Serino (Rhodes, piano & synth)
Teo Ravelli (drums & electronics)
Claudio Milano (vocals – #2)
Rosarita Crisafi (flute)
Omero’s Folk (vogon poetry)

Tracklist "III":

  1. Oort Cloud (6:21)
  2. Vogon (4:51)
  3. Cinq Teintes, Quatre Cadres (8:42)
  4. La Mélancolie Du Petit Prince (4:37)
  5. Panta Rei (8:00)
  6. Swerve (10:42)

Gesamtspielzeit: 43:27 Erscheinungsjahr: 2026

Über den Autor

Wolfgang Giese

Hauptgenres: Jazz, Blues, Country
Über mich: Althippie, vom Zahn der Zeit geprägt, offen für ALLE Musikstile
Meine Seite im Archiv

Mail: wolfgang(at)rocktimes.de

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