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Bobbo Byrnes / Konzertbericht, 13.09.2026, Apostel-Johannes-Kirche Altengroden, Wilhelmshaven

Bobbo Byrnes / Konzertbericht, 13.09.2026, Apostel-Johannes-Kirche Altengroden, Wilhelmshaven

Bobbo Byrnes wurde in Chelsea, Massachusetts geboren und lebt seit Ende der Neunziger in Kalifornien, in Anaheim, mit seiner Frau Tracy, mit der auch als Band The Fallen Stars auftritt und Musik veröffentlicht. Doch bei dieser aktuellen Europa-Tournee ist er allein mit seiner Gitarre unterwegs. Und auch so kann er gut unterhalten, denn immerhin waren die Bänke der Apostel-Johannes-Kirche mit gut sechzig Zuschauern*innen gut gefüllt.

Bobbo ist hinsichtlich seiner musikalischen Vergangenheit recht 'breitflächig' erzogen worden. So liebte seine Mutter Countrymusik, von solchen Stars wie Patsy Cline, Connie Francis, Willie Nelson, Johnny Cash, Eddy Arnold und Marty Robbins, als auch mit dem Singer/Songwriter-Milieu kam er in Berührung, mit dem großartigen Jim Croce. Doch durch die Plattensammlung des Onkels erweiterte sich der Einfluss durch Bands wie The Who, The Clash und U2, und selbst Einflüsse von Kate Bush, Pat Benatar und The Replacements kamen hinzu.

Nun, das lässt auf eine sehr umfangreiche Palette seines musikalischen Ausdrucks schließen! Und das wird auch durch die auf seiner Webseite aufgeführte Diskografie von nunmehr zehn Veröffentlichungen unter seinem eigenen Namen dargestellt! Hinzu dann noch die Platten als The Fallen Stars und mit Ben Riddle aus Australien als Riddle & The Stars.

Um auf den Konzertabend zurück zu kommen, muss ich auf seine Veröffentlichung "October" aus 2023 verweisen, weil auch diese ganz solo eingespielt wurde. Auch hier findet sich diese spezielle Version von "Too Many Miles" wieder, die auf seine aktuelle Veröffentlichung gleichen Namens verweist und das von ihm geschriebene Buch, das er zum Konzert mitbrachte, darunter nun auch die aktuelle deutschsprachige Ausgabe, mit Geschichten, die er als authentische Berichte über Höhen und Tiefen eines lebenslang reisenden Musikers bezeichnete.

Und genau das ist es, diese ganz besondere Authentizität, denn Bobbo erklärte vor jedem Song dessen Hintergrund, und meistens verbarg sich dahinter eine selbst erlebte Geschichte oder ganz persönlich geprägte Erlebnisse, also viele autobiografische Geschichten, so auch zum Beispiel das Thema Donald Trump, wo etwa die Hälfte seiner Familie auf dessen Seite und die andere gegen ihn sei. So gab es Stories über eine Schießerei vor einem Restaurant, halt viele wahre Begebenheiten, die Bestandteile von Songs wurden. Zwischendurch eine kurze Bemerkung zu den Zuständen in der Welt, "It’s a cold cruel world we live in" …

Dennoch bestimmte auch recht viel Humor als Bestandteil einer stark emotional geprägten Show  das eine oder andere Stück, wie beim Auftaktsong, "Massachusetts", wie er ausführte: "It’s a funny word when you drink – Massachusetts"!
Weiter ging es mit "Mexican Home", einem Lieblingslied der Mutter, auf dem Album "The Red Wheelbarrow" zu finden, das er unplugged vortrug , mit Mouth Harp als Begleitung, und dabei durch den Kirchenmittelgang lief. Nach Rückkehr zur Bühne erklärte er, dass Verstärker, Boxen und Mikrofon überflüssig seien und zog spontan alle Kabel heraus, denn die Akustik der Kirche ließ es zu, dass man seinem kraftvollem Gesang und ebenso kraftvollem Gitarrenspiel ohne Einschränkungen folgen konnte.

Ja, sein Gitarrenspiel war exzellent, die absolut kraftvolle Rhythmusarbeit, in die immer wieder kleine solistische Parts filigran eingeflochten wurden. So gab es eine große Bandbreite von diesen filigranen Ausführungen, immer wunderbar melodiös und warmherzig, bis hin zu total fetzigen Passagen, bei denen man fürchten musste, die Saiten würden reißen. Nun, immerhin führte sein impulsives Spiel dazu, dass er die Gitarre oft nachstimmen musste, aber es war immer die G-Saite!!!

Mir fiel auf, dass er diese Show sehr emotional geprägt bestritt, so ließ er den Gefühlen freien Lauf, man hatte mitunter den Eindruck, er kehre sein Innerstes nach Außen! Sehr emotional bewegend musste es auf jeden Fall auch sein, dass er an diesem Tag seinen neunundzwanzigsten Hochzeitstag feiern konnte, doch war seine Ehefrau zu Hause. So so gab es natürlich auch ein Lied, das sich dieser Beziehung widmeten, ganz augenzwinkernd in "Bad Decisions". Er legte seiner Frau die fiktiven Worte in den Mund, dass sie mit ihm dann wohl eine schlechte Entscheidung getroffen habe! Und diese schlechte Entscheidung hat sich immerhin seit dem Kennenlernen im Jahre 1992 gehalten, wenn ich es richtig verstanden habe! Den Song kann man unter anderem auf dem Album aus 2024 nachhören.

Ja, aus der Menge seiner bisher veröffentlichten Alben konnte er also reichhaltig schöpfen und anhand dieser Bandbreite auf viele verschiedene Nummern zurückgreifen, denen Bobbo nun in diesen Unplugged-Versionen eine lebendige Frische einhauchen konnte. "APB", ein Track vom Album "Motel Americana", "APB", bei diesem Begriff handelt es sich wohl um eine Meldung an mehrere Einheiten der Polizei, ein Alarm in Verbindung mit verdächtigen Personen oder diversen Straftaten. So hatte ich die Ehre, in diesen Song namentlich aufgenommen zu werden, doch wessen hatte ich mich schuldig gemacht?

Andere Stücke betrafen das persönliche Umfeld des Künstlers, als er einst in einer Mühle mitgearbeitet hatte, oder ein romantisches Lied über eine Dame namens "Angelia" (vom Album "Two Sides Of This Town"), dieser Song und weitere Stücke wurden in die aktuelle Kompilation "Too Many Miles" aufgenommen, eine Sammlung, die Bobbo selbst wie folgt betitelte: "Greatest Non-Hits"! Diese Nummern sind es im Übrigen, über die er in seinem Buch schrieb. Auf (meinen) besonderen Wunsch bei der Frage nach Publikumswünschen spielte er einen meiner Favoriten: "Queen Of The Party". Darin werden Begegnungen mit verschiedenen Musikerinnen geschildert, die in dem dazugehörigen Video auch auftauchen, Initialzündung soll wohl eine Begegnung mit Lucinda Williams gewesen sein.

Der Rezensent, Bobbo und Konzertbesucher Michael

Der Rezensent, Bobbo und Konzertbesucher Michael

Als weitere, 'bluesige', Zugabe, der zweite Song, bei dem er Slidegitarre spielte, gab es "No Expectations" von den Rolling Stones (auf dem Album "Motel Americana"), und nach etwa neunzig Minuten plus Zugabe entließ uns Bobbo mit dem Worten, dass wir so nie wieder zusammenkommen werden und das in Ehren halten sollten! Wir sprachen dann noch über das Motto, das ihn schon lange im Leben begleitete, "The Journey Is The Destination", das er sich auch in Deutsch gemerkt hatte, und auf das er im Laufe des Gigs auch hinwies: Der Weg ist das Ziel! In diesem Sinne, Bobbo, es war ein emotional geprägtes Konzert. Im Namen aller Besucher danke dafür!

Nachtrag: So fragte ich ihn einst, ob er in Verbindung mit größeren Labels stünde, denn ich meine, dass es seine Musik verdient, weit gestreut zu werden, da sie ein echter Lichtblick im großen Americana-Umfeld sei. Seine Antwort hierzu:
»Realistisch betrachtet, bin ich bei den großen Plattenfirmen nicht auf dem Radar. Ich glaube an mich und meine Musik und würde mich freuen, wenn sie ein größeres Publikum erreichen würde, aber das muss ich selbst in die Wege leiten.«

So wäre es wünschenswert, wenn wir den sympathischen Künstler dabei unterstützen könnten!

Bildnachweis für alle Bilder des Konzertes: © 2026 | Wolfgang Giese | RockTimes

Line-up Bobbo Byrnes:

Bobbo Byrnes (vocals, guitar, harmonica)

Über den Autor

Wolfgang Giese

Hauptgenres: Jazz, Blues, Country
Über mich: Althippie, vom Zahn der Zeit geprägt, offen für ALLE Musikstile
Meine Seite im Archiv

Mail: wolfgang(at)rocktimes.de

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