«

»

John Mayall / Blues From Laurel Canyon – CD-Review

Wenn man jemanden als 'lebende Legende' bezeichnen will, dann ist es mit Sicherheit der britische Bluesmusiker John Mayall. Schon seit dem Jahr 1950 steht der Sänger, Gitarrist, Keyboarder und Harpspieler aus Macclesfield, Cheshire auf der Bühne und ist seitdem fast ununterbrochen unterwegs. Auch für das Jahr 2017 ist schon wieder eine Tour geplant, bei der der dann 83-Jährige kreuz und quer durch Europa tingelt. Seit 1965 erschienen regelmäßig neue Alben des Mannes aus der Nähe von Manchester, sodass er inzwischen auf 52(!) veröffentlichte Alben zurückblicken kann. Was für eine großartige Leistung!

Das hier zu besprechende Langeisen "Blues From Laurel Canyon" ist das neunte Werk von John Mayall. Es wurde vom 26. bis 28. August 1968 in den Decca Studios, West Hampstead aufgenommen. Inhaltlich verarbeitete Mayall darin seinen Umzug nach Los Angeles. Die erste Generation der Bluesbreakers hatte sich auf Johns Betreiben hin gerade aufgelöst und er wollte von nun an nur noch mit einer kleinen Begleitgruppe zusammenarbeiten.

John wohnte im Laurel Canyon bei seinem Freund Bob 'The Bear' Hite, bevor er sein geliebtes und legendäres Baumhaus bezog. Dem Mitbegründer von Canned Heat widmete er auch den Song "The Bear" auf dem Album. Außerdem ist Mayall auch auf dem Canned Heat– Album "Living the Blues" am Piano zu hören.

Mitstreiter auf "Blues From Laurel Canyon" sind Mick Taylor an der Gitarre, der später bei den Rolling Stones einstieg, Drummer Colin Allen, ab 1969 Mitglied bei Stone The Crows, sowie der Bassist Stephen Thompson.

Obwohl das Album seinerzeit gar nicht mal so erfolgreich war (Rang 33 in den UK-Charts) wurde es in der Fachpresse dennoch hoch gelobt, denn es enthält für damalige Verhältnisse einige Neuigkeiten, die bis dahin noch nicht oder fast nicht zum Tragen gekommen waren. So gingen die einzelnen Songs ohne Pause ineinander über und wurden teilweise durch eingespielte Geräusche wie z. B. Flugzeuglärm überbrückt, was Ende der sechziger Jahre noch vollkommern unüblich war.

Auch musikalisch boten die zwölf Eigenkompositionen richtig starke Kost. Die Rhythmus-Sektion lieferte ein grundsolides Fundament mit jeder Menge Feeling. Doch die Highlights setzte der damals erst neunzehn Jahre alte Gitarrist Mick Taylor. Allein schon seine filigrane Arbeit beim Opener "Vacation" ist einfach nur großartig. Das Stück ist leider mit 2:47 Minuten viel zu kurz. "Walking On Sunset" ist ein treibender Blues mit Johns Harmonika-Einsatz und gehört mit seiner Kraft und Dynamik zu meinen persönlichen Favoriten auf dem Album. Doch auch der folgende Slow Blues "Laurel Canyon Home", bei dem John Mayall auf dem Piano den Hauptteil der Begleitung übernimmt, kommt ganz stark rüber.

Gleich wird wieder richtig Fahrt aufgenommen. Der Boogie "2401" geht so richtig ab nach vorne, und Mick Taylor hat das Slideröhrchen übergestülpt. Der vielleicht stärkste Titel überhaupt. Direkt schon folgt mit dem Slow Blues "Ready To Ride" das nächste Highlight. Zentnerschwere Rhythmen werden von dem Vierer produziert. Und wieder weint Johns Bluesharp zum Herzerweichen.

Eigentlich müsste man auf jedes einzelne Stück des Albums eingehen, denn alle Songs weisen eine ganz persönliche Note auf. Aber das würde den Rahmen dieses Reviews sprengen. So will ich nur noch das bereits erwähnte "The Bear" besonders erwähnen. Taylor beginnt mit einem tollen Boogie-Riff, das ganz stark an Canned Heat erinnert und es folgt ein richtig abgefahrener Piano-Blues mit tollen differenzierten Drums. Einfach nur großartig. Selbst die Leadgitarre erinnert stark an das Spiel von Henry Vestine.

Nachdem das extrem ruhig gestaltete "First Time Alone", bei dem Peter Green die gefühlvolle Leadgitarre übernimmt, vergangen ist, folgt mit "Fly Tomorrow" als Outro das längste Stück des Albums. Nach einem ruhigen Beginn startet die Band zu einer knapp neunminütigen Jam-Session und lässt es nochmal richtig krachen. Klasse, wie sich der Song immer mehr steigert, wobei Orgel und Gitarre gemeinsam immer mehr in Wallung kommen. Ein wahrhaft würdiger Abschluss  einer großartigen Scheibe, die auch nach siebenundvierzig Jahren noch nichts von Ihrer Magie verloren hat.


Line-up John Mayall:

John Mayall (vocals, harp, organ, piano)
Mick Taylor (guitar)
Colin Allen (drums)
Steven Thompson (bass)

Tracklist "Blues From Laurel Canyon":

  1. Vacation (2:47)
  2. Walking On Sunset (2:50)
  3. Laurel Canyon Home (4:33)
  4. 2401 (3:42)
  5. Ready To Ride (3:32)
  6. Medicine Man (2:43)
  7. Somebody Acting Like A Child (3:27)
  8. The Bear (4:40)
  9. Miss James (2:30)
  10. First Time Alone (4:49)
  11. Long Gone Midnight (3:27)
  12. Fly Tomorrow (8:59)

Gesamtspielzeit: 48:33,  Erscheinungsjahr: 1969

Über den Autor

Jürgen Bauerochse

Hauptsächlich zu besprechende Musikstile: Blues, Blues Rock, Southern Rock, Classic Rock
Meine Seite im Archiv
News
Mail: juergen(at)rocktimes.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>