Alice Cooper ist bekanntlich live immer ein Erlebnis aufgrund der gebotenen Show, wie ich selbst schon erleben durfte, in den 80ern bei der 'Raise Your Fist And Yell-Tour' und 2012. Da es immer wieder eine andere Bühnenshow gibt, lohnt es sich, alle paar Jahre die neue Variante zu sehen – egal ob direkt live oder auf Konserve.
Nun gibt es dazu eine neue bzw. nicht mehr ganz neue Möglichkeit. Denn "A Paranormal Evening At The Olympia Paris" wurde nun auf Blu-ray veröffentlicht, wobei es den Mitschnitt bereits seit 2018 in anderer Form (2CD / 2LP) gibt. Mit deutlicher Verspätung folgt die Variante mit Bild – also DVD bzw. Blu-ray, wobei diese bereits vor ein paar Jahren in einem Box-Set enthalten war.
Die mir vorliegende Blu-ray bietet keinerlei Bonus-Material, keine Videoclips, Blicke hinter die Kulissen oder Interviews. So sind knapp 90 Minuten doch etwas dürftig für das Medium Blu-ray, auf dem für so viel mehr Platz ist.
Aufgenommen wurde das Ganze am 07. Dezember 2017 in Paris, während der Tour zum "Paranormal"-Album von 2017, von dem lediglich das Stück "Paranoic Personality" gespielt wurde. Es ist sicherlich schwierig, nach so vielen Jahren Bandbestehen und Songs, die teilweise Klassiker sind, eine Auswahl zu treffen, die alle Fan-Wünsche abdeckt – neueres Material muss da dann oft zurückstehen.
Los geht es mit "Brutal Planet", dem Titeltrack der Scheibe aus dem Jahr 2000. Dann kommt gleich ein krasser Zeitsprung und es wird der erste Klassiker ausgepackt: "No More Mr. Nice Guy" von der Billion Dollar Babies-Platte von 1973. Der Titelsong folgt etwas später, und wie üblich werden dabei die von Fans begehrten 'Geld-Scheine' verteilt.
Ansonsten passiert showmäßig in der ersten Hälfte des Sets ungewöhnlich wenig, außer dem Kleidungswechsel des Frontmanns und dem 'Gepose' der Instrumentalfraktion an seinen Seiten. Denn bei der Auswahl der Musiker scheint der Chef nicht nur auf Können zu achten, sondern auch auf Optik. Wer sich fragt, wozu drei Gitarristen nötig sind – in diesem Fall wohl, damit der Sänger mittig stehen kann, flankiert von jeweils zwei Musikern an der Gitarre bzw. Bass.
Besonderer Blickfang ist dabei Nita Strauss womit nicht nur das Aussehen gemeint ist, sondern auch wie sie sich an ihrer Gitarre austobt. Das darf sie sogar in einem Solo nach "Woman Of Mass Destruction".
Etwas später – nach "Halo Of Flies" – folgt ein Drumsolo, in das die anderen Musiker dann mit einsteigen. Danach werden deutlich mehr Showelemente geboten. Angefangen mit "Feed My Frankenstein", bei dem Mr. Cooper an ein Bett gefesselt wird und eine riesige Kreatur (Frankensteins Geschöpf) über die Bühne läuft, teilweise dabei die Musiker etwas ’scheucht'. Das hat mich an Iron Maiden und ihren Eddie erinnert.
Vielleicht hätten sie dies früher im Set bringen sollen, dann wäre es besser verteilt gewesen, denn ab da passiert viel auf der Bühne. Das fängt an bei "Cold Ethyl" und der menschengroßen Frauenpuppe, die vom Sänger hin- und her geschleift wird, und steigert sich bis zum Anlegen der Zwangsjacke bis hin zur Hinrichtung durch die Guillotine bei "Killer". Ja, so etwas möchte ich bei Alice Cooper erleben, das gehört dazu. Weiter geht es dann mit "I Love The Dead" über, das größtenteils von der Band gesungen wird, da Sänger Alice ja gerade 'geköpft' wurde.
Was den Frontmann jedoch nicht daran hindert, bei "I’m Eighteen" wieder zurück zu sein. Wobei diese jugendlichen Gedanken gar nicht mehr zu seinem Alter (mittlerweile 78) passen – vielleicht bringt er dann in zwei Jahren "I’m Eighty". Final folgt noch "School’s Out", das natürlich nicht fehlen darf und bei dem Monsieur Vincent Damon Furnier sich und die Band vorstellt.
Damit gehen unterhaltsame 88 Minuten zu Ende, in denen showmäßig hauptsächlich in der zweiten Hälfe einiges geboten wird, während sich die erste mehr auf die Musik konzentriert. Mit drei Gitarren klingt diese hart und fett, was ebenso für die Produktion gilt. Hier gibt es nichts zu meckern, die Band ist (immer noch) gut in Form. Fans können also zufrieden sein mit dem, was das Konzert bietet. Schön, dass es dieses nun auch unabhängig von der teuren Box als DVD/Blu-ray gibt. Dennoch bleibt der Kritikpunkt des fehlenden Bonusmaterials.
Line-up Alice Cooper:
Alice Cooper (vocals)
Glen Sobel (drums, backing vocals)
Chuck Garric (bass, backing vocals)
Ryan Roxie (guitars, backing vocals)
Tommy Henriksen (guitars, backing vocals
Nita Strauss (guitars, backing vocals)
Sheryl Cooper (backing vocals)
Tracklist Blu-ray:
- Brutal Planet
- No More Mr Nice Guy
- Under My Wheels
- Department Of Youth
- Pain
- Billion Dollar Babies
- The World Needs Guts
- Woman Of Mass Destruction
- Poison
- Halo Of Flies
- Feed My Frankenstein
- Cold Ethyl
- Only Women Bleed
- Paranoic Personality
- Ballad Of Dwight Fry
- Killer / I Love The Dead
- I’m Eighteen
- School’s Out
Gesamtspielzeit: 88:14, Erscheinungsjahr 2026 (2021)



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