Als neue Rock-Sensation aus Berlin wurde die Band Backyard Conspiracy angekündigt, mit einer Combo aus internationalen Vollblut-Rockmusikern haben wir es hier zu tun, heißt es. Und da das Quartett erst im Jahr 2016 gegründet wurde, dürfen wir – etwas anderes war auch bei Recherchen nicht herauszufinden – davon ausgehen, dass es sich bei "Taken By Surprise" um das Debüt handelt. Grün hinter den Ohren sind die vier Musiker ganz sicher nicht mehr, denn sie haben jeweils schon einige Stationen in ihrer Karriere hinter sich. An allen Ecken und Enden (unter anderem auch auf dem Cover) sind Hinweise auf den Rock der siebziger Jahre zu finden, was natürlich erstmal Erwartungen schürt und freudige Spannung aufkommen lässt. Mit Gitarre, Bass, Keyboard und Schlagzeug passt auch die Instrumentierung, womit die Nebenschauplätze jetzt aber mal abgeschlossen wären.
Und ja, das hört sich sowohl vom Sound, als auch den Arrangements und Songwriting nach einer vergangenen Dekade an. Allerdings kommen die insgesamt zwölf Tracks dann doch etwas bieder rüber. Es gibt immer wieder feine Grooves, dicke Orgel-Teppiche und auch klasse Gitarren-Parts auf die Ohren, aber so richtig abheben will die Scheibe dann doch nicht. Und das liegt meiner Meinung nach zum einen am wenig vom Hocker reißenden Gesang (obwohl die Keyboarderin Jazmine bei "Someday" sogar eine richtig gute Figur macht), zum anderen an den Songs selbst, die zwar durchaus gefällig sind, allerdings viel zu selten mal aufhorchen lassen bzw. sogenannte Aha-Effekte beim Hörer fabrizieren. Die einzelnen Stücke wurden kurioserweise von einem/r gewissen K. Masch geschrieben, der/die als Bandmitglied zumindest durch die mitgelieferten Informationen nicht ausgemacht werden kann.
Die Einflüsse der in Berlin ansässigen Band habe ich schon angesprochen, namentlich kann man hier und da mal ein bisschen Uriah Heep ("Where Are You Going") oder auch Led Zeppelin ("Borderline", das in unmittelbarer Verwandtschaft mit "Kashmir" steht) heraus hören. Alles nicht schlimm, nur eben schon viel zu oft gehört, um noch für offene Münder zu sorgen. Ein ruhigeres, richtig feines Stück findet sich gegen Ende mit "100 Miles Offshore", das eines der herausstechenden ist. Sowohl bei "Turning Off The Light", bei "Taken By Suprise", bei "Where Are You Going?", als auch bei "Lucky Man" findet man immer wieder gute Parts, denen man durchaus etwas abgewinnen kann. Leider reichen die jedoch nie dafür aus, die jeweiligen Songs zu Überfliegern zu machen.
"Taken By Surprise" ist nun wirklich kein schlechtes Album, ehrlich gesagt aber auch eines, das ein wenig an mir vorbei läuft und mich aus den bereits aufgeführten Gründen nicht wirklich überzeugen kann. Wer zunächst mal reinhören und sich vom Gegenteil überzeugen lassen will, dem würde ich "Don’t Blow Up The World", "Someday", "Fly On The Wall" sowie "100 Miles Offshore" empfehlen. Ansonsten darf/muss davon ausgegangen werden, dass Backyard Conspiracy auf der Bühne deutlich knackiger und fetziger (nicht zu verwechseln mit härter) rüberkommen. Denn irgendwo her muss die Band ihren offensichtlich sehr guten Ruf ja haben. Ich wiederhole mich: Kein schlechtes Album, dem aber ein paar sprühende Funken und vielleicht auch ein richtig guter Sänger fehlen.
Line-up Backyard Conypiracy:
Matt Sunday (guitars, lead vocals)
Wolle (drums)
Jazmine (keyboards, background vocals, lead vocals – #7)
Pete Monday (bass)
Tracklist "Taken By Surprise":
- Don’t Blow Up The World
- Taken By Surprise
- Falling Down
- Do You Mind?
- Borderline
- Fly On The Wall
- Someday
- Turning Off The Light
- Simple Days
- Where Are You Going?
- 100 Miles Offshore
- Lucky Man
Gesamtspielzeit: 66:13 , Erscheinungsjahr: 2018



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