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Birth Control / Konzertbericht, 05.12.2025, Kulturscheune, Salzgitter

Kulturscheune Salzgitter

Heute Abend erleben wir ein Urgestein der deutschen Rockmusik. Birth Control, 1966 in Berlin gegründet und einer meiner Helden aus der Krautrockszene mit denen ich aufgewachsen bin, wollen die Bühne der Kulturscheune in Salzgitter rocken. Hier jetzt groß auf die Geschichte der Band einzugehen, würde den Rahmen sprengen. Ich empfehle die informative Webseite der Truppe.

Manni von Bohr, Drums

Manni von Bohr, Drums

Seit 2016 ist das derzeitige Line-up konstant geblieben. Nach dem viel zu frühen Ableben von Mastermind Bernd 'Nossi' Noske, übernahm Manni von Bohr (Bröselmaschine, Randy Hansen) im Jahre 2016 den vakanten Drumhocker. Im gleichen Jahr stieg auch Sänger und Gitarrist Peter Föller ein. Beide waren schon in den 70ern Mitglieder der Band. Martin Ettrich an Gitarre und Voicebox ist seit 2009 dabei, Tastenmann Sascha Kühn gehört seit 2001 zur Besetzung und Bassist Hannes Vesper schielt langsam auf die 30-jährige Zugehörigkeit. Das aktuelle Album Open Up aus 2022 klingt frisch und energiegeladen, unbedingt mal reinhören. Ich freue mich heute Abend auf die alten Hits aus seligen Krautrockzeiten, wie "The Work Is Done", Pandemonium", "Flesh And blood" und den damaligen Discoüberflieger "Gamma Ray".

Birth Control

Birth Control

19:30 Uhr – Majimbi Mergner von der Stadt Salzgitter begrüßt die ca. 200 Zuhörer, die den Weg in die Kulturscheune in Salzgitter-Lebenstedt gefunden haben.

Birth Control betreten unter stürmischem Applaus die Bühne und legen gleich mit "Gamma Ray 2.0" los, eine abgespeckte Version ihres Hits "Gamma Ray".
Dann folgt mit "The Work Is Done", ein weiterer Kracher aus den Siebzigern. Man fühlt sich 50 Jahre zurückversetzt. So kann es weitergehen!

Manni beim Soli

Manni beim Soli

Mit "Plastic People" wurde schon sehr früh das psychedelische Segment mit reichlich Jamcharakter bedient. Ich persönlich habe mit der Nummer nie was anfangen können, aber die Geschmäcker sind zum Glück verschieden.

Bei "Open Sesame" vom "Open Up"-Album wird anfänglich ein bisschen auf die Bremse getreten, um später wieder das Tempo anzuziehen. Ein schönes melodisches Stück mit viel Freiraum für diverse Soloaktivitäten; hier konnte Martin seine Voicebox optimal einsetzen und das Wah Wah-Pedal bearbeiten.

"Trial Trip" vom "Plastic People"-Album begann mit einem melodischen Zusammenspiel von Orgel und Gesang und wurde dann überwiegend von Martins Gitarrenarbeit bestimmt, von ruhig und harmonisch bis zu heavy und ekstatisch, immer unterstützt durch Hannes' treibende Basslinien. Sehr schöner Titel!

Manni von Bohr, kaum zu sehen hinter seinen zwei Bassdrums und zahlreichen Toms und Becken, zeigte in einem neunminütigen Drumsolo seine hervorragenden Fähigkeiten, wie man die Drumsticks perfekt bei Fills und Breaks einsetzt. Kann es sein, dass hier zwei Doppelfußmaschinen zum Einsatz kamen? Ganz tolle Schlagzeugarbeit!

Basssolo

Basssolo

 

 

Highlight des Abends war natürlich, wie sollte es auch anders sein, der Überflieger schlechthin – "Gamma Ray" ist und bleibt das Kernstück eines jeden Birth Control-Konzerts. Alle Musiker schnappten sich die Perkussionsinstrumente und legten los. Hannes Vesper hatte jetzt die Gelegenheit sich mit einem Basssolo, welches teilweise geslappt wurde, vorzustellen. Martin Ettrich setzte hier seine Voicebox perfekt ein. Man kam auf lockere 25 Minuten und kostete jede Minute aus. Klasse gemacht! Ein zeitloses Meisterwerk des deutschen Prog Rock. Dieser Song ist einer der Titel, bei dem die einzigartige Atmosphäre eines Live-Konzertes am Besten zur Geltung kommt.

Die gut geölte Rhythmusmaschine Vesper/von Bohr sorgte für einen druckvollen Drive, über den Sascha Kühn seinen schweren Orgelsound legte und damit für eine atmosphärische Dichte sorgte. Martin Ettrich brillierte mit seiner Gitarre, ob markante Riffs oder ausgedehnte Soli, auch seine Arbeit mit der Voicebox waren schon hörenswert. Peter Föller, auch nicht mehr der Jüngste, war stimmlich in Hochform und meisterte alle Höhen und Tiefen.

Mit der Zugabe "Wasting My Time", einem schönen Riffrocker vom Album Here And Now ging dann nach 135 Minuten das Konzert zu Ende. Birth Control zeigte an diesem Abend eindrucksvoll, warum sie zu den beständigen Größen des deutschen Rock gehören: mitreißende Live-Präsenz, große Spielfreude, hohe musikalische Qualität und eine unverwechselbare Mischung aus Psychedelic, Hard Rock und einer Schippe Prog Rock.
Das alte und neue Material fand die volle Zustimmung beim Publikum. Die sympathischen Musiker nahmen sich am Merch-Stand noch sehr viel Zeit für Autogramme und Gespräche mit den Fans.

Line up Birth Control:

Peter Föller (vocals, guitar, percussion)
Martin Ettrich (guitar, voicebox, percussion)
Hannes Vesper (bass, backing vocals, percussion)
Sascha Kühn (organ, percussion)
Manni von Bohr (drums, percussion)

RockTimes bedankt sich bei Majimbi Mergner für den Platz auf der Gästeliste.

Bildnachweis für alle Bilder des Events: © 2025 | Jürgen Berking | RockTimes

Über den Autor

Jürgen Berking

4 Kommentare

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  1. Wolfgang

    Ich denke, Problem solcher altgestandener und in den Sixties und frühen Seventies etablierter Bands ist, dass oft nicht ein einziges Originalmitglied mehr dabei ist. Unabhängig davon, dass die musikalische Leistung eine gute sein kann, vermisse ich das Ursprüngliche in solchen Fällen, BC sind hier ja nicht die Einzigen, so dass solche gutgemeinten Versuche oft einer Coverband gleichzustellen sind.

    1970, mit Erscheinen des ersten Albums, hatte ich die damalig noch anders aufgestellte Band live gesehen, und so mag ich dann viel spätere Reinkarnationen nicht so gern noch einmal erleben…

    1. ag

      Stimmt, es ist kein Gründungsmitglied mehr dabei, aber immerhin zwei, die schon in den 70ern dabei waren: Peter Föller (1973–1977, seit 2016) und Manfred „Manni“ von Bohr (1977–1980, seit 2016)
      Ich kann nicht beurteilen, wie es 1970 war, daher fehlt mir die Vergleichsmöglichkeit. Doch uns haben Birth Control in ihrer aktuellen Form / Besetzung bisher gefallen. Wir haben sie in den letzten Jahren drei Mal gesehen, da wir im selben Ort wohnen wie Peter Föller, womit er einen gewissen Heimvorteil hat und manche deswegen hingehen. Laufnähe ist natürlich auch für uns ein Argument.

      2019 waren BC in der hiesigen Kulturhalle, das war recht gut besucht (dazu gibt es auch einen Konzertbericht bei RockTimes); 2023 spielten sie auf dem SWR-Open Air vor Saga, das war viel los (was natürlich auch am Headliner lag) und dieses Ort kostenlos auf dem Marktplatz, das war leider recht leise und viele aus dem Publikum genossen einfach nur den warmen Sommerabend (über 30 Grad) – aber immerhin waren auch welche da, um tatsächlich die Band zu sehen (neben mir erklärte jemand seiner Begleitung, welches der größte Hit war und auf welcher Scheibe dieser zu finden ist – diese steht natürlich auch bei uns im Regal).

  2. Mario

    Hallo Jürgen,
    saubere Arbeit, lebendige Fotos. Gefällt mir. Der Bericht versetzt mich (Jahrgang 1964) in eine Zeit vor meiner Jugend:-). Der Name der Band ist allemal ein Begriff. Aber was war an dem Abend passiert, dass nur 200 Hörer die Legende erleben wollten?
    VG Mario

    1. Jürgen Berking

      Hallo Mario,
      freut mich, dass Dir mein Bericht gefallen hat. Ich hatte auch mit mehr Leuten gerechnet, zumal wir ja auch gutes Wetter hatten.
      Da steckt halt keiner drin, aber auch die letzten Konzerte waren eher schwach besucht. Ich erinnere nur an Ulrich Ellison mit 60 Leuten,
      einfach schade.
      LG
      Jürgen

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