Die niederländische Band Bismut aus Nijmegen gastierte Ende Februar 2026 im Griether Hanselädchen, Kalkar-Grieth.
Einige Songs des neuen Albums mit dem Titel "Matsutake" waren Teil des Live-Programms.
Der Bericht über den Bismut-Auftritt endete mit den Worten:
»[…] Bismut, ein Synonym für Stoner Rock furioso, Psychedelic und einem gelungenen Teil Improvisation.
Beste Werbung für das neue Album. […]«
Nun liegt diese Platte, die auch in einer Stückzahl von 500 als LP auf den Markt kommt, vor. Das Vinyl ist eine »[…] Sonderpressung Tarantula Nebula […]« mit Insert und DL-Karte, wie Tonzonen Records in der Pressemitteilung schriebt.
Außerdem gibt es dort Hintergründe zum Titel der Scheibe:
»[…] Matsutake ist eine stinkende Delikatesse, an deren Geschmack man sich erst gewöhnen muss, und ein Pilz, der weder kultiviert noch industriell gezüchtet werden kann. In einer Welt, die von Individualismus, Monokulturen und zusammenbrechenden Ökosystemen geprägt ist, gedeiht dieser Pilz in den Ruinen von künstlich angelegten Kiefernwäldern […]«.
Bevor es in medias res geht, lohnt sich ein Blick auf die herrlich gestaltet Vinyl-Ausgabe.
Gitarre, Bass, Drums.
Limitierte Instrumentierung, große Wirkung.
Bei den sechs Songs auf "Matsutake" sticht "(Potentially) Immortal" mit seinen 8:34 Minuten aus der Tracklist hervor.
Uns begegnen heavy Stoner Rock-Klänge sowie luftig arrangierte Parts in dieser sehr abwechslungsreichen Nummer. Die relaxten Teile mit fast schon schwebenden E-Gitarren-Sounds sind von einem facettenreichen Peter Dragt-Drumming geprägt. Nik Linders erweist sich als ein äußerst fantasievoller Gitarrist und besonders in den rockenden Phasen ist es Bassist Huibert der Weduwen, der seinem Tieftöner einen ordentlichen Wums verpasst. Teilweise schraubt sich das Trio in psychedelische Regionen. Mittendrin mündet der Heavy Stoner Rock überraschend in eine entspannte längere Phase, die von einer ganz besonderen Leichtigkeit geprägt ist. Während seiner von Effekten ausgeschmückten Fretboard-Fahrt zeigt Nik Linders sein ganzes Können und diese Nummer endet in einer immer langsamer werdenden Taktung. Highlight!
Gegenüber "(Potentially) Immortal" ist "Salvage" schon ein Shorttrack (2:35 min).
Plötzlich fällt der treibende Stoner Rock für ein Intermezzo sozusagen in sich zusammen und insgesamt hat dieses Stück einen improvisatorischen Charakter. Super!
Vom letzten Song zum Opener.
"Alienation" bringt vom Start weg ordentlich Schwung in die Bude. Die Kreativität eines Nik Linders muss mit Edelmetall aufgewogen werden. Was er uns bietet, hat hohe Qualität und während er sich hier ganz besonders in den Vordergrund spielt, rotieren seine fantasievollen Klänge von einem Lautsprecherkanal zum anderen. Bei dezenter Begleitung der Rhythmus-Fraktion ist lockere Psychedelic angesagt. Dann kracht der Stoner Rock wie eine Lawine aus den Boxen und mit fuzzigem Sechssaiter-Sound schraubt sich das niederländische Trio höher und höher. Die Melodie dieses Tracks ist hypnotisierend.
"Contamination" (7:53 min) reicht nicht ganz an die Spielzeit von "(Potentially) Immortal" heran. Ist aber ein weiterer Beleg dafür, dass Bismut weiß, wie man den Stoner Rock variantenreich in Szene setzt. "Contamination" ist eine Art heißer Ritt durch die Hölle des beinharten Stoner Rock.
Alle sechs Tracks vermitteln eine differenzierte Sichtweise auf das Genre.
Die psychedelischen Teile sprechen sprichwörtlich Bände.
Wichtiges lesen wir auf der Rückseite des Digipaks.
»[…] All music written by Bismut. Partly improvised, as we still do. Recorded live at Galloway Studio October 2025. […]«
Genau! Wir erleben Bismut in einer Art "Matsutake"-Konzert. Nur der Beifall fehlt.
Was denn jetzt los?
Wenn wir "Assemblage" ansteuern, ist eine weitere Überraschung eingetütet. Sinnlich-verträumt streichelt Bismut sanft unsere Wangen. Klar, man lauscht angenehm entspannt, aber auch angespannt. Entwickelt sich aus der anfänglichen balladesken Stimmung noch etwas anderes? Ja, das Trio kehrt abermals zurück auf den harten Highway des Stoner Rock. Zirpend-psychedelische Synthesizer-Sounds dominieren in einem Intermezzo die Szenerie.
Mit teilweise fernöstlichem Ambiente reiht sich "Neugier" ohne Probleme in die bemerkenswerte Stimmung der anderen Songs ein.
"Matsutake" von Bismut ist ein breit aufgestelltes Album mit vielschichtigem Stoner Rock, Psychedelic und verträumte Parts.
Line-up Bismut:
Peter Dragt (drums)
Huibert der Weduwen (bass)
Nik Linders (guitar)
Tracklist "Matsutake":
- Alienation
- Neugier
- Assemblage
- Contamination
- (Potentially) Immortal
- Salvage
Gesamtspielzeit: 39:22, Erscheinungsjahr: 2026



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