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Blues in Zyfflich 2025 – Festivalbericht, 31.05.2025, Dorfplatz, Zyfflich

Blues in Zyfflich am 31. Mai 2025. Masse und Klasse.
Blues statt Champions League.
Das Line-up des Blues-Festivals im Storchendorf Zyfflich, einem Ortsteil von Kranenburg:

Kai Strauss & The Electric All-Stars (D)

Beaux Gris Gris & The Apocalypse (USA)

MarbleTones (NL)

The Tarn House Renegades (NL)

The Hoochies (NL)

Niki Buzz Band (USA)

Rolling Beat Machine (NL)

Because (NL)

Der Wetterbericht sagte frühsommerliche Temperaturen um die 26° voraus.
In diesem Artikel haben alle Bands ihren Platz, sodass es folglich keine Nachlese eines komplette Konzert einer Gruppe gibt.

Rolling Beat Machine im Mai 2025 beim Blues in Zyfflich Festival

Rolling Beat Machine im Mai 2025 beim Blues in Zyfflich Festival

Den Festival-Anfang machte die Rolling Beat Machine.
Sehenswert war alleine schon die gigantische Lautsprecher-Installation, in dessen Mitte der Schlagzeuger Danny Kegel seitlich zur Band seinen Platz fand.
Dafür spielte das Wetter bei wirklich angenehmen Temperaturen mit und so fand der Rolling Beat Machine Open-Air statt.
Bei den ersten beiden Nummern kreierte das Quintett eine sehr entspannte Stimmung.
Die individuellen Versionen von "After Midnight", auch bekannt durch Eric Clapton sowie J. J. Cales "Call Me The Breeze" sorgten für gute Stimmung und im weiteren Verlauf des Gigs passten die niederländischen Texte auch zum Blues.
Mit zwei Gitarren am Start, boten Bandleader Wouter Driessen und Aldo Spadaro viel Saiten-Action und ihre Soli waren Hinhörer.
Zur guten Atmosphäre trugen auch einige Rhythmen bei, die nicht unbedingt in eine Blues-Struktur passten, aber dennoch gut ankamen.
Rolling Beat Machine gelang ein unterhaltsamer Start in das Festival, das sein Ende erste weit nach Mitternacht fand.

Die MarbleTones im Mai 2025 beim Blues in Zyfflich Festival

Die MarbleTones im Mai 2025 beim Blues in Zyfflich Festival

Weiter ging des mit den MarbleTones auf der kleinen Bühne im Zelt.
Ihr Gig fand in zwei Teilen statt, denn zwischendrin hatte die Niki Buzz Band ihren Auftritt auf der großen Bühne im Zelt.
Die Marbletones haben im Laufe ihres Werdegangs schon viel von der Welt gesehen. Konzerte in den USA (San Francisco Bay Area) und Touren von Finnland bis Italien zeugen von einer großen Beliebtheit des Quartetts.
Mit einigen Songs aus dem Album "Lucky 13 – Live At The Katoenclub" ("Crazy Mixed Up World", "Rockin' At The Zoo Bar", "Easter Bunny Boogie") passte sich die Stimmung im ersten Teil des Gigs fast schon den Außentemperaturen an. Da alle Türen im Zelt geöffnet waren, zog stets ein Lüftchen durch das große Zelt.
Für besondere Klänge auf seinen Harps sorgte Ben Bouman, wenn er, wie in "Rockin' At The Zoo Bar" zur chromatischen Mundharmonika griff und der Boogie-Modus fiel beim zahlreich erscheinen Publikum sofort auf fruchtbaren Boden.
Mit seinem Gesang und dem Zupfen des Kontrabasses machte sich Anne-Maarten van Heuvelens viele Freunde. So auch der Gitarrist Arie-Jan Folkerts oder der mit einem tollen Groove trommelnde Schlagzeuger Bert de Jonge.

The Tarn House Renegades im Mai 2025 beim Blues in Zyfflich Festival

The Tarn House Renegades im Mai 2025 beim Blues in Zyfflich Festival

Die nächste Station war die Scheune, in der auf der großen Bühne The Tarn House Renegades die Konzerte eröffneten. Und wie!
Das Quartett bot einen beeindruckenden Querschnitt aus den bisherigen Veröffentlichungen "Volume 1" (EP mit fünf Songs) sowie der Single "Waiting For The Sun".
Groove, Speed, Power-Blues mit Feeling. Eine klasse Rhythmus-Fraktion mit Bassist Joris Kühne und Schlagzeuger Chris van der Vlies bildeten das mächtige Rückgrat der Combo. Da konnte sich der auf dem Fretboard wirbelnde Gitarrist Robert Swijgman durch herrliche Soli, auch mit Wah Wah-Pedal-Action, verwirklichen und mit seiner ausdrucksstarken Stimme sorgte Sänger Thomas Staples für gute Laune bei den Leuten vor der Bühne.
Am einem Samstag brachte der "Fat Tuesday" das The Tarn House Renegades-Karussell verdammt rockend in Schwung. "Sticks ’n Stones" hielt das Niveau des Blues Rock hoch. Der Thomas Staples-Gesang, auch a cappella dargeboten, wurde öfters von Robert Swijgmans Backing Vocals verziert.
Das variantenreiche Robert Swijgman-Spiel mündete auch in einer Feedback-Aktion am Verstärker und die Pyschedelic hatte der Gitarrist auch noch drauf.
Der The Tarn House Renegades-Gig wurde mit reichlich Beifall bedacht.

Niki Buzz Band im Mai 2025 beim Blues in Zyfflich Festival

Niki Buzz Band im Mai 2025 beim Blues in Zyfflich Festival

Wo waren sie denn?
Die drei Musiker von der Niki Buzz Band mussten sich auf der großen Bühne im Zelt vielleicht irgendwie verloren vorgekommen sein.
Diese Nebensache spielte bei dem harten Blues Rock ihres Auftritts aber keine Rolle. Hier wurde im wahrsten Sinn des Wortes geklotzt was das Zeug hielt. Allerdings in einem Bogen, den das Trio zu keinem Zeitpunkt des Gigs überspannte.
Auf Niki Buzz' Visitenkarte stehen unter anderem Joan Jett, Foreigner, Whitney Houston, Chaka Kahn, Kid Creole And The Coconuts oder The Village People. Namhaftes gab es auch an der Seite von Niki Buzz zu vermelden, denn kein Geringerer als Louis 'Pepper' Hymans (auch John Hayes) zupfte die dicken Saiten. Versierte Rhythmik in Form von Beats und Groove waren die Sache von Drummer Patrick Busy Inc. Wieber.
Vom Start weg begeisterte der Blues Rock der Niki Buzz Band. Zu "Anna Lee", "Diamons In The Rough" oder "Something Strange" wurde fleißig getanzt. Klar, dieser Zwölftakter motivierte und die Niki Buzz-Saiten-Exkurse waren von ganz besonderer Klasse. Da spürte man förmlich die seit Jahrzehnten andauernde Erfahrung des US-Amerikaners.
Highlights waren auch "Betty Sue" und "Rock In Ma Shoe". Die raue Stimme eines Niki Buzz passte perfekt zum Blues.

Because im Mai 2025 beim Blues in Zyfflich Festival

Because im Mai 2025 beim Blues in Zyfflich Festival

Der Gang in die vom Dorfplatz gegenüberliegende Kirche war beim Besuch des Because-Konzerts mehr oder weniger eine Stippvisite.
Überraschung! Alle Bänke im Gotteshaus waren voll besetzt. Da würden sich Glaubensgemeinschaften freuen, wenn so viele Leute zu deren Gottesdiensten kämen.
Der Because-Combo galt also besondere Aufmerksamkeit und die Eindrücke, die man von diesem kurzen Beiwohnen des Auftritts mitnahm, waren prägend.
Alleine bei der von außen wie auch innen in besonderes Licht gesetzte Kirche verspürte man schon eine extra Portion Gefühle und die sollten durch Because auch noch musikalisch dick unterstrichen werden.
Anmut äußerte sich in tollem Gesang und feinfühligen Gitarren-Klängen. Diese Formation wusste auf einfühlsame Weise Gänsehaut zu erzeugen.

The Hoochies im Mai 2025 beim Blues in Zyfflich Festival

The Hoochies im Mai 2025 beim Blues in Zyfflich Festival

Würde man bei den Auftritten der Bands die Anzahl der tanzenden Personen in die Bewertung einbeziehen, waren The Hoochies ganz weit vorne mit dabei.
Auf der kleinen Bühne in der Scheune wurde großartiger Blues/Blues Rock geboten.
Der infizierende Zwölftakter der niederländischen Combo ließ die sorgenvollen Blicke gen Himmel, ob sich Regen, Gewitter oder gar Hagel ankündigte, vergessen.
The Hoochies brachten 2019 "Live! Moulin Blues" auf den Markt. Einige Lieder auf der Platte wurden beim Blues in Zyfflich präsentiert.
Da war ganz besonders der "Mambo Boogie" angesagt. Sänger und Harper Richard Koster erhielt für seine Beträge auf dem kleinen Instrument Szenenbeifall, genauso wie Gitarrist Roelof Meijeringh für seine Alleingänge, die je nach Stimmung des Liedes entspannt oder zupackend ausfielen. Der Musiker hatte das Blues-Feeling auf den Fingerkuppen. Beide Daumen hoch.
Jules ten Brakel pumpte auf seinem Bass und er war genau der richtige Mann an der Seite von Schlagzeuger Chiel ten Vaarwerk. Beide machten die Rhythmik zu einem Highlight innerhalb der Stücke, wie zum Beispiel bei "Let’s Get High" oder in Bo Diddleys "Who Do You Love".
Mit diesem Gig, inklusive Zugabe, war bei The Hoochies Blue-Party angesagt.

Beaux Gris Gris & The Apocalypse im Mai 2025 bei Blues in Zyfflich Festival

Beaux Gris Gris & The Apocalypse im Mai 2025 bei Blues in Zyfflich Festival

In der Scheune ging das Programm auf der großen Bühne weiter mit Beaux Gris Gris & The Apocalypse.
Live vertreten waren unter anderem Songs aus den Alben Love & Murder, Good Times End Times sowie Hot Nostalgia Radio.
Das Quintett legte so furios los, als gäbe es kein Morgen mehr. Bereits der Opener "Trouble Is Coming" sorgte für eine tolle Stimmung vor der Bühne. Kein Wunder, denn die Band um die charismatische Sängerin Greta Valenti strotzte nur so vor Spielfreude. Die Frontfrau nahm auf sympathische Weise Kontakt zum Publikum auf und der Gitarrist Robin Davey nutze den Raum auf der Bühne. Bei Robin Davey läuten natürlich die Glocken, denn er ist auch bekannt durch The Hoax oder DVL.
Kev Hickman war Drummer von Catfish und seine Zusammenarbeit mit Musikern, Musikerinnen oder Bands ist quasi fast so lang wie eine Tapetenbahn.
Beaux Gris Gris & The Apocalypse lieferte nicht nur eine tolle Show ab, sondern beeindruckte in erster Linie durch ihr abwechslungsreiches Repertoire mit Songs wie "Gris Gris", "The Runaway", "Wild Woman", "I Told My Baby" und natürlich "What’s My Name". Robin Davey begeisterte durch seinen tiefgründigen Soli, die ebenfalls Richtung Himmel und darüber hinaus in psychedelische Gefilde gingen. Auch mit dem Bottleneck war er kompetent auf den Saiten unterwegs und seine Wah Wah-Pedal-Kreationen ließen einen mit der Zunge schnalzen.
Greta Valenti ließ ihren Emotionen immer wieder freien Lauf. Sie begeisterte nicht nur durch eine tolle Stimme, sondern darüber hinaus durch Mimik und Körpersprache.
Auch Charlie Kay, die Frau am fünfsaitigen Bass und Keyboarder Ross Munro machten den Auftritt von Beaux Gris Gris & The Apocalypse durch ihre Präsenz zu einem Highlight.

 

Kai Strauss & The Electric All-Stars im Mai 2025 beim Blues in Zyfflich Festival

Kai Strauss & The Electric All-Stars im Mai 2025 beim Blues in Zyfflich Festival

Als Headliner bildeten Kai Strauss & The Electric All-Stars den Abschluss des Blues in Zyfflich 2025.
Nach einem instrumentalen Opener von The Electric All-Stars enterte Kai Strauss die große Bühne im Zelt und sorgte bereits mit dem ersten Track "Stand Strong Together" für eine anziehende Wirkung. Wie war das mit dem Gradmesser der tanzenden Leute vor der Bühne für ein tolles Konzert? Volltreffer! Da bezauberte das Quartett mit seiner Song-Tour durch Alben wie Night Shift oder Getting Personal das Publikum. Großer Beifall nach allen Liedern war der Lohn für eine Band, bei der der Blues tief in der Seele verankert war. Nicht nur einmal betonte der Bandleader die besonders gute Laune bei den Anwesenden vor der Bühne. Blues-Party war angesagt.
Die Stimmung wurde durch höchst abwechslungsreiche Lieder wie "Guest In My House …", "You Gonna Need Me", "The Future & The Past", "You’re Killing My Love", oder "Storming In Chicago" hoch gehalten.
Immer wieder sorgte Kai Strauss bei seinen ausdrucksstarken, effektvollen und energetischen Soli für ein Lächeln der Freude in den Gesichtern. Der Slow Blues war ein Ausdruck von ganz starken Emotionen. Gänsehaut!
Auf der Hammond mit Leslie-Lautsprecher und den Keyboards bekam Paul Jobson für seine furiosen, zum Teil in den Jazz getauchten Alleingänge Szenenapplaus und dann sang er zu Piaonklängen den "Same Old Blues". Wow! Wieder Gänsehaut. Welch eine fantastische Stimme!
Henri Jerratsch beeindruckte durch gekonnte Beats, Shuffle und Grooves.
Bassist Kevin DuVernay ließ seine Finger geschmeidig über das Fretboard gleiten und er spielte einen herrlich melodischen Bass.
Ein grandioses Konzert von Kai Strauss & The Electric All-Stars endete mit der Zugabe "Feel So Bad".
Reinhard Meys "Guten Nacht, Freunde", vom Publikum gesungen, setzte, ganz traditionell, den endgültigen Schlusspunkt.

Das Blues in Zyfflich Festival bot hervorragenden Blues, der durch die acht Bands in einer farbenfrohen Vielfalt dargeboten wurde.
Definitiv hatte man beim zahlreich erschienen Publikum einen oder mehrere Favoriten ausgemacht. Die Bands vermittelten ihre Blues-Gene nicht nur hör- sondern sozusagen auch spürbar. Hats off!
RockTimes bedankt sich bei Michèl de Vries vom Blues in Zyfflich für den Platz auf der Gästeliste.
Ein besonderer Dank geht an alle freiwilligen Helfer für den großen Einsatz beim Festival.

Bildnachweis für alle Bilder des Events: © 2025 | Joachim Brookes | RockTimes

 

Über den Autor

Joachim 'Joe' Brookes

Genres: Blues, Blues Rock, Alternative Music, Space Rock, Psychedelic Music, Stoner Rock, Jazz ...
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Mail: joachim(at)rocktimes.de

1 Kommentar

  1. Ferdinand Sprenger

    Hallo,
    feiner Bericht und tolle Fotos.Joe.
    hab jetzt amtlich, was ich verpasst habe. Es geht leider nicht immer so wie man möchte.
    Gruß Ferdinand

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