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Brad Mehldau / Ride Into The Sun – CD-Review

"Ride Into The Sun" ist Brad Mehldaus Tribute an den amerikanischen Musiker Elliott Smith, der 2003 in Los Angeles im Alter von nur vierunddreißig Jahren verstarb.

Als Information zum Album schreibt Q-rious Music unter anderem: »[…] "Ride Into The Sun" […] Brad Mehldaus 22. Veröffentlichung (!) auf Nonsuch […] umfasst zehn Elliott Smith-Songs, ergänzt um vier Eigenkompositionen von Mehldau, die – wie er sagt >>von Smith inspiriert sind und sein Werk reflektieren<<. Ebenfalls auf dem Album: eine Interpretation von Big Stars "Thirteen", das auch Smith gecovert hat, sowie Nick Drakes "Sunday". […] Mehldau hat die Songs gemeinsam mit einer hochkarätigen Runde von Musiker:innen aufgenommen: Daniel Rossen (Grizzly Bear) […] Chris Thile (Punch Brothers, Nickel Creek) […] Felix Moseholm (u.a. Brad Mehldau Trio, Samara Joy) und John Davis […] sowie […] Matt Chamberlain (Fiona Apple, Tori Amos, Randy Newman). Zusätzlich kommt ein Kammerorchester unter der Leitung von Dan Coleman zum Einsatz […]«

Bei den Brad Mehldau-Kompositionen handelt es sich um "Ride Into The Sun (Part I)", "Ride Into The Sun: Conclusion", "Sweet Adeline Fantasy", "Somebody Cares, Somebody Understands".
Alleine durch die von Brad Mehldau geschrieben Lieder zeigt der Künstler ein inniges Verhältnis zu den Songs eines Elliott Smith. Die anderen Tracks sind auf hohem Niveau interpretiert. Nachvollziehbar, wenn der Protagonist sagt: »[…] Wenn ich Musik höre, habe ich manchmal das Gefühl, in Verbindung zu treten mit jemandem, der nicht mehr da ist – so wie mit ihm. […]«

Die Besetzung der Songs reicht von großformatig mit Orchester über kleinere Line-ups bis hin zu Solo-Beiträgen von Brad Mehldau am Piano.
Außerdem singen Daniel Rossen und Chris Thile in drei Nummern.
Hinzu kommen noch je ein Coversong von Big Stars ("Thirteen") und Nick Drakes "Sunday".
So ist alleine vom Papier her Abwechslung angesagt und die wird durch die sehr persönliche Interpretation der Elliott Smith-Tracks noch enorm gesteigert.

Das Überschreiten von Genres ist bei der vorliegenden Platte sehr überzeugend gelungen und lässt keine Grenzen erkennen.
"Tomorrow Tomorrow" ist ein akustisches Stück von Daniel Rossen mit einer sehnsüchtigen Stimme gesungen. Beim herrlichen Brad Mehldau-Piano-Solo driftet die Nummer in Richtung Fusion, nur um dann wieder bis zum Ende ins flott vorgetragene Singer/Songwriter-Gefilde überzugehen.
Die folgenden beiden Lieder ("Sweet Adeline", "Sweet Adeline Fantasy") stehen stellvertretend für die Solo-Beiträge eines Brad Mehldau. Man ist hingerissen von der Mischung aus Modern Jazz sowie klassischen Elementen. Beeindruckend fließen die Piano-Läufe Kaskaden herunter. Brad Mehldau ist ein ausdrucksstarker Virtuose auf den weißen und schwarzen Tasten.
Felix Moseholm verziert die Gänsehaut-Ballade "Between The Bars" mit einem wunderschönen Solo auf dem akustischen Bass.

"Better Be Quiet Now" eröffnet den Reigen der sechzehn Lieder mit einem langen, höchst gefühlvollen Piano-Intro. Das Chamber-Orchester gibt dem Stück Weite. Gleich zu Beginn ein Highlight!
Das Orchester vermittelt uns an anderen Stellen auch sehr zurückhaltende Stimmungen, wie zum Beispiel bei "Sunday".

"Ride Into The Sun: Conclusion" strahlt förmlich als überragender Abschluss des Albums.
Kompositorisch, vom Arrangement her und mit feinfühligem Orchester, einem Cello-Solo von Sophie Shao kann als wunderschöne Zusammenfassung der Musik auf dieser Veröffentlichung angesehen werden.

"Ride Into The Sun" von Brad Mehldau ist ein Meisterwerk aus Modern Jazz, Vocal Jazz sowie Alternative Music.


Line-up Brad Mehldau:

Brad Mehldau (piano – #1-16)
Daniel Rossen (lead vocals – #3,12, acoustic guitar – #3,10,12,14,16, electric guitar – #10,12, backing vocals – #10)
Chris Thile (lead vocals – #14, mandolin – #3,14, backing vocals – #3)
John Davis (acoustic bass – #1,11, electric bass – #2,10,15,16)
Felix Moseholm (acoustic bass – #3,6,12,14)
Matt Chamberlain (drums – #1-3,6,10-16, percussion – #2,13, screams – #2)
Ellen DePasquale (violin solo – #1)
Alex Sopp (flute solo – #15)
Sophie Shao (cello solo – #16)
Orchestra (#1,2,7,8,11,15,16)

Tracklist "Ride Into The Sun":

  1. Better Be Quiet Now (4:03)
  2. Everything Means Nothing To Me (5:20)
  3. Tomorrow Tomorrow (4:03)
  4. Sweet Adeline (3:22)
  5. Sweet Adeline Fantasy (4:45)
  6. Between The Bars (5:02)
  7. The White Lady Loves You More (4:41)
  8. Ride Into The Sun [Part I] (3:20)
  9. Thirteen (4:01)
  10. Everything Cares, Everybody Understands (4:02)
  11. Somebody Cares, Somebody Understands (3:49)
  12. Southern Belle (3:53)
  13. Satellite (3:53)
  14. Colorbars (5:24)
  15. Sunday (3:34)
  16. Ride Into The Sun: Conclusion (9:38)

Gesamtspielzeit: 72:47, Erscheinungsjahr: 2025

Über den Autor

Joachim 'Joe' Brookes

Genres: Blues, Blues Rock, Alternative Music, Space Rock, Psychedelic Music, Stoner Rock, Jazz ...
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