Wir leben zweifelsfrei in verrückten Zeiten. So kann es in musikalischer Hinsicht schon einmal passieren, dass ein gerade 20 Jahre altes Album einer 1968 gegründeten Band in den Fokus gerät, weil genau diese Produktion mit neuem Cover, digital überarbeitet und einigen Bonustracks neu erscheint. Überarbeitete Alben rücken scheinbar dem Erscheinungsdatum des Originals immer näher. So geschehen mit Deep Purples "Rapture Of The Deep" aus dem Jahr 2005. Um es deutlich zu sagen: Wer das Album sein Eigen nennt, darf für sich in Anspruch nehmen, ein solides Album der Hard Rock-Legende erworben zu haben. "Rapture Of The Deep" ist abwechslungsreich, modern und frisch komponiert, es macht einfach gute Laune. Dabei muss sich die Produktion gar nicht in die großen Meisterwerke einreihen, um ernst genommen zu werden.
Das 18. Studioalbum von Deep Purple vereint im Original auf zehn Stücken Tradition und Moderne einer stets innovativen Band. Das Album wirkt keineswegs altbacken, nur weil es eingangs des letzten Drittels der bisherigen Bandgeschichte entstanden ist. Zur Produktion gehört, dass Deep Purple munter experimentiert haben, sodass beispielsweise "Girls Like That" ein wenig nach Pop klingt, während der Einstieg "Money Talks" den vom Bluesrock geprägten Sound der Band charakterisiert. Die Folge ist ein Improvisieren im Stile der Formation, die schon immer verschiedene Genre verarbeitet hat. Das gelingt auf eine geradezu besondere Weise, weil der Blick nach vorn gerichtet ist: Loslösen von der Verpflichtung, wie Deep Purple in den Anfangstagen klingen zu müssen.
Die nunmehr neu aufbereitete Version enthält in "Money Talks" noch immer das stark gewöhnungsbedürftige Intro, das wie ein Fremdkörper wirkt. Unterschiede im Ganzen kann man zwischen beiden Album-Fassungen nicht heraushören. Das unter der Aufsicht von Roger Glover neu gemischte Werk enthält mit "MTV" und "Things I Never Said« zwei neue Lieder, die man sofort zu den Favoriten zählen darf. Ein atmosphärischer Höhepunkt bleibt "Back To Back". Spricht man in Bandkreisen von einem »Wendepunkt«, so darf man dies mit gutem Gewissen unterschreiben. Dafür sprechen die Fakten. Das Album hatte damals kein Label, es war eine gewisse Form der Unsicherheit entstanden. Genau aus diesem Umstand heraus wuchs eine kreative Kraft, die später in eine Serie von vier Nr.1-Alben mündete (2013, 2017, 2020, 2024).
»Es ist für mich jetzt ein neues Album«, sagt Bassist Roger Glover zu dem in den Hamburger Chameleon Studios analog gemasterten Album, das zusätzlich ein auffälliges neues Artwork erhielt. Die zweite CD enthält seltene Aufnahmen, die den Songwriting- und Probenprozess dokumentieren sollen. Darunter befindet sich als Abschluss das bislang ungehörte Instrumental "Closing Note" von Steve Morse. Die teils druckvollen Aufnahmen mögen durchaus interessant klingen, warum aber auf der kompletten zweiten Scheibe Sänger Ian Gillan nicht ein einziges Mal zu hören ist, bleibt das Geheimnis aller Akteure.
Die Unterschiede sind benannt und überlassen jedem Fan die Entscheidung, ob die Jubiläumsausgabe Einzug in die heimische Umgebung hält. "Rapture Of The Deep 20th Anniversary Remix" revolutioniert die Erstausgabe von 2005 nicht, es beinhaltet aber ein paar neue Farbtupfer, die gut in eine Sammlung passen.
RockTimes hat das Album bereits im Erscheinungsjahr 2005 rezensiert und dazu gibt es gleich drei Meinungen nachzulesen; und zwar von Frank, Olli und Evi. [Die Red,]
Line-up Deep Purple:
Ian Gillan (vocals)
Steve Morse (guitar)
Roger Glover (bass)
Ian Paice (drums)
Don Airey (keyboards)
Tracklist "Rapture Of The Deep 20th Anniversary Remix":
CD 1:
- Money Talks
- Things I Never Said
- Rapture Of The Deep
- Clearly Quite Absurd
- MTV
- Back To Back
- Wrong Man
- Girls Like That
- Kiss Tomorrow Goodbye
- Don’t Let Go
- Junkyard Blues
- Before Time Again
CD 2 (Bonus CD):
- MTV
- Money Talks
- Back To Back
- Before Time Began
- Closing Note
Gesamtspielzeit: 59:35 (CD 1), 21:17 (CD 2), Erscheinungsjahr: 2025 (2005)



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