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Dream Theater "40th Anniversary Tour" – Konzertbericht, 12.07.2025, Stadionpark, Nürnberg

Dream Theater, 12. Juli 2025 Stadionpark Nürnberg Open Air

Der Besucherandrang auf dem etwa 25-minütigen Pilgerweg zwischen der U-Bahn-Station Bauernfeindstraße und dem Max-Morlock-Stadion in Nürnberg hielt sich eineinhalb Stunden vor Konzertbeginn in Grenzen. Er erinnerte vielmehr an einen Familienwandertag und weniger an die Szenen, die uns in diesen Tagen von vielen großen Open Airs in Deutschland erreichen.

Auf dem Gelände des Nürnberger Stadionparks in unmittelbarer Nachbarschaft zur Fußballarena gab es schon ein anderes Bild: Viele Gäste hatten die Anreise mit dem Auto gewählt oder nutzten statt des offiziellen Anreiseweges per U-Bahn im öffentlichen Nahverkehr die S-Bahn.

Stadionpark-Open Air-Sommer nennt sich die Reihe, die Dream Theater am 12. Juli 2025 für diese Saison abschlossen

Stadionpark-Open Air-Sommer nennt sich die Reihe, die Dream Theater am 12. Juli 2025 für diese Saison abschlossen

Das Konzertgelände war zu diesem Zeitpunkt gut gefüllt, aber auch hier ging noch ein wenig mehr. Konzerte mit Dream Theater sind selten ausverkauft, so erfolgreich und beliebt bei den Fans die US-amerikanische Band auch ist. 40 Jahre nach ihrer Gründung bleibt Progressive Metal eine gewisse Nische. Im Bekanntenkreis ist es oft zu erleben, dass beim Thema Dream Theater das Interesse verhalten bleibt. Die konzertante, sehr komplexe und damit durchaus anspruchsvolle Musik ist nicht jedermanns Sache. Fans hingegen können gar nicht genug davon bekommen, zumal ihre Lieblinge immer wieder in puncto Setliste und Spieldauer zu überraschen wissen, mal mit, mal ohne Vorband.

Der Besucherzuspruch, eine völlige entspannte Atmosphäre auf dem Veranstaltungsgelände und das Wetter, das sich zum Abend wieder beruhigt hatte, waren die idealen Voraussetzungen für ein denkwürdiges Konzert mit dem 'Traumtheater' in der Frankenmetropole. Dream Theater spielten am 12. Juli 2025 zum Abschluss der diesjährigen Konzertreihe im Rahmen der Stadionpark Open-Airs. »Nürnberg hat eine neue und einmalige Sommer-Veranstaltungsstätte bekommen. Zentral gelegen, perfekt erreichbar, direkt neben dem Stadion und doch mitten im Grün der Natur. Immer Ende Juni, Anfang Juli finden hier herausragende Konzerte sowie Festivals unter freiem Himmel statt«, heißt es auf der Website des Veranstalters. Diese Ankündigung ist keineswegs zu hochgestapelt, wenn man erst einmal die Kulisse mit guter Infrastruktur erlebt hat.

Dream Theater wussten in Nürnberg mit einem zweieinhalbstündigen Programm zu überzeugen.

Dream Theater wussten in Nürnberg mit einem zweieinhalbstündigen Programm zu überzeugen.

Das Konzertereignis stand gleich unter zwei besonderen Vorzeichen. Es ist die erste Tour nach langer Pause mit Mike Portnoy. Der Schlagzeuger und Bandgründer, der die Formation 2010 aufgrund einer beabsichtigten kreativen Pause verlassen hatte, um damit neue Projekte angehen zu können, gehört seit 2023 wieder zum Quintett. Vorhaben konnte er mit vielen Musikern realisieren, aber die Sehnsucht nach der von ihm 1985 mitbegründeten Formation konnte er offensichtlich nicht abstreifen. Dass es mit Gitarrist John Petrucci und Bassist John Myung zwei weitere aktive Gründungsmitglieder gibt, Sänger James LaBrie (seit 1991) sowie Keyboarder Jordan Rudess (seit 1999) als Langzeitmitglieder ebenfalls Inventarnummern tragen, macht die fünf Musiker als kreatives Ensemble so unverwechselbar. Man versteht sich auf der Bühne blind. Das ist ein gewichtiger Trumpf, den die Musiker in jedem Konzert und auf jeder Produktion nach Herzenslust ausspielen.

Die zweite Besonderheit des Nürnberger Gastspieles war, das John Petrucci genau an diesem Tag seinen 58. Geburtstag feierte. Seit 40 Jahren fest etabliert und dennoch im besten Musikeralter – an eine Steigerung mag man gar nicht denken. Die Gitarrenlegende ist Vorbild und Musiklehrer und verzichtete auch im Nürnberger Stadionpark auf lange Soli. Nur ein kurzes, von James LaBrie angestimmtes "Happy Birthday" aus den Kehlen der Besucher – das war’s auch schon am Ehrentag des Gitarristen, zumindest für die Dauer des Konzertes. Für die Fans gab es das sichere Gefühl, mit 'ihrem' Idol den Geburtstag gemeinsam begangen zu haben. Eben das Wir-Gefühl, das Musiker und Fans bei dieser Band so verbindet. Bei einigen Moderationen machte James LaBrie auf das einzigartige Verhältnis mit den deutschen Zuhörern aufmerksam.

Gitarrist John Petrucci stand in Nürnberg an seinem 58. Geburtstag gewohnt souverän auf der Bühne

Gitarrist John Petrucci stand in Nürnberg an seinem 58. Geburtstag gewohnt souverän auf der Bühne

Vor Konzertbeginn war der Blick auf die große Bühne frei, lediglich das Schlagzeug war mit einem schwarzen Tuch bedeckt. Als ein Techniker dieses Tuch zur Seite schob, war allen klar: Dream Theater spielen in Nürnberg allein und ohne Vorband. Bühne frei also für einen langen Konzertabend mit der Lieblingsband. Um es vorwegzunehmen: Eine 15-minütige Pause eingeschlossen, dauerte das Programm effektiv zweieinhalb Stunden. In Zahlen ausgedrückt: Die Show dauerte so von 19.00 Uhr bis 21.45 Uhr. Dabei gab es nicht eine Sekunde Verspätung zu Beginn.

Das Set war ein Best Of mit Liedern aus zehn Alben, aus der Zeit von 1992 bis 2025. Mit dem Opener "Night Terror" und "Midnight Messiah" erklangen zwei Titel aus dem 2025er Werk Parasomnia. Beide Tracks aus dem ersten Album, das nach der Rückkehr von Mike Portnoy entstanden ist, sind in ihrer Klangstruktur sehr typisch für die Musik von Dream Theater. Mit zehn beziehungsweise acht Minuten Spielzeit passen sie auch beide in dieser Beziehung gut zum Charakter der Gruppe. Das Gros der Titel machte jedoch Metropolis Pt. 2: Scenes from a Memory mit vier Nummern aus. Damit wird deutlich, dass das im Oktober 1999 veröffentlichte 'Jahrhundertwerk' nicht nur bei den eigenen Fans zu den Dauerbrennern zählt. Hier kommt zur Virtuosität der gepflegte Satzgesang hinzu.

Das Veranstaltungsgelände in Nürnberg

Das Veranstaltungsgelände in Nürnberg

"Pull Me Under" und "Take The Time" erklangen aus dem Studioalbum Images And Word (1992), mit dem die Band ihren Durchbruch einleiten konnte. Es waren zugleich die zwei ältesten in Nürnberg zu Gehör gebrachten Werke, die klar zu den Favoriten des Konzertes zählten, wobei die Zuhörer "Pull Me Under" besonders lautstark mitsangen. "Falling Into Infinity" (1997) aus der gleichen Dekade kam gleichfalls mit zwei Titel zu Ehren. Es erklangen daraus "Hollow Years" und "Peruvian Skies". Mit musikalischen Anleihen bei Metallica ("Wherever I May Roam") und Pink Floyd ("Wish You Were Here") gehörte "Peruvian Skies" zu den dargebotenen Glanzlichtern. Die Komposition erinnert insgesamt sehr stark an die Musik von Pink Floyd, was nicht automatisch bedeutet, dass Progressive Metal sich in die Nähe des Progressive Rock begibt. Allemal ein erfolgreiches Experiment, das ebenfalls gut ankam.

Mit Liedern, die zum Teil selten gespielt wurden, bot das Konzert Abwechslung in jeder Hinsicht. Mit dem Merkmal, dass es viel Raum für ruhige Passagen gab, beispielsweise bei "Hollow Years" und "Take The Time". Dass solch ein Konzertabend zu schnell vergehen kann, ist keine neue Erkenntnis, es traf jedoch auf diesen Abend sehr deutlich zu. Die Besucher verließen das Gelände in dem sicheren Gefühl, ein Maximum Dream Theater bekommen zu haben, wie immer die persönliche Erwartungshaltung zuvor aussah. Unverwechselbar, ohne spektakuläre Einlagen, fokussiert auf die Musik. Das ist das 'Traumtheater' 40 Jahre nach Bandgründung. Routine ist genau das Wort, das es bei diesen Musikern garantiert nicht gibt.

RockTimes bedankt sich bei Oktober Promotion für den Platz auf der Gästeliste.

Bildnachweis für alle Bilder des Events: © 2025 | Mario Keim | RockTimes


Line-up Dream Theater:

James LaBrie (vocals)
John Petrucci (guitars)
John Myung (bass)
Jordan Rudess (keys)
Mike Portnoy (drums)

Über den Autor

Mario Keim

Musikstile: Heavy Rock, Rock, Deutschrock, Hard Rock
Marios Beiträge im RockTimes-Archiv

2 Kommentare

  1. Martyn

    Danke für den coolen und sachlichen Bericht.
    Auch wenn es nicht die Musik für die Masse ist, bin ich froh das DT wieder Nürnberg heimgesucht hat.
    Einfach nur begnadete und kreative Musiker.
    Grüße
    Martyn

    1. Mario

      Hallo Martyn,
      habe vielen Dank für Deine Worte. Ich freue mich immer über Feedback. Du hast die Situation sehr gut auf den Punkt gebracht. Ich erlebe in meinem Umfeld viele Musikfans, die mit DT wenig bis gar nichts anfangen können oder DT gar nicht erst kennen.
      Ich fand die Atmosphäre an dem sommerlichen Tag in dem Ambiente neben dem Stadion angenehm. Ich durfte mich über einen Gästepass für RockTimes freuen, Fotos waren aber diesmal für mich tabu (zuvor war ich schon einige Male als Fotograf dabei). Doch das ist zweitrangig.
      Du kannst mich aber sicher verstehen, dass ich mich darüber ärgere, wenn ich lesen muss, dass sich Lokalmedien aus Nürnberg anschließend mit den Bärten der Musiker und der Frage, was James LaBrie in seiner ‚freien‘ Zeit als Sänger macht, beschäftigen.
      Ganz gleich, wir bleiben weiter am Ball. Denn DT sind einfach einmalig gut.
      Alle Gute Dir.
      Grüße von Mario

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