Im Jahr 1978 schickte das im amerikanischen Bundesstaat California ansässige Label Beserkley Records mit der Greg Kihn Band, The Rubinoos, Earth Quake sowie der Tyla Gang vier seiner Bands auf Europa-Tour, die in Deutschland alle vom WDR-Rockpalast gekrallt und unter Vertrag genommen wurden. Nun hatten wir ja vor kurzem erst das für die Band nicht gerade schmeichelhafte Review zu dem Gig der Rubinoos und jetzt… tja, jetzt liegt mir das Konzert von Earth Quake vor. Da war beim Rezensenten erstmal eine Portion Skepsis vorhanden, wohin die Reise dieses Mal geht. Was jedoch, um es mal vorweg zu nehmen, vollkommen unnötig war. Denn die Kalifornier entpuppen sich beim Anhören der CD und auch Anschauen der DVD als wahres Rock-Powerhouse mit klasse Musikern und einem starken Frontmann. Aufgenommen am 15. März 1978 im Hamburger Audimax ging bei den zelebrierten acht Tracks so richtig die Post ab. Aber eins nach dem anderen.
Bereits beim ersten Track "Lovin' Cup" (NICHT der Rolling Stones-Song) nehmen Earth Quake keine Gefangenen. Die Gitarristen hauen ihre Riffs raus, das Schlagzeug explodiert fast und auch Stan Miller am Bass legt sich mächtig ins Zeug. Wow, erstmal beeindruckend. Vor allem, weil die Band mit John Doukas auch einen bärenstarken Frontmann in ihren Reihen hatte. Okay, die Stimme würde man zwar nicht aus Hunderten raushören können, aber der im Jahr 2011 verstorbene Doukas verfügte über eine kräftige Rock-Stimme, mit der er auch richtig Alarm machen konnte. Als zweite Nummer ist "Hit The Floor" am Start und überzeugt ebenso wie der Opener. Beide Gitarristen sind fantastisch drauf und steigern sich gegenseitig immer weiter. "Stayin' Out"? Alle Schleusen sind geöffnet und die Band rockt ohne Rücksicht auf Verluste geradeaus nach Vorne. Klasse, das macht richtig Spaß! Und ebenso wie ich mich im vorangegangenen Review gefragt hatte, wieso mir The Rubinoos bisher kein Begriff waren, so geht es mir nun – allerdings im positiven Sinn – mit Earth Quake.
Die Band hatte in den Siebzigern mit dem Easybeats-Cover "Friday On My Mind" einen größeren Hit, der an diesem Abend natürlich auch zelebriert wurde. Durchaus cool und zum restlichen Programm passend, aber ganz ehrlich: Alle anderen sieben Tracks, also die original von der Band geschriebenen Songs, gefallen dem Rezensenten deutlich besser. Bei dem einzigen etwas schwächeren Track handelt es sich um "Saving My Love", was aber möglicherweise auch reine Geschmackssache ist. Die Band wurde bereits 1966 in San Francisco gegründet und hatte natürlich schon so einige Jahre im Studio und vor allem auf dem Live-Sektor auf dem Buckel. Allerdings hat man durchgehend das Gefühl, dass da immer noch jede Menge Adrenalin am Start und Feuer unter dem Dach war, anstatt es mit abgezockten Profis zu tun zu haben. Und ein Publikum sollte sowieso niemals unterschätzt werden, denn wer im Konzert dabei ist oder sich das zu Hause über die Flimmerkiste anschaut, der merkt durchaus, ob da Herzblut im Spiel ist, oder einfach nur routinemäßig ein weiterer Gig runter gerissen wird.
Entgegen den Rubinoos ist dieses CD + DVD-Package also eine absolute Empfehlung an die Freunde gut und ehrlich gemachter, mit Adrenalin gespielter und durchgeschwitzter Rock-Musik. Die Band selbst hatte sich ganz offensichtlich auch komplett rein geschmissen und verausgabt, zumindest kann man die Aussage von John Doukas vor der letzten Nummer "Trainride", nämlich »Okay, we’re ready for the bottle now!« so werten. Das ein oder andere Schlückchen hatten sie sich nach diesem klasse Auftritt dann aber auch redlich verdient. Aus jetziger Sicht sogar schade, dass den Amerikanern mit einer Spielzeit von knapp fünfzig Minuten gerade mal soviel Zeit wie für eine Vorband gegeben wurde. Sicher ist, dass zumindest der Rezensent nun auch Ausschau nach den Studioalben aus den siebziger Jahren halten wird, denn die können nach dem gerade reviewten Konzert eigentlich gar nicht schlecht sein. Eher das Gegenteil dürfte zutreffen. Dicke Empfehlung!
Line-up Earth Quake:
Robbie Dunbar (guitar, vocals)
Gary Phillips (guitar, vocals)
John Doukas (piano, lead vocals)
Stan Miller (bass, vocals)
Steve Nelson (drums)
Tracklist "Live At Rockpalast 1978":
- Lovin' Cup
- Hit The Floor
- Stayin' Out
- Street Fever
- Mr. Security
- Saving My Love
- Friday On My Mind
- Trainride
Gesamtspielzeit: 46:55 (CD), 50:00 (DVD), Erscheinungsjahr: 2025 (1978)



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