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Ella Fitzgerald / Live At Falkoner Theatre Copenhagen 6th February 1966 – CD- Review

Ella Fitzgerald / Live At Falkoner Theatre Copenhagen 6th February 1966 – CD- Review

2014 war es, als ich mich auf eine Zeitreise mit Ella Fitzgerald begab. Dort spielte die Musik im Jahr 1956. Nun sind wir zehn Jahre weiter, wenn sich Ella "Live At Falkoner Theatre Copenhagen" vorstellt, genauer gesagt, war das am 6. Februar 1966. Die seinerzeit gefertigten Bänder galten als verschollen, bis das fast vernichtete Tape der Radioaufnahme in einem Privatarchiv vom Label Gearbox Records entdeckt wurde.

Uns werden zehn Songs geboten, davon wurden die ersten sieben mit dem Duke Ellington Orchester und die drei letzten aus einem Nachmittags-Set in Trio-Besetzung eingespielt. Für Ella war Dänemark bereits eine Art zweiter Heimat geworden, so trat sie in dem Land seit 1952 regelmäßig auf und besaß dort auch ein Apartment. Sie soll in Dänemark dieses gewisse Maß an Freiheit und Respekt genossen haben, was ihr so nicht in den Vereinigten Staaten zuteil wurde.

Und diese Leichtigkeit spürt man dann auch bald, wenn mit "Satin Doll" eingeleitet wird, zwar nur knapp drei Minuten lang, aber sehr ausdrucksstark. In Abwesenheit von Duke Ellington selbst wurde sein Orchester vom Pianisten Jimmy Jones geleitet, der ja letztlich auch die drei Trio-Aufnahmen mit seinem Trio auskleidete. Yeah, und Ella hat hier 'voll den Blues' in der Stimme, gleitet durch diesen Song, "Satin Doll", mit einer Geschmeidigkeit, die mich ins Verzücken versetzt!

Und so positioniert sie sich ständig als eine der besten Jazzsängerinnen, mit jedem Stück präsentiert sie ihren Stimmumfang, ihr enormes Feeling, volle Spielfreude und Energie, und neben einigen rauen Untertönen gibt es herrlich elegante Passagen. Und all das steckt sie in relativ kurze Songs, und da sticht daher dann auch das knapp über acht Minuten dauernde "How High The Moon" hervor, scatted sie hier doch auch über enorm swingenden Untergrund der Band und weitet den Song sozusagen noch als Medley aus, denn es sind  "A Hard Days Night" der Beatles und "Smoke Gets In Your Eyes" der Platters eingearbeitet! Bei etwa Minute Fünf fährt die Band zurück, und Ella und Drummer Gus Johnson gestalten diese Passage gemeinsam! Hierbei flicht sie darüber hinaus mit "I Got Plenty O' Nuttin'" noch einen früheren ihrer Songs aus "Porgy & Bess" ein.

Ihre facettenreiche Stimme kommt dann noch auf so unterschiedliche Art und Weise zum Vortrag, wenn man zum Beispiel diese sehr raue Art bei "Let’s Do It, Let’s Fall In Love" dem absolut zart-zärtlichen "Lover Man (Oh Where Can You Be?)" gegenüberstellt. Und gerade hier kann sie ihre großartige Weise, Songs in solche emotionale Verpackungen einzuhüllen, mit voller Inbrunst präsentieren. Ja, und das kann dann, Empfänglichkeit vorausgesetzt, beim Hören und Genießen herrlich nachvollzogen werden! Die Lady beherrschte einfach eine solch große Bandbreite, von Blues, Jazz, Gospel, Bossa Nova und Musical, alles ganz locker und wie selbstverständlich klingend. Apropos Bossa Nova, schon erklingt er mit "Só Danço Samba (Jazz ’n' Samba)", und ab hier dann also mit Trio-Begleitung.

Und so wird dann auch der Vortrag beendet mit "Mack The Knife", und mit diesem Song hängt schließlich auch eine Geschichte zusammen! Denn als sie 1960 diesen Titel live in der Deutschlandhalle präsentierte, vergaß sie doch tatsächlich den Text, und improvisierte dann ganz gelassen darüber mit Scat-Gesang, und fügte spontan selbst einige Textzeilen hinzu, und darüber hinaus war dort noch eine kleine Imitation von Louis Armstrong enthalten, in Kopenhagen orientiert sie sich natürlich an jener legendär gewordenen Version aus 1960.

Ja, alle, die diesem Konzert in Kopenhagen beiwohnen konnten, sollten sich glücklich schätzen, die Künstlerin dermaßen locker und befreit erlebt haben zu können! Im Übrigen entstand einen Abend später die Live-Einspielung "The Stockholm Concert 1966".


Line-up Ella Fitzgerald:

Ella Fitzgerald (vocals)
Backed by:
Duke Ellington Orchestra featuring Jimmy Jones Trio (#1-7):
Jimmy Jones (piano, director, arranger)
William 'Cat' Anderson, Mercer Ellington, Herb Jones, Cootie Williams (trumpets)
Lawrence Brown, Buster Cooper (trombone)
Chuck Connors (bass trombone)
Johnny Hodges (alto saxophone)
Russell Procope (alto saxophone, clarinet)
Paul Gonsalves (tenor saxophone)
Harry Carney (baritone saxophone, clarinet, bass clarinet)
Jimmy Hamilton (clarinet, tenor saxophone)
Joe Comfort (double bass)
Gus Johnson (drums)

Jimmy Jones Trio (#8-10):
Jimmy Jones (piano)
Joe Comfort (double bass)
Gus Johnson (drums)
Joined by:
Cootie Williams (trumpet)
Jimmy Hamilton (clarinet)

Tracklist "Live At Falkoner Theatre Copenhagen 6th February 1966":

  1. Satin Doll (Duke Ellington, Billy Strayhorn, Johnny Mercer) [2:57]
  2. Hey Little Girl (Otis Blackwell, Bobby Stevenson) [2:22]
  3. Something To Live For (Billy Strayhorn) [4:25]
  4. Let’s Do It, Let’s Fall In Love (Cole Porter) [4:52]
  5. Sweet Georgia Brown (Ben Bernie, Maceo Pinkard, Kenneth Casey) [3:13]
  6. How High The Moon (Morgan Lewis, Nancy Hamilton) [8:07]
  7. Lover Man (Oh Where Can You Be?) (Jimmy Davis, Roger Ramirez, James Sherman) [5:11]
  8. Só Danço Samba (Jazz ’n' Samba) (Antônio Carlos Jobim, Vinicius Moraes, Norman Gimbel) [3:19]
  9. I’m Just A Lucky So-And-So (Duke Ellington, Mack David) [3:16]
  10. Mack The Knife (Kurt Weill, Bertolt Brecht, Marc Blitzstein) [3:09]

Spielzeit: 40:52 Erscheinungsjahr: 2026 (1966)

Über den Autor

Wolfgang Giese

Hauptgenres: Jazz, Blues, Country
Über mich: Althippie, vom Zahn der Zeit geprägt, offen für ALLE Musikstile
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Mail: wolfgang(at)rocktimes.de

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