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Foreigner / All Engines On – Live In London – CD-Review

Foreigner / All Engines On – Live In London CD-Review

Alle Kraft voraus! Wenn es in dem Album "Live In London" der britisch-amerikanischen Rockband Foreigner im Untertitel "All Engines On" heißt, dann drückt dieser Zusatz das Konzerterlebnis treffend aus. "All Engines On – Live In London" ist der Live-Mitschnitt aus dem Camden Roundhouse in London anlässlich des iTunes-Festivals überschrieben. Das Konzert fand am 25. Juli 2010 statt, es wurde noch im gleichen Jahr digital veröffentlicht. Jetzt ist das Konzert erstmals remastert auf CD und Vinyl erschienen.

"All Engines On" passt deshalb sehr gut als Titel, weil die Band derart entfesselt aufspielt, dass überlieferte und zu kurz greifende Attribute wie Mainstream in den Hintergrund geraten dürften. Tatsächlich hört man eine Band, deren Spielfreude sich wie die bekannten Titel zu einem besonderen Markenzeichen entwickelt haben. Genannt seien stellvertretend "Double Vision", "Cold As Ice", "Urgent" und "I Want To Know What Love Is". Es sind unvergessene Klassiker jener Formation, die sich nach großen Stadionkonzerten in den 1980er Jahren bis heute einen Stammplatz in den Radiostationen erspielt hat. Darin liegt wohl zugleich das einzige Manko. Da im späteren Verlauf der Bandgeschichte Neuproduktionen eher seltener wurden, haben die Musiker ihren Platz mehr im Radio und weniger auf Produktionen.

Eine Live-Produktion, wie das bei earMUSIC neu erschienene Album "All Engines On – Live In London", bringt eine authentische Band wie Foreigner dem Hörer noch besser nahe. Das Konzert war dazu angetan, das Improvisieren zu befördern. Ein gutes Beispiel liefert das orchestrale Vorspiel mit Gitarrenuntermalung bei "Urgent". "Want To Know What Love Is" liefert den Beweis, dass aus Kuschelsongs Ohrwürmer und sogar Hymnen gedeihen können.

Ohrwurm bleibt bei Foreigner das Stichwort schlechthin. Insofen ist "All Engines On – Live In London" mit zehn eingängigen Kompositionen ein durchaus repräsentatives Werk, das man einerseits Fans mit gutem Gewissen empfehlen kann, das aber ebenso Musikliebhabern ans Herz gelegt werden kann, die sich erst noch an Foreigner herantasten möchten. Ein Live-Mitschnitt ohne Fehl und Tadel als ausdrückliche Empfehlung einer fast 50-jährigen Band, die sich ihren Platz »zwischen kraftvoller Rockmusik und eingängigem Pop« erspielt hat, wie es offiziell vom Label heißt. Pop ist in diesem Fall ganz klar eine Frage der Auslegung. Markenzeichen der Lieder sind der dezente Einsatz von Keyboard und Saxophon, sodass aus jeder Komposition etwas Besonderes wird.

Bei allen Etiketten und Schubladen sollte man nicht vergessen, dass Foreigner 2006 sogar beim einstigen Kult-Festival-"Bang Your Head" in Balingen auftraten. Wer weiß, vielleicht hatte jenes Gastspiel sogar mit dazu gefühlt, dass die Musiker sich scheinbar näher dem Hard Rock verbunden fühlten. Vielleicht spielten sie deshalb so entfesselt auf und lieferten ein solides Live-Album ab. Gut, das ist reine Spekulation. Zehn Lieder, die einfach nur Spaß machen. Mich erinnern Foreigner und deren Kompositionen sehr an Men At Work aus Australien, die ebenfalls in den 1980er Jahren ihre größte Zeit hatten. Ein 'Gute-Laune'-Genre gibt es zwar nicht, aber die genannten zwei Bands, und so manche andere dazu, hätten sich einen Eintrittskarte dazu redlich verdient.

Der Konzertmitschnitt aus dem Jahr 2010 ist gleichzeitig eine inoffizielle Hommage an Sänger Kelly Hansen. Er gehörte von 2005 bis 2025 der Band an und erinnert in seiner Stimmlage an Gründungsmitglied Lou Gramm, der von 1976 bis 1990 und anschließend von 1992 bis 2003 Frontmann bei Foreigner war. Unter einer Vielzahl an Neuproduktionen beziehungsweise aufpolierten Neuerscheinungen ist "All Engines On – Live In London" für mich ein gutes Beispiel dafür, wie man Fans einer Band etwas Gutes in die Hände geben kann.


Line-up Foreigner ("All Engines On – Live In London", 2010)

Mick Jones (lead & rhythm guitars, keys, lead vocals – #6)
Kelly Hansen (lead vocals, percussion)
Jeff Pilson (bass)
Tom Gimbel (guitars, saxophone, flute)
Michael Bluestein (keyboards)
Jason Sutter (drums)

Tracklist "All Engines On – Live In London":

  1. Double Vision
  2. Cold As Ice
  3. When It Comes To Love
  4. Dirty White Boy
  5. That Was Yesterday
  6. Starrider
  7. Feels Like The First Time
  8. Urgent
  9. I Want To Know What Love Is
  10. Hot Blooded

Gesamtspielzeit: 54:10, Erscheinungsjahr: 2025

Über den Autor

Mario Keim

Musikstile: Heavy Rock, Rock, Deutschrock, Hard Rock
Marios Beiträge im RockTimes-Archiv

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