Die Band Free Selection kommt aus der größten pfälzischen Stadt, Ludwigshafen, und legt mit "Seasons Of Emotions" ihr Debütalbum vor. Progressive Rock, Art Rock und Alternative Pop sollen die drei musikalischen Grundpfeiler sein und wenn die ersten Takte von "Smile" erklingen, ist man geneigt, den Stift zum Unterschreiben schon mal in die Hand zu nehmen.
Dem musikalischen Stil angepasst sind die Lyrics, die aus der Feder von Sängerin Julia Klingler stammen. Thematisch stecken allerlei Gefühle in den Worten und sieht man sich die Namen der Lieder an, so darf man darauf vertrauen, dass diese mit den jeweiligen Texten zu tun haben. Was die Musik angeht, dafür zeichnet Marco Nau verantwortlich, der in der Band Gitarre und Tasten bedient und ansonsten auch als Gitarrenlehrer arbeitet.
Komplettiert wird das Quartett durch Andrey Kelim an den dicken Saiten und Christian Jotter am Schlagzeug.
Der Untertitel von "Seasons Of Emotions" ist mit "Chapter One" angegeben und soll als Konzept angelegt sein. Für diese Konzept wird das Stück "Summer Rain" genannt, welches auf vorliegendem Album dann anscheinend Teil einer Konzeption ist, die in den Folgealben weitergeführt werden soll. So zumindest lese ich das aus den vorliegenden Informationen heraus. "Summer Rain" ist mit fast 13 Minuten Spielzeit der zweitlängste Track auf dem Album und nicht von schlechten Eltern.
Keyboard und Vocals bestimmen die Szenerie. Bis sich Gitarre und eine perkussive Dampfwalze einmischen und es proggig zur Sache geht. »Unsere Songs sind Klangreisen durch die Emotionen …« sagt die Band und musikalisch geht die Reise hier von Stimmlichem à la Kim Wilde bis hin zu harten Dream Theater-Tunes. Aber auch süßlicher Prog steht auf dem Rezeptblock, dann wird aus Kim Wilde eine ruhiger rockende Röhre. Das Brett, das Free Selection auf "Summer Rain" fährt ist in der Tat so, wie es der Beipackzettel beschreibt: Eine Mischung aus Prog, Art Rock und Alternative Pop.
Spannend ist es auch, denn immer wieder wechselt die 'Klangreise durch die Emotionen' die Richtung: Gesprochenes, Bassgebrabbel, Saitenflirren, harmonische Vocals und vertrackte Prog-Strukturen in "Crystal Dreams" und "Jealous" etwa, eher gemäßigter Art Pop-Rock ("Child"), eine gute Spur Funk-Rhytmus im forschen "Home", ebenfalls recht forscher und nach vorne treibender Pop-Rock in "Smile" und dann diese tolle Komposition "Big City", die man durchaus als den Gipfel proggigen Art-Pops mit rockigem Gitarrenanstrich bezeichnen kann. Solche Stücke sind geeignet, in vielen musikalischen Lagern im großen Prog-Rock-Pop-Land zu gefallen. Zumindest dann, wenn man bereits ist, mehr als eine musikalische Spielart zuzulassen.
"Care" ist mit seinen siebzehneinhalb Minuten wohl die Nummer, die bestens geeignet ist, alle Facetten der Pfälzer in den Fokus zu rücken. Es geht auch wieder in die Ecke härteren Progs mit leichten Double Drums und vertrackten Passagen, dann wird harmonischer Art Prog von Gitarrensoli veredelt und Dank der Spieldauer haben die Musiker alle Zeit der Welt, um Szenerien unterschiedlicher Emotionen zu erstellen. »Jeder Mensch kennt Momente von Sehnsucht, Hoffnung, Freude und Melancholie – wir übersetzen sie in Musik«, ist ein Statement von Free Selection.
Das birgt natürlich die Gefahr, weder Fisch noch Fleisch zu sein. Oder aber, es wird das das beliebte Surf’n’Turf goutiert. Mal abwarten, was die nächste 'Season' auf den Tisch bringt. Und auch, was die Fans bei den kommenden Live-Auftritten meinen. Nach dem Konzentrieren auf das Debütalbum, will die Band live unter die Leute gehen.
Surf’n’Turf ist was Feines. Wie auch die Hammervocals ab Minute 14:35 …
Line-up Free Selection:
Julia Klingler (vocals)
Marco Nau (guitars, keyboards)
Andrey Kelim (bass)
Christian Jotter (drums)
Tracklist "Seasons Of Emotions":
- Smile (5:24)
- Bog City (5:20)
- Summer Rain (12.50)
- Crystal Dreams (8:00)
- Jealous (5:31)
- Child (5:08)
- Care (17:26)
- Home (3:27)
Gesamtspielzeit: 63:06, Erscheinungsjahr: 2025



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