Ein Monolith gegen das Vergessen
Es muss Ostern gewesen sein. Nein, nicht dieses Ostern, sondern Ostern 1995. Die Osterfeuer brannten noch lichterloh in ungeahnte Höhen, Feinstaub war ein Fremdwort aus einer anderen Welt und in Reichweite floss reichlich Maibock. Irgendwer musste einigermaßen nüchtern bleiben, denn die große Osterrocknacht im 'Dröhn' stand an, natürlich erst ab Mitternacht, um den nervigen kleinen Kindern aus dem Weg zu gehen.
AC/DC, Iron Maiden, Judas Priest, Motörhead und für die Weicheier Bon Jovi, Russ Ballard und ZZ Top, puh, heißes Feuer, volle Hütte … ich muss mal kurz runter zur Garderobe. Nicht nur wegen des Entledigens überflüssiger Kleidungsstücke, sondern auch wegen der dort aushängenden Konzertankündigungen.
Wie jetzt, Rory Gallagher kommt wieder nach Bremen? Geil, vor zweieinhalb Jahren wegen der noch nicht ausentwickelten Musiksozialisation verpasst, ist das ja wohl ein Pflichttermin in der 'Aladin Music Hall'!
Tja, aus bekannten Gründen ist es zu diesem Auftritt nie gekommen, die Blues Rock-Welt trug vor bald 30 Jahren geschlossen Trauerflor.
Der Stellenwert dieses Künstlers lässt sich allein daran gut festmachen, dass es auch heute noch etliche Festivals und Tribut-Bands gibt, die unter der Flagge des irischen Nationaldenkmals aus Cork (geboren in Ballyshannon, Grafschaft Donegal) segeln und regelmäßig für begeisterte und gleichzeitig wehmütige Musikfans sorgen, die ihrer Leidenschaft auffallend zahlreich mit Gallagher-Shirts Ausdruck verleihen.
- Band Of Friends als Trio on tour
- Band Of Friends als Trio on tour II
- Stephan Graf und Gerry McAvoy werden langsam warm
In diesem Umfeld gibt es seit etwa 13 Jahren einen Monolithen. Der Bassist aller Soloveröffentlichungen des berühmtesten Karohemdträgers – 20 Jahre in dessen Tourband tätig – und der Schlagwerker seiner ersten zehn Solojahre gründeten das Projekt Band Of Friends, um das Erbe ihres einstigen Chefs mit größtmöglicher Authentizität nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.
Nach dem Tod Ted McKennas übernahm mit Brendan O’Neill genau derjenige die Schießbude, der in den folgenden zehn Solojahren die Stöcke geschwungen hatte.
Besonders sensibel ist in diesem Zusammhang natürlich die Besetzung des Saitenartisten. Derzeit hat diese Aufgabe bei Auftritten in den USA der großartige Davy Knowles inne, gebürtig von der Isle of Man, aber bereits seit längerem in den USA lebend. Sofern er verhindert ist, übernimmt bei den Europa-Terminen der thüringische Gallagher-Enthusiast Stephan Graf, der seit Mitte der 2000er Jahre einer Band mit dem vielsagenden Namen The Double Vision vorsteht und sich längst über Thüringen hinaus einen guten Ruf als »Deutscher Gallagher« erspielt hat.
Die Aladin Music Hall ist in heutigen Zeiten mit ihrem Fassungsvermögen von 1200 Leuten für das Trio von Band Of Friends natürlich viel zu groß, der Meisenfrei Blues Club dagegen als natürliches Habitat bestens geeignet.
Und so wird an einem recht gut besuchten Dienstagabend wohl nicht ganz zufällig mit "Double Vision" vom 1982er "Jinx"-Album der Reigen eröffnet und schlagartig deutlich, warum Gerry McAvory auf Stephan Graf gekommen ist. Es ist natürlich nicht die obligatorische Jeans, das Karohemd oder die völlig abgewetzte Strat, nein, die Stimme verblüfft, erinnert sie doch frappant an genau das, was einst die TAZ in einer Rezension zum 1992er Aladin-Auftritt schrieb: »(…) immer noch ist es diese kicksige Stimme, die keinen Ton halten kann, aber gerade deshalb blue ist (…)«.
In der Folge bringt das Trio einen repräsentativen Querschnitt des Gallagher-Vermächtnisses mit Urgestein Gerry McAvoy als unermüdlichen Anheizer des Kohlekessels, Brendan O’Neill als stoischen und äußerst präzisen Uhrwerktrommler und Stephan Graf als eine Art 'Wiedergeburt', wie es eine langjährige Gallagher-Anhängerin auszudrücken pflegt.
Das ist natürlich vollkommen übertrieben, aber der gute Mann geht dermaßen positiv verrückt in seiner 'Rolle' auf, dass sich dem niemand im Auditorium entziehen kann und förmlich mitgerissen wird.
- Stephan Graf & Gerry McAvoy sind warm gespielt II
- Brendan O’Neill eskaliert
- Stephan Graf geht voll in seiner „Rolle“ auf
- Stephan Graf geht voll in seiner „Rolle“ auf II
- Stephan Graf ist bereits voll im Spiel
- Gerry McAvoy genießt einen prächtig laufenden Gig
- Gerry McAvoy nicht nur am Bass aktiv
- Die Musiker haben Bock und Spaß
- Gerry McAvoy ist für die Kommunikation mit dem Publikum zuständig
- Setlist
- Setlist
- Auffallende Ähnlichkeit
Speziell im zweiten Set wird es zuweilen fulminant und der dramaturgische Aufbau ist geschickt gewählt. Schlussendlich dient der gesamte Vorlauf einem furiosen Finaltrio mit der tätowierten Lady, dem abgegriffenen Groschen und den Schattenspielen. "Bad Penny" glänzt dabei zusätzlich mit einer gelungenen Reggae-Einlage und "Shadowplay" lässt selbst reservierte Bremer*innen aus der Haut fahren und lauthals mitsingen.
- Grandioses Finale
- Grandioses Finale II
Aber Gerry McAvoy ist nicht erst seit gestern dabei und weiß dem Ganzen in der Zugabe mit dem "Bullfrog Blues" die Krone aufzusetzen, während sich vor dem geistigen Auge die alten Rockpalastnächte abspielen. Ein größeres Kompliment ist den drei Musikern sicherlich nicht zu machen und ein Wiedersehen auch ohne Ostern sehr erwünscht.
Wir bedanken uns sehr herzlich bei Peter vom Meisenfrei für den Platz auf der Gästeliste.
Bildnachweis für alle Bilder des Events: © 2025 | Olaf 'Olli' Oetken | RockTimes
Nachtrag:
Es ist kaum zu fassen, aber während der Hotelübernachtung in Bremen wurde der Band-Van aufgebrochen und sämtliche Instrumente, Drumkit, Verstärker und Band Merch (CDs & Shirts) gestohlen.
Da sind viele Sachen bei, die auch einen unschätzbaren ideellen Wert haben und heutzutage schlicht nicht ersetzbar sind. Allerdings sind sie dadurch auch identizifierbar. Daher an dieser Stelle die komplette Auflistung der gestohlenden Gegenstände mit – sofern vorhanden – Seriennummern … die Band ist für jeden Hinweis dankbar, wenn Entsprechendes wo auch immer feilgeboten wird. Auf der Facebook-Seite von Stephan Graf gibt es Fotos des gestohlenen Equipments zu sehen, letztlich ist auch auf den Bildern zu diesem Artikel einiges zu erkennen.
• Fender custom shop Stratocaster 1960 , Bj 2001, sunburst wenig Farbe, fender decal halb weg, bzw zerkratzt.
• Seriennummer: R15475
• Fender custom shop Telecaster 1967, Bj 2011
• Vintage white
• Seriennummer: R 59161
• Thorndal Nemesis , white Seriennummer: 62053
• Fender Bassman Ten silverface Bj 1973
• 4×10 original
• Vox AC 30 Bj 1991
• BSM DM- T FAT BOOST
• BSM RG
• BSM BM – Q
• Die BSM booster sind alle beschriftet und modifiziert, ohne netzteilanschluss, sprich da ist immer ein Loch.
• Musicman Stingray Bass, Black 1981
• Trace elliot V6 bass amp head , sehr schwer , 300 Watt
• Aschdown bass Box 6×10
• Premier drumkit 1979, cherry Red,
• 1984 Ludwig Black beauty metal snare drum





















3 Kommentare
Thomas
7. April 2025 um 16:44 (UTC 1) Link zu diesem Kommentar
Ja, ein mitreißender Gig in der Meise. Da waren sich glaube ich alle einig. Dass der Van aufgebrochen wurde, ist sehr bitter. Hoffentlich kriegen sie irgendetwas davon wieder.
Ulli Heiser
7. April 2025 um 17:10 (UTC 1) Link zu diesem Kommentar
Klasse ist jedoch, dass die Band von vielen Menschen Unterstützung bekommen hat und noch bekommt und somit die Shows weiterführen kann. Nicht mit dem eigenen Equipment, aber sie können spielen. Ansonsten ist der Diebstahl an sich aber schon eine sehr negative Sache, wie es generell alle Verbrechen sind.
Der Bandname bekommt durch die vielfältige Unterstützung auf jeden Fall eine besondere Bedeutung. Wollen wir hoffen, dass sich alles zum Guten wendet und den Langfingern sollte man für ein Jahr Slide-Ringe an sämtliche Finger implantieren …
Steffen+Nitzsche
7. April 2025 um 12:49 (UTC 1) Link zu diesem Kommentar
Danke….geiler Bericht und deckt sich mit meinen Eindrücken von der Vorwoche in Seelow.
Gerry Mc Avoy ist einfach immer gut drauf und der Antreiber in der Band. absolut cooler Basser.
Und Stephan Graf passt gut rein….
Ich habe die Band schon X mal gesehen. 2025 ist einfach Top und hat mir selten so gut gefallen.
Das mit dem "Klauen" ist natürlich Sch…..
Die Ursache muss endlich intensiver bekämpft werden.